Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 14 (5.4.1918)
- Date
- 1918-04-05
- Page
- Seite 162 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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162 Das Jüdische Echo Nr. 14 gestanden, bis vor einiger Zeit der protestantischen Konfession 120 Millionen Kronen bewilligt wurden- Den Bemühungen der ungarischen Juden, sowohl der orthodoxen wie der liberalen, die gemeinsam vorgingen, gelang es. ebenfalls eine Bewilligung zu erhalten. Nach den Verhältnissen der Bevölkerung ständen der ungarischen Judenhcit 20 Millionen zu. Die Ica für Palästina. Aus Paris wird gemeldet, daß die „Ica“ beschlossen habe, ihre kolonisatorische Arbeit in Argentinien einzustellen und ihre Tätigkeit auf die Förderung der jüdischen Kolonisation in Palästina zu konzentrieren. Angesichts der großen Geldmittel der Ica ist dieser Beschluß von erheblicher und erfreulicher Bedeutung. literarisches Echo Das gelobte Land. ' Von Max Brod- (Erschienen in der Sammlung „Neue Dichtungen“ im Kurt Wolff Verlag, Leipzig. Geheftet M. 2.50, gebunden M. 4.—■). Ein kl'uger und gütiger Mensch hat sich mitten auf den Markt des Lebens gestellt und sein Herz weit geöffnet. Und alles was nun vorüberzieht, Licht und Schatten, Gesang und Not, das Geknatter der Schlacht und das Sausen der Maschinen, das klimpernde Klavierspiel einer Anfängerin, aber auch die von fern hergewehte Stimme der Tiere, Bäume und Gestirne, dringt in dieses weitoffene Herz ein und läßt es die hundertfachen Stimmen widertönen. Aber das Echo, das zurücktönt, ist nicht nur eine genaue Nachbildung des ursprünglichen Lautes, denn dieses Herz, gefügt aus dem lauteren Golde der Welt- und Menschenliebe, hat seinen eigenen Klang, der nun in jedem zurückgeworfenen Laut mitschwingt und alle die widerstrebenden Stimmen zu einem einzigen Liede verschmilzt: dem Liede des großen Erbarmens, der großen Hoffnung. „Das gelobte Land“ hat Max Brod seinen Gedichtzyklus genannt, denn mitten im Chaos des Seienden erblickt er das Künftige, glaubt mit fast kindlichem Vertrauen, daß in dem bestehenden Schlechten der Keim zum künftigen Besseren liegt. Und so deckt er überall mit zarter Hand die unschöne Hülle ab und zeigt, wie ganz unten an der Wurzel das Gute sproßt und zur Entfaltung strebt. Es ist kein fernes, unerreichbar hohes Traumland, dieses gelobte Land des Dichters Max Brod, es ist wie das gelobte Land seines Volkes, ein Land inmitten des Erdballes, mit lebendigen Menschen. Aber es ist ein Land menschlicher Menschen, ein Land der Gerechtigkeit, der Liebe zu den Kreaturen, des stillen Ausruhens nach des Tages Mühe. So sind auch des Dichters Verse keine zu Himmelshöhen strebende Kantate, son, dern schlichtes, klares Menschenwort, nicht immer bis zur letzten Möglichkeit gemeißelt und geprägt, nicht immer völlig bildhaft, aber doch mit all ihren Zacken und Riffen von einem merkwürdig eindringlichen Rhythmus. Und wird hier und da der Rhythmus dieser Sprache, die irgendwie an die Sprache von Käthe Kollwitz’s Stift und Pinsel erinnert, von allzu heftigen Wellen verschüttet, so sind es Wellen eines Gefühls allzu kindlichen Vertrauens zu den Menschen, und der besseren Zukunft, um deretwillen der Dichter auch einmal Schwaches an sein offenes Herz zieht, anstatt dieses Herz mit jener Strenge zu panzern, die der Liehe gesellt sein muß. Max Brods Gedichte sind Zeugnisse unserer Zeit, der die Kunst nicht mehr eine Flucht aus der Welt des Bestehenden in ein überirdisches Traumland .sein soll, sondern eine Führerin in ein ganz irdisches gelobtes Land. H. H. Cohn. Feuilleton Hebräische Lektion.*) Dreißig Jahre alt bin ich geworden, Eh ich begann, die Sprache meines Volks zu lernen. Da war es mir, als sei ich dreißig Jahre taub gewesen. Und nun erschütterten, so lang zurückgehalten, Daß losgelassen sie wie Blitz die Luft durchschlugen, Nun schlitterten mein Ohr die alten Laute, Die meine Wiege schön umklungen hätten. Die mir in Knabenschritt und erster Liebe Und erster Mannestat Geleit gewesen wären. Nun kam zu spät das Wiegenlied und klang nicht siiß. Nein, wie erzürnt ob bitterer Versäumnis Brach es als Blitz und jäher langer Donnerton Mit Krampf und Wirrwarr her. Doch neigte ich Das Haupt ihm gern, wie man der Mutter lauscht, Der Zürnenden, und aus dem Grollen war’s. Als klirre Wüste auf. Zusammenlaufen, Ein Späherpfiff, ein ganz vergessner Hörnerscliall Und unsres alten Gottes Zuruf vom Gebirge. Gemeindenu. Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Gemeinden und Vereinen und von Personalnaohriohten,ilie In diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höfllohst eingeladen.} Notstandsaktion für Palästina. Gesammelt nach dem Vortrag von Nachum Goldmann M. 9.03. Goldenes Buch. Jiid. Wanderbund „Blau-Weiß-1, München: Hans Altertum dankt Familie Justizrat Fränkel für den schönen Sederabend. M. 2.—. A HVaiflAH-EakA (In dieser Abteilung finden Voranzeigen der Vereine auoh ausserhalb Münchens kostenlose Aufnahme.) Verein Bne-Jehuda. Samstag, den 6. ds. abends 8.30 Uhr im Augusitinerbräu, Neuhauserstraße 16/1, spricht Herr E. Silberstein über „Die Judenfrage und Presse in Polen“. Gäste willkommen. *) Aus dem Gedichtbande „Das gelobte Land“ von Max Brod. Waschanstalt Walhalla Techn. neuzeitlich eingerichtete Waschanstalt Inh. Max Haug. T, Große Rasenbleiche und LultMnioiD . Telephon 61500 Landsbergerstr. 139 Filiale: Lothringerstr. 2/o. Uebernahme von Haushaltungswäsche jeder Art. Pfd.-Wäsche von 20 Pfd. an per Pfund 30 Pfg. Kostenlose Abholung und Zustellung der Wäsche. IQ°/o Teuorungszusohlag.