Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 20 (17.5.1918)
- Date
- 1918-05-17
- Page
- Seite 232 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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232 Das Jüdische Echo Nr. 20 sic hinweist, umsomehr als ihre Überwindung sicher ist, wenn die Quellen jüdischer Lebenskraft noch nicht ganz verschüttet sind. Nur nach einer Richtung hin scheint der Unterrichtsplan den Erfordernissen der Zeit nicht völlig gerecht zu werden. Man möchte der jüdischen Geschichte im Religionsunterricht doch einen erheblich weiteren Raum gewährt sehen als es der Verfasser (S. 12) tut mit den Worten: „Ferner gehört hierher ein gedrängter Überblick — nicht mehr — über die jüdische Geistesentwicklung im Zusammenhang d£r allgemeinen Schicksale des Volks.“ So würde der jüdische Schüler überhaupt nichts erfahren über das geschichtliche Entstehen der heutigen Stellung der Juden zur Umwelt, d. h. über die Fragen, die jeden Juden ohne Rücksicht auf seine religiösen Anschauungen aufs Lebhafteste bewegen. Hierher gehört z. B. die historische Erklärung des Antisemitismus, dem der größte Teil der deutschen Judenheit gedanklich völlig ratlos gegenübersteht, um sich schließlich mit der Vogel'-Strauß-Auffassung einer „vorübergehenden Erscheinung“ zu begnügen, einer Anschauung, die ebenso flach wie falsch ist, und deren Unrichtigkeit auch der dürftigsten historischen Vorbildung erkenntlich ist. Hierher gehört weiter die Erklärung des'wirtschaftlichen Typs des modernen Jiiden als Händler, u. a. m. Bleibt nicht der moderne Jude als soziale Erscheinung unerklärt, wenn man nicht in die Vergangenheit zurückgreift. Daher sollte man meinen, daß die Forderung eines gründlichen jüdischen Geschichtsunterrichts zu einleuchtend sei, um einer eingehenden Begründung zu bedürfen. Auch die Auffassung, die jüdische Geschichte gehöre nicht in den Religionsunterricht, ist nicht richtig. Sie ist doch, wie die Dinge liegen, sonst nirgends unterzubringen. Und bildet die Geschichte der Religionsgemeinschaft nicht mindestens einen wichtigen Teil der Religionsgeschichte? In den in der genannten Schrift vorgeschlagenen Lehrplan wäre daher ein Kursus: Jüdische Geschichte einzufügen und nach den Gesichtspunkten zu unterrichten, die für den modernen „bürgerlichen“ Unterricht maßgebend sind. Man müßte, wenn es nicht anders geht, auf anderes verzichten, z. B. auf die Gemara, den Sohar und das meiste der mittelalterlichen Literatur, zumal der Wert dieser Studien bei so wenigen Unterrichtsstunden überaus fragwürdig ist. Es ist nicht wahrscheinlich, daß der Verfasser die jüdische Geschichte aus seinem Unterrichts^ plan ohne besondere Absicht ausgelassen hat. Darauf deutet der für die Lehrerausbildung und für den Ausbau der jüdischen Wissenschaft aufgestellte Reformplan hin. Auch beweist der Untertitel der Schrift: Gedanken über das Jüdische Bi 1dungsproblem, daß das behandelte Problem nicht lediglich das des Religionsunterrichtes auch nach Meinung des Verfassers war, sondern das umfassendere der jüdischen Bildung überhaupt. Das Studium der alten Literatur, der biblischen sowohl wie der nachexilischen gibt allerdings Gelegenheit zu historischen Erörterungen. Sollte dem Verfasser das als genug und alles weitere als quantite negligeable erschienen sein? Oder hat er gefürchtet, seinem Plane in den Augen mancher Kreise zu schaden, der doch so wie so schon die Fesseln des traditionellen dürftigen Religionsunterrichtes sprengt, wenn er durch dessen Erweiterung auf ein bisher völlig vernachlässigtes Gebiet gar zu revolutionär erschien? Man kann sich doch nicht darüber täuschen, daß für seinen ganzen Reformplan nur diejenigen zu haben sind, denen die Reform der jüdischen Bildung wirklich Herzenssache ist — und diese würden gerade den Geschichtsunterricht sehr vermissen —, daß aber für die meisten „offiziellen Führer“ der deutschen Judenheit, die viel eher Neigung haben, die hebräische Sprache aus dem Unterricht völliozu vertreiben als sie besonders zu pflegen (vergl. S. 6 der Schrift), das Programm auch in dieser, nach einer wichtigen Seite nicht genügend ausgebauten Form unerwünscht ist. Zur Durchführung erscheint es vor allem wichtig, daß die nötigen Hilfsmittel an Schulbüchern usw. geschaffen werden, umso wichtiger als mit einem ausreichenden Lehrermaterial auf lange hinaus nicht gerechnet werden kann. Aller Anfang ist schwer und ganz gewiß dieser Anfang. Hier wäre ohne diese Hilfsmittel kaum die Möglichkeit zu einem ausgedehnten Versuch gegeben. Wenn der Verfasser zu dem großen Verdienst, das die Veröffentlichung dieses Programms bedeutet, ein weiteres fügen will, wird er auch für die Beschaffung dieser Hilfsmittel wirken. München. Dr. Raphael Straus. Welt-Echo Die Herrenhausvorlage. In der Sitzung vom 8. Mai erklärte der Minister des Innern Dr. Drews: Die Regierung sei grundsätzlich einverstanden, daß Vertreter des Judentums unter Berücksichtigung der beiden unter den Juden vorhandenen Richtungen in das Herrenhaus berufen werden. fjeuie Sperren CMiLxJie udMxAwaren Sfäunchen. Sffajcirnilianjlr U. J^ßmjeüSt29iJtück näüist Jldmeriplnl^ J^ßmjeüSt29iJtück G(bkeahcgldseü, ^Mdsißdiec. (MietbuIIm. (oßchmdi vollendete §hzeugiziä$e de? mdßimn/ljj^enüptik