Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 16 (19.4.1918)
- Date
- 1918-04-19
- Page
- Seite 178 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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178 Das Jüdische Echo Nr. lö Die jüdische Nationalität in Litauen. In allen Ländern Osteuropas, in denen Juden in beträchtlicher Zahl und in festgeschlossenen Siedlungen wohnen, hat sich in den letzten Jahrzehnten der Gedanke der besondren jüdischen Nationalität im Staate Bahn gebrochen. Nun. da in den verschiedensten Ländern eine völlige Neuordnung der Verhältnisse des Staates einsetzt, beginnt die jüdische Bevölkerung, die notwendigen Schlußfolgerungen aus der Erkenntnis ihres eigenen Wesens zu ziehen und die Forderung nach Anerkennung ihrer besondren nationalen Eigenart zu stellen. Noch ist dieser Kampf unsäglich schwierig, nicht nur weil die einzelnen Regierungen bisher das rechte Verständnis für die jüdisch-nationalen Forderungen vermissen lassen, sondern weil1 den Juden bei ihrem Streben nach nationaler Gleichberechtigung fortwährend jene Teile des Judentums selbst in den Rücken fallen, die in der Aufgabe aller besondren jüdischen Merkmale und der Anpassung an andre Nationen das Heil sahen. Wo das Judentum als kleine Minorität einer großen, einheitlichen nationalen Majorität gegenübersteht, wie in Rumänien oder Polen, da erschienen diese assimilatorischen Bestrebungen zwar nicht wünschenswert, jedoch immerhin die Konsequenz einer — wenn auch falschen — logischen Erwägung. Wo aber, wie es in Österreich oder Litauen der Fall ist, die Juden als beträchtliche Gruppe inmitten einer Reihe von Nationalitäten stehen, von denen keine eine absolute Majorität besitzt, da erscheint die Forderung des Verzichtes auf eigne nationale Ansprüche und des Aufgehens in einer andren Nationalität geradezu sinnlos. In welcher Nationalität sollen sie denn aufgehen: der litauischen, polnischen oder weißrussischen? Müssen sie nicht befürchten, zum Spielball aller drei Volksteile und dadurch völlig zermalmt zu werden? Sehr anschaulich schildert diese in Litauen waltenden Verhältnisse ein Aufsatz in dem soeben in Wilna erschienenen Sammelheft „Meeth leeth“: „In Litauen wohnen vier ansehnliche Volksteile: Litauer, Juden, Polen und Weißrussen. In den Gouvernements Kowno und Suwalki überwiegen ethnographisch die Litauer. In diesen beiden Gouvernements hat das sonst kleine litauische Volk eine ausgesprochene Majorität. Die Polen besitzen in Litauen eine Minorität, aber diese Minorität hat das Streben, sich mit dem Königreich Polen zu vereinigen. Die Weißrussen sind besonders in den Gouvernements Grodno und Wilna zahlreich und richten ihre Augen nach den Gouvernements Witebsk, Mohilew und Minsk, dem Siedlungsgebiet einer guten Hälfte des weißrussischen Volkes“. „Die Juden Litauensi sind eine nicht zu unterschätzende Macht. Da sie ungefähr 14 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen, nehmen sie (nach Litauern und Weißrussen) im allgemeinen die dritte, in den Städten die erste Stelle ein. So z. B. machen die Juden in Wilna 43, in Grodno 48, in Kowno 35, in Poniwesh 51, in Wilkomir 54, in Schawly 48, in Telsh 50, in Sadowa 56 Prozent der Bevölkerung aus. Eine besondere große Bedeutung kommt den städtischen Juden infolge ihres höheren kulturellen Niveaus und ihrer Stellung in Handel und Industrie zu. Ohne Zweifel wird das jüdische Element unter freien Entwicklungsbedingungen, einer weitgehenden Autonomie und vollen Rechten dieser Aufgabe gerecht werden.“ Im weiteren Verlauf des Aufsatzes, der wohl als ein Symptom für die in weiten Kreisen des litauischen Judentums herrschende Auffassung gelten darf, wird dieses ermahnt, ganz unabhängig, aber gestützt auf das Streben nach Gerechtigkeit und Demokratie seinen eignen Weg, den Weg nationaler Selbständigkeit zu gehen. Daß es sich bei dieser Forderung nicht um die Meinung eines Einzelnen oder einer einzelnen Gruppe handelt, zeigt sich darin, daß bereits Anstrengungen gemacht werden, die zur Vertretung dieser Ansprüche geignete Organisation zu schaffen. Es erheben sich Stimmen, die energisch nach einer Reorganisation der jüdischen Gemeinden und nach der Einberufung einer Konferenz von jüdischen Vertretern aller litauischen Städte und KönigI. bayer. Lotterieeinnahme der Preuss.- Siidd. Klassen-Lotterie A. Ostermaier, München Promenadepl. 12/1, Eing. durch d. Zigarrengeschäft Beginn der 11. (237.) Lotterie mit Ziehung I. Klasse am 8. u 9. Januar 1918, 2. Klasse am 12. u. 13. Februar 1913, 3. Klasse am 12. u. 13. März 1918, 4. Klasse am 9. u. 10. April 1918, 5. Kiasse (Hauptunu Schlußziehungi beginnt am 7. Mai und endet am 3. Juni 1918. Lose in groOer Auswahl stets vorrätig. Preis für die 1. Klasse; für VR lU */2 lU 5 10 20 40 M Bei den folgenden Klassen sind die Vorklassen stets nachzubezahlen. Dropte töitMsöad) 9Künd)en 2 Sdjitterftrajse 48 empfiehlt fämtlidje Slrtihel 3ttr <?>aar=, SDtunbs, 3at)us unb Krankenpflege, mebijin. Sees ttad) Kneipp, Stärhuttgss'JBeinc unb Kräftigungsmittel, 'iöertmnbftoffe, Kageitfelle, Scf)tüämme, fotuit fämtl. ^arfütnerien. V. Trofpckte untfonft unb portofrei J s flireilimaschinen Reparaturen und Reinigungen aller Systeme schnell, fachgemäß, preiswert. Erstklassige Farbbänder u. Kohlepapiere sowie alle Zubehöre. 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