Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 20 (17.5.1918)
- Date
- 1918-05-17
- Page
- Seite 234 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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234 Das Jüdische Echo Nr. 20 Die österreichische Landwehr. Die österreichische Landwehr hat keine Fahn’ — und doch flog ihr stolz der Adler voran. Der Adler war müde und flügelmatt, der Landwehrmann galt nicht als rechter Soldat. Wir aber standen Gewehr bei Fuß und harrten der Stunde, die kommen muß. Wir fühlten’® im Herzen mit brennendem Weh, wir sind die Letzten in Kaisers Armee. Der Stunde schlug. Der Adler flog, äls der Landwehrmann zu Felde zog. Und was wir im. Herzen erträumt und erdacht, wir haben’s gehalten im Wetter der Schlacht. Und schmücken die andern dereinst ihr Panier, wir werden bekränzen die Gräber dafür. Und wissen, was unser Sturmbanner sei. Dem Lande die Wehr, dem Kaiser die Treu. Nun hat er auch längst die Treue bewährt bis in den Tod. Bewußt kämpfte er gegen den Erbfeind des Judentums und seiner österreichischen Heimat, und zwiefach begeistert zog er darum in den „Rachezug für Kischinew“, wie er den Krieg gegen Rußland einst auf einer Feldpostkarte nannte. Eine kraftvolle Persönlichkeit, ein reine® Menschenkind, ein adeliger und untadeliger Jude ist in ihm dahingegangen, der einen reichen Born von Geist und Gemüt ganz heimlich in seiner Brust trug. Nie hat er es gelernt, auf den Literatenbörsen zu spekulieren und sich bei der Menge „durchzusetzen“. Seine treue Art ließ ihn still und unbekannt für weitere Kreise bleiben, bis gewissermaßen i ein Zufall zu seiner „Entdeckung“ führte. Und da erfüllte sich sein Schicksal. Den Todespfeil im Herzen, hat er im Lazarett noch ein Lied, sein Schwanenlied, gedichtet, und dies letzte Lied auf seinen Lippen verkörpert, ähnlich wie bei Löns, noch einmal die goldene Treue seines Wesens, die inbrünstige Liebe zu seinem Volk, den ganzen Hugo Zuckermann: es ist ein treues Vermächtnis für seine Volks- und Gesinnungsgenossen. So lautet es.: „Makkabäer 5 6 7 5.“ Heute darf ich den Genossen MaKkabäerlieder sagen, weil ich selbst ein Schwert getragen und mein rotes Blut vergossen. Heute keine Siegeslieder, heute keine Freudenkerzen, beugt euch mit zerrissnem Herzen zur entweihten Erde nieder. Noch ist nicht die Zeit vollendet,;;; noch ist nicht das Land gereinigt, noch wird -unser Volk gesteinigt, unsere Tempel sind geschändet. Keiner festlich hellen Stuben siebenarmiv Lichterschimmern, über Scherben, Schutt und Trümmern raufen sich zerlumpte Buben. In den weihedunklen Schulen stampfen die Kosakenrosse, nach dem Lied der letzten Posse walzen zwei betrunkne Buhlen. Unter der Granaten Pochen, die den Friedhof gut getroffen — alle Gräber gähnen offen — speit die Erde Totenknochen. Darum keine Siegeslieder, darum keine Freudenkerzen, beugt euch mit zerrissnem Herzen zur entweihten Erde nieder. In die harten Fäuste pressen sollt ihr fest zwei Erdenbrocken, meine Rechte werde trocken, könnt ich deiner je vergessen. Deiner Seufzer, deiner Tränen, deiner Schwären, deiner Schande, Judenvolk im Polenlande, in dem Rachen der Hyänen. Wer ein gutes Schwert kann schwingen, wer noch kann die Büchse tragen, wer da kann die Trommel schlagen, soll den Arm zum Opfer bringen. Wer die Berge kann bezwingen, wen ein flinkes Roß getragen, wer sich auf den Mast will wagen, soll die Beine uns verdingen. Eure Künste, euer Streben, eure festen Daseinsplätze, eure Häuser, eure Schätze heischen wir und: euer Leben. Euer Leben, daß nicht sterbe Väterart und Vätererbe. Macht den Tempel wieder rein, laßt uns Makkabäer sein! Ergreifend wirkt für den, der im Arndtschen Sinne ein Vaterland kennt, dies heiße Sehnen eines Herzens, die® Ringen einer Seele um die verlorene Heimat. Sein Grab schmücken Leier und Schwert und darüber strahlt der sechsgezackte Davidsstern mit der Losung „Zion“, und er zeugt im Verein mit den anderen Sinnzeichen davon, wie hier einer ruht, von dem zwiefach gilt: Der ist in tiefster Seele treu, der die Heimat so liebt wie du. Julius Bab aber stimmte seine Harfe auf die des Frühvollendeten und rief dem toten Helden, dem es nicht mehr beschieden war, unsere Fahnen „auf Beigerad“ wehen zu sehen, in die Ewigkeit nach: Dunkel im Abendrot kreisen die Krähen. Schnell kam der Schnitter Tod, um dich zu mähen- Was du aus rechter Brust tapfer gesungen, war nur zu wahr gewußt — bist nun zersprungen. Dr. Heinrich Schwab ist gefallen. Unfaßbar schwer trifft uns die Nachricht von seinem Tod. Eine Verkörperung der Lebensfreude und Lebenshoffnung, wie wir ihn noch vor kurzeu sahen, so steht er in unserer Erinnerung. Er war erfüllt von unserem Ideal und seine Lebensarbeit dem jüdischen Schaffen in Palästina