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Das jüdische Echo · 1918-06-14 · 24 (14.6.1918) · p. Seite 281

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
24 (14.6.1918)
Date
1918-06-14
Page
Seite 281 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 25 Das Jüdisch« Echo 281 Die Berlinische Jüdische Rundschau sagt im Anschluß an diese Mitteilung: „Wer zweifelt noch daran, daß die deutsche Verwaltung in Polen Kulturpolitik treibt und sich auch die Interessen des jüdischen Volkes von Herzen angelegen sein läßt?“ Ausschreitungen der polnischen Legionäre. Die jüdische Fraktion in der Stadtverordneten-Versammlung von Minsk hat einen Antrag eingebracht, die Stadtverordnetenversammlung möge einen scharfen Protest wegen der furchtbaren Untaten annehmen, welche von Seiten der polnischen Legionäre gegen Juden in den kleineren Orten des Gouvernements Minsk verübt wurden. 60^—»70jährige Greise wurden öffentlich geprügelt, andere wurden an Pferde angebunden und durch die Straßen geschleift. Ein Fall liegt vor, wo die polnischen Legionäre für einen Juden in Gegenwart der Familie den Galgen errichteten. Die Interpellation der jüdischen Fraktion wurde von einigen Mitgliedern der sozialdemokratischen Fraktion mitunterzeichnet. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Nach Anhörung der Mitteilungen der jüdischen Fraktion über die Taten einiger Abteilungen der polnischen Legionäre gegen die jüdische Bevölkerung einiger Ortschaften spricht die Minsker Stadtverordneten-Versammlung ihre tiefste Entrüstung über diese Vorfälle aus. Sie ist davon überzeugt, daß die polnische Bevölkerung diese Ereignisse in gleicher Weise verurteilt und alle Mittel ergreifen wird, um die einzelnen Vorfälle aufzuklären, und daß sie derartiges Unrecht vom Anfang an unterdrücken wird, um die Herstellung normaler brüderlicher Beziehungen zwischen beiden Völkern zu ermöglichen. J. K.-B. Bern. Neue Judenpogrome in Beßarabien. Das Jüdische Korrespondenzbureau in Bern berichtet: Das Kopenhagener Bureau der zionistischen Organisation erhielt zuverlässige Nachrichten über neue grausame Ausschreitungen gegen die Juden, die am 23. Mai in Kischinew, Balta und Bendery stattfanden. Viele Juden sind ermordet. Eine große Anzahl jüdischer Läden wurden ausgeplündert. Gemeindenu. Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Gemeinden und Vereinen und von Personalnaohriohten, die In diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höflichst eingeladen.} Personalien. Herrn Rabbiner Dr. Klein aus Hirschberg i. Schl, wurde als Nachfolger des von seiner Gemeinde Tarnowitz O. S. reklamierten und nunmehr entlassenen Herrn Rabbiner Dr. Gradenwitz, die Ausübung der israelitischen Militär-Seelsorge bei der 9. Armee vom Kriegsministerium übertragen. Die Adresse lautet von jetzt ab: Armee-Rabbiner der 9. Armee Dr. Klein, Etappen-Inspektion 15. Deutsche Feldpost 207. Dr. Martin Buber sprach am Mittwoch, den 12. d. M., im Saale des Edenhotels über „die Verwirklichung des Judentums“. Wir behalten uns noch vor, auf die außerordentlich fesselnden Ausführungen des Redners zurückzukommen. Eine jüdische Feier. Es war eine schöne alte Sitte bei unseren Ahnen, neben den uns gebotenen Fest- und Fasttagen auch eine Anzahl selbst geschaffener Festlichkeiten im Kreise der Familie oder in weiterem der Glaubens- und Volksgenossen zu begehen. Im Osten Europas sind solche „Smiches“ heute noch üblich und heimeln auch den Westjuden an, wenn er Gelegenheit hat daran Teil zu nehmen. In Deutschland gehört es schon zu den Seltenheiten, wenn man zu einem solchen „Lokalfeiertag“ geladen wird; doch ist es gut, daß diese Sitte nicht ganz ausgestorben ist, und wenn man schon das Vergnügen hat, einer derartigen Feier — welcher die Strenggläubigen das Prädikat „Mitzwoh“ beilegen —. beizuwohnen, so sind es meistens auch ehemalige Bewohner der östlichen Landesteile, welche uns derartiges bieten. Zu diesen Tagen der Freude wird auchdas sogenannte Ausschreiben einer „Sefer Thora“ gerechnet. Ein strenggläubiger Jude betrachtet es als große „Mitzwoh“, eine „Sefer Thora“ selbst zu schreiben, oder, wenn er persönlich nicht dazu in der Lage ist, eine solche wenigstens schreiben zu lassen. Das erste Wort „Bereschith“ und einige Worte am Schlüsse des letzten Kapitels werden vom Schreiber nur mit Strichen angedeutet und bei dem Feste, das anläßlich der Fertigstellung veranstaltet wird, vollenden der Festgeber und seine Gäste die Arbeit, indem jeder Einzelne einen Buchstaben vervollständigt. Auch; in München fand in den jüngsten Tagen eine derartige Feier statt, die sicher zu den gelungensten dieser Art gezählt werden kann. Die Bescheidenheit des Spenders gestattet es mir nicht, Namen zu nennen; doch der Verlauf der Feier gibt mir Veranlassung auf dieselbe näher einzugehen. Um die Nachmittagsstunde hatten sich! an 40 Teilnehmer im Hause des Gastgebers eingefunden, um die letzten Striche an dem Wierke auszuführen. Mit Ehrfurcht trat der Geladene an die heilige Rolle heran, um seinen Teil an der „Mitzwoh“ beizutragen und man konnte jedem Einzelnen am Gesichte ablesen, mit welcher Genugtuung und Freude er den Akt ausführte, wobei ein kurzes Gebet verrichtet wurde. Nachdem die mit Mantel und prächtiger Silberkrone geschmückte Thorarolle in den Schrein zurückgebracht war, trat der weltliche Teil in seine Rechte. Ein den Kriegsverhältnissen angemessenes gutes Mahl bot den Geladenen Gelegenheit, die Gastfreundschaft des bescheidenen strenggläubigen Spenders zu genießen; einige treffliche Tischreden, sowie altjüdische Gesänge west- und ostjüdischer und chassidischer Weisen ließen die Stunden rasch! dahinfließen. Nur schwer trennten sich die Gäste von der Stätte und man hörte allseits den Wunsch, daß derartige altjüdische Feste sich auch in unserer Zeit und in unsren Landen wieder einbürgern möchten. J. F. Jüdischer National-Fonds. Zahlungen sind zu richten an Elisabeth Mahler, München, Postscheckkonto Nr. 10121. Goldenes Buch: Siegfried Weil, sei. And.: Der Münchener Blau-Weiß betrauert tief den Tod seines lieben Führers Siegfried Weil 10 Mk. Blau-Weiß, München. Herrn. Mahler verlorene Wette von Alice Mannsbach. 1 M. Die 2. Gruppe dankt den Leipziger Mädels für ihre Grüße. 1 Mk.

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