Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 15 (12.4.1918)
- Date
- 1918-04-12
- Page
- Seite 166 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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166 Das Jüdische Echo Nr. 15 Judenpogrome. Das Kopenhagen er Büro der Zionistischen Organisation hat, wie es telegraphisch mitteilt, soeben die V er s t ä nd i g u n g erhalten; - da 0 b e i ct e m ■ Zion i s tischen. Zentralkomitee in Petersburg Nachrichten über furchtbare Judenpogrome in Türkestan ein getroffen sind. In Ko kand wurden dreihundert Juden getötet, tausende wurden geplündert. Fälle von Raub und Totschlag werden aus allen kleinen Orten gemeldet. In Samarkand wird stündlich der Ausbruch von Judenpogromen erwartet. DerFinanzminister der turkestanischen Regierung, Herzfeld, Vorsitzender des Zionistischen Rayonkomitees, ist in bestialischer Weise ermordet worden. Die Lage ist verzweifelt. Furchtbare Pogrome werden auch aus der Ukraine gemeldet. In Gluchow wurde fast die ganze jüdische Bevölkerung getötet. Man kann wohl ein Volk von einer Tyrannenherrschaft und von einem knechtenden Gesetz befreien, aber man kann es nicht mit einem Schlage innerlich frei machen. Ein Gift, mit dem aus wohlerwogenen Gründen die Beherrscher seit Jahrzehnten die Seele des Volkes vergiftet haben, wirkt fort, auch nachdem die Herrsicher selbst beseitigt worden sind und das Volk sich zu einer neuen, freieren Gesellschaftsform bekannt hat. Seit Jahrzehnten hatten die in Rußland herrschenden Schichten dem Volke das Gift des Judenhasses eingeimpft. In der von Elektrizität geschwängerten Atmosphäre, von der sie ständig umgeben waren und die jederzeit zu einer Explosion führen konnte, bei der ihre eigene Macht in Trümmer zerschlug, erschien es ihnen notwendig, für einen Blitzableiter zu sorgen. Ein solcher Blitzableiter bot sich ihnen in den Juden dar. Durch Geheimagenten, durch eine hetzerische Presse, durch tausend andere Mittel verstand man. den Völkern Rußlands die Überzeugung beizubringen, daß die Juden ihre schlimmsten Feinde seien. Dieses System wurde mit besonderem Eifer nach Ausbruch des Krieges betrieben, als der Zar seinen Thron wanken fühlte und die russischen Machthaber von Tag zu Tag deutlicher spürten, daß ihnen eine furchtbare Katastrophe bevorstand. Die Juden aller Länder sahen daher mit Besorgnis dem Schicksal entgegen, das drohend über ihren Stammesgenossen in Rußland schwebte. Dann kam die russische Revolution, die so geordnet und unblutig wie kaum jemals eine Revolution einsetzte, und brachte den Juden statt der gefürchteten Verfolgungen — die Befreiung. Sie kam wie ein göttliches Wunder, das die Bedrohten im letzten Augenblick errettete; sie kam so überraschend, daß die Juden selbst kaum wagten, au das Aufhören aller Gefahr zu glauben. Ihre bange Ahnung hat sich als berechtigt erwiesen. Mit der Ordnung und Einheitlichkeit der Revolution ging auch die Sicherheit für Leben und Eigentum, die sie allen Bewohnern des russischen Reiches zugesagt hatte, wieder verloren. Es zeigte sich, daß das Volk zu lange unter dem verderblichen Einfluß der absoluten Herrschaft gestanden hatte, um sogleich alle Lehren dieser Zeit abzustreifen, um ihre Seelen von dem Gift der Verhetzung reinigen zu können. Die Einheitlichkeit der Revolution versank in Wirrwarr, die so feierlich proklamierte Freiheit erstickte in Zwang und Blut und mit den übrigen wiederaufgepeitschten Volksleidenschaften erstand auch der seit langem gesäte und tief in den Herzen wurzelnde Judenhaß. Was heute in Rußland und der Ukraine geschieht, ist vielleicht nur ein Auftakt zu einer Katastrophe von beispielloser Furchtbarkeit. Das jüdische Volk, dasi keinen Staat, keine eigene Regierung hinter sich hat, die mit Repressalien oder Kriegserklärungen auf solche Exzesse der Volksleidenschaft antworten kann, steht wehrlos und zitternd wie ein Wald, der dem hereinbrechenden Orkan ausgeliefert ist. Wenn es sich etwa um die deutschen Bewohner der besetzten östlichen Provinzen handeln würde, so dürften sie hoffen, daß die Furcht vor den einmarschierenden deutschen Truppen die Angreifer im Zaune halten und das Unheil von ihnen abwenden werde. Ob es gelingen wird, die nun zum Friedensschluß und zur Zusammenarbeit mit Rußland und der Ukraine gelangten Regierungen zu irgendwelchen Maßnahmen -zum Schutze der Juden zu bewegen, erscheint umso fraglicher als diese nicht einmal in Fällen, wo sie ohne besondres Engagement für die Rechte und Sicherheit der bedrückten Juden eines Landes eintreten könnten, besondren Eifer zeigen, sich für die vielgenannte „Befreiung der Völkerschaften“ einzusetzen. Als in Rußland die Trotzki, in der Ukraine die Silberfarb begannen, eine wichtige Rolle in der Lenkung des Staates zu spielen, erhoben sich Stimmen, die dieses „Vordrängen“ verurteilten und ängstlich auf die unangenehme Wirkung dieser „Vorlautheit“ auf das Gefühl der anderen hinwiesen. Ihnen scheinen die jüngsten Ereignisse H o hIs a um Plissee, Feston und alle einschlägigen Arbeiten. Stoffknopf-Fabrikatioa. Spezialität: Eichelknöpfe und Doppelknöpfe. Rasche Bedienung! E. Dallmayer, Sonnenstraße 9/n. „Mercedes" Schreibmaschine Bekanntes erstklassigstes deutsches Fabrikat. Verschiedene patentierte Neuerungen Bei Behörden, Banken, Grossflrmen usw. bevorzugt GeneralvertrJeb: S. Gutmann, München KE»?**»»1-