Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 20 (17.5.1918)
- Date
- 1918-05-17
- Page
- Seite 230 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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230 Das Jfidlsche Echo Nr. 20 rein innerjüdischen Angelegenheit? Wenn schon die deutsche Verwaltung in Polen die nationalen Wünsche der Juden nicht leiden mag, welchen Sinn hat es, sich in dieser Weise in ihre inneren Angelegenheiten einzumischen? Und ist denn die Situation in Polen so gut, daß man esi darauf ankommen lassen muß, sich die geschlossene Abneigung der jüdischen Bevölkerung auf den Hals zu hetzen? Wir protestieren dagegen, daß die ehrlichen Absichten der deutschen Staatsregierung durch die unvernünftige Haltung untergeordneter Stellen so durchkreuzt werden, Herrmann Cohens Religions* Philosophie. Es ist Sache der philosophischen Geschichtsschreibung, die Philosophie Herrmann Cohens eingehend zu würdigen. Hier mag der Hinweis genügen, daß selbst der Judenfeind Houston Stewart Chamberlain Cohen als den größten Interpreten kantischer Denkweise anerkennt. Dies gilt nicht nur von der normalen Logik, sondern die Cohensche Leistung zeigt sich im Besondern in dem tiefen Nachfühlen der kantischen Ideen. Diese Meisterschaft der Intuition hat Cohen auch in Bezug auf die jüdische Religion und Relgionsphilosophie glänzend bewährt. Moses Mendelsohn hat in seinem „Jerusalem“ eine Darstellung vom jüdischen Ritual- und Zeremonialgesetz gegeben; die reinen Ideen selbst aber hat erst Herrmann Cohen in prägnanter Form herausgearbeitet und klar umschrieben. Dadurch wurde er zum methodischen Begründer der jüdischen Religions - Wissenschaft. Bei allem Gegensatz, der zwischen seiner Weltanschauung und der des orthodoxen Judentums besteht, muß auch dieses die allgemeine Bedeutung Cohens voll anerkennen. Während Spinoza das Judentum nur als Staatsgesetz betrachtet und es als Religion nicht gelten läßt, hat Herrmann Cohen mit hervorragendem Scharfsinn und mit der ganzen Macht seines religiösen Gefühls die kulturhistorische Bedeutung der jüdischen Religion verkündet. Tief durchdrungen von dem hohen Wert des Judentmus, sieht er überall in den großen Gedanken der Kultur nur eine, auch bereits im Judentum enthaltene Wahrheit. So sagt er einmal in der Einleitung zu F. A. Langes Geschichte des Materialismus; „Bevor Sokrates den Zweckbegriff der Menschheit demonstrierte, bevor Plato die Idee des Guten erdachte, lehrte schon der Prophet (Micha) „Gott hat dir gelehrt, o Mensch, was gut ist“. Und ein anderesmal: „Kein System der Ethik und der ethischen Lehre ist der Weltanschauung der altisraelitischen Propheten innerlich so verwandt als die Lehre Kants“. Wie Maimonides auf der Höhe des Mittelalters das Judentum mit der Philosophie des Aristoteles in Übereinstimmung zu bringen suchte, so findet Herrmann Cohen im Judentum die Begriffe der kantischen Ethik voll enthalten. Gottesidee und Messianismus sind ihm die Grundpfeiler der jüdischen Sittenlehre. Aus dem Gottesbegriff leitet Cohen zunächst die Menschenliebe ab. Der einige Gott Israels ist ihm der einige Vater der einigen Menschheit, der als Offenbarer des kategorischen Imperativs, die Menschen auf autonomer Grundlage zum sittlichen Zweckhandeln vereinigt. Als Endziel alles sittlichen Strebens erscheint ihm das von den Propheten erschaute messianische Zukunftsreich, an dessen Aufrichtung jeder Einzelne mitzuarbeiten hat. Der Zweck alles Weltgeschehens ist darnach die Realisierung der Sittlichkeit. Diese von Cohen mit patriarchalischer Würde und mit idealistischem Schwung vorgetragenen Gedanken haben etwas ungemein fesselndes und reizvolles an sich. Cohen versteht es eben, den Dingen neue Seiten abzugewinnen und bestärkt uns somit in dem Bewußtsein, daß unsere Eigenkraft ursprünglich, und die wahrhafte Originalität unzerstörbar und unvergänglich ist. Eine größere Darstellung der systematischen Ethik und Religionsphilosophie des Judentums befindet sich nach Cohens eigener Angabe seit Mai vorigen Jahres in Druck. Von seinen sonstigen Schriften jüdischen Inhalts seien folgende hervorgehoben: ( „Die kulturhistorische Bedeutung des Sabbats“. „Die Nächstenliebe im Talmud“, „Das Problem der jüdischen Sittenlehre“ (Monatsschrift für Geschichte und Wisenschaft des Judentums 1899), „Liebe und Gerechtigkeit in den Begriffen Gott und Mensch“ (Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur 1900), „Religion und Sittenlehre“ (Jahrbuch 1907), „Spinoza über Staat, Judentum und Christentum“ (Jahrbuch 1915). Ferner eine Reihe kleinerer Aufsätze, die Letzten zumeist in den „Neuen jüdischen Monatsheften“. Justin Kohn, Weiden. T?auThallmcrier /iofUßferanl München ThoatineviCr. 18. rp @ tjxynzmanjQ.