Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 25 (21.6.1918)
- Date
- 1918-06-21
- Page
- Seite 286 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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286 Das Jüdische Echo Nr. 25 ligiösen, sein wahres Ziel: die Tat, seine wahre Aufgabe: die Gestaltung des Volkes zu einer heiligen Gemeinde entgegen. Als die Einheit alles Erdenlebens zeigt er die Welt des alten Judentums, eine Einheit nicht des Seins, sondern des Werdens; dem bereits am Werk der Verwirklichung Tätigen offenbart sich Gott. Buber erinnert an die Kraft des Willens zur Gestaltung der heiligen Gemeinde in den jüdischen Führern und an die Tragik, die in ihrem Ringen gegen den Widerstand der zur Tat Gerufenen liegt. Die jüdische an einer andren Gemeinschaft, der griechischen Polis messend, erweist er den jüdischen Willen zur Einheit; in der Polis ist die soziale Ungleichheit zwischen Volk und Vornehmen zum Prinzip erhoben, im jüdischen Staat dagegen wird in strengem Rhythmus die Ungleichheit des Bodenbesitzes ausgeglichen, das Joch der Knechtschaft aufgehoben. Dem Lauf der Geschichte folgend, deutet er dann auf den Augenblick hin, in dem die Einheit gespalten wird, den Augenblick der Einsetzung des erblichen Königtums. An dieser Wende beginnt der Kampf der Propheten gegen den Staat, nicht den Staat an sich, sondern den entgotteten Staat. Weiter den Fluß der Geschichte entlangschreitend, zeigt der Redner, wie nach dem Niedergang des Reiches, im zweiten Reich, an Stelle des aktiven der passive Messianismus entsteht. Und nun gelangt Buber zu einer Stelle, die den Mittelpunkt seiner Gedankenkette bildet und als der Schlüssel zum Verständnis seiner Anklagen und Forderungen angesehen werden darf: in starken Umrissen zeichnet er die Sekte der Essäer, in der der jüdische Verwirklichungsgedanke zu neuer Gestalt gelangte. Aber auch eines andren muß er in dieser Rede vom jüdischen Verwirklichungswillen gedenken: Jesu, der die Einheit Gottes in der Gemeinschaft herstellen, die Gesellschaft nicht auflösen, sondern erfüllen wollte — und den die Menschheit, befangen in der Annahme einer unüberbrückbaren Zweiheit von Menschenwille und Gottesgnade, seit zwei Jahrtausenden mißversteht. Dank Paulus das Böse als eine Urgewalt, als den ewigen Widersacher des Guten verstehend, sieht sie nicht im Willen sondern im Glauben den Weg zur Erlösung, erblickt sie die Verwirklichung des Geistes nicht mehr im Staate, sondern in der Kirche und kann das Wichtigste der jüdischen Lehre in Jesus:: den Gedanken der Verwirklichung nicht mit übernehmen. Wieder zum Geschick des eigenen Volkes zurückkehrend, zeigt Buber, wie diesem, seitdem es unter den Gesetzen fremder Völker steht, nicht mehr nur die Kraft, sondern auch die Möglichkeit zur Verwirklichung der wahren Gemeinschaft genommen ist. Und nun erhebt er nochmals die Stimme des Anklägers: die Schuld des Judentums ist, daß es sich in diesem Zustande der Entfremdung von seiner Aufgabe behaglich eingerichtet hat. So behaglich, daß auch der Chassidismus nur eine vorübergehende Besinnung auf das Werk der Vollendung des Volkes bleibt. Buber aber ist nicht nur als Ankläger gekommen; er hat gefühlt, daß seine Zeit reif ist zur Umkehr und daß es an ihm selbst ist, den richtigen Weg zu weisen. Drei Wege sind bisher versucht worden, um die Verwirklichung der Wahrheit zu erreichen: erstens der Weg des Humanitarismus, der vom Judentum fordert, es solle aus seiner völkischen Absonderung heraustreten, um am Gesamtwerk der Menschheit teilzunehmen — er versteht nicht, daß der jüdische Geist sich nur in der selbstgeschaffenen Gemeinde des jüdischen Volkes verwirklichen kann. Zweitens der Weg des reinen Nationalismus, der aus dem jüdischen Volke nur ein Volk wie andere Völker machen will — er vergißt, daß keinem Volk der Erde, sondern einzig dem Geiste Souveränität zusteht. Drittens der Weg der Gesetzesdogmatiker, die an einen einmaligen Akt der Offenbarung glauben — sie fühlen nicht, daß Gott sich fort und fort offenbart, dem Menschen aufgebend, das Ewige immer aufs neue in zeitliche Gesetze zu übertragen. Mit strengen Worten geißelt Buber die Entartung der Nurnationalisten und der entarteten Buchstabengläubigen, und dann weist er den rechten Weg: die Rückkehr zum Streben nach Verwirklichung. Sie aber kann nur im eignen Lande, in einer jüdischen Gemeinde, die unter ihren eignen Gesetzen lebt, erfolgen. Als Zionist steht Buber nun vor seinem Hörerkreise, als Vertreter eines Zionismus, der von ihm selbst den geistigen Inhalt empfangen hat: seine Erfüllung mit Sehnsucht nach der Verwirklichung der heiligen Gemeinschaft, nach der Aufrichtung Zions als des Heiligtums der Völker. Aber Buber begnügt sich nicht damit, den Weg zu weisen, sondern er zeigt zugleich, wie dieser Weg ausgebaut werden muß, um zum Ziele zu führen: durch den Aufbau und Zusammenschluß echter und gerechter Einzelgemeinden wird der Staat, wie wir ihn ersehnen, entstehen. Noch sagt er uns nichts über die Gestaltung dieser Gemeinden — aber aus seinen Worten klingt die Versicherung, daß er das Bild dieser Gestalt in sich trägt und entschlossen ist. es zum Leben zu erwecken. Wohl fühlt er die Schwere des Kampfes voraus, aber über allen bangen Ahnungen steht seine unerschütterliche Hoffnung auf den Sieg, die Hoffnung auf das dritte Reich.- Hohlsaum Plissee, Feston und alle einschlägigen Arbeiten. 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