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Das jüdische Echo · 1918-03-22 · 12 (22.3.1918) · p. Seite 127

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
12 (22.3.1918)
Date
1918-03-22
Page
Seite 127 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 12 Das jüdische Echo 127 an vielen Orten noch nicht einmal über ihr Vorhandensein klar geworden; noch viel weniger hat man daran gedacht, ihnen die Anpassung an die äußeren Verhältnisse zu erleichtern (z. B. durch Abendkurse) und ihr Judentum, das stets mit dem Überschreiten der deutschen Grenze einer Bedrohung ausgesetzt ist, zu pflegen, andererseits von ihnen ein lebendigeres, volkstümlicheres Judentum zu erhalten, als es das der deutschen Juden ist. Es ist in den verschiedensten Städten notwendig geworden, Kindergärten, Ferienkolonien, Jugendheime, Männer- und Frauenorganisationen, Elternberatungsstellen, juristische und berufliche Auskunftsstellen für die Eingewanderten zu schaffen; aber es ist bisher nur verschwindend wenig auf diesem Gebiet geleistet worden, liier eröffnet sich ein dankbares Feld für die Zusammenarbeit aller jüdischen Richtungen, wobei die einen mehr aus völlig uneigennützigem jüdischem Gefühl, die andren aus der Erwägung handeln können, daß es im Interesse der deutschen Juden selbst liegt, daß die Eingewanderten, für die man sie verantwortlich macht, sozial und kulturell so kräftig wie möglich erhalten werden. Derartig neuzeitliche soziale Intitute würden sicherlich dazu dienen, der gemeindlichen Fürsorge neue und bessere Wege zu weisen. Neben dieser am nächsten liegenden Aufgabe bieten sich aber noch andere: es ist z. B. vielerorts das Bedürfnis nach einer jüdischen Volksschule rege, ohne daß man sich bisher seitens der Gemeindeverwaltung zu einem entscheidenden Schritt aufgerafft hätte. Ein Ausschuß aus allen lokalen Vereinen könnte hier einen starken Einfluß ausüben. Es wird ferner solchen Ausschüssen möglich sein, Bibliotheken und Lesehallen zu schaffen, deren Fehlen heute an vielen Plätzen eine empfindliche Lücke bildet und die allen jenen, die den Wunsch haben, ihr jüdisches Wissen zu bereichern, ohne immer den Weg hierzu zu finden, eine große Hilfe wären. Auch im Interesse der Eingewanderten, denen das deutsche Schrifttum verschlossen ist, erscheint die Einrichtung solcher Bibliotheken als sehr wünschenswert. Gewiß würden lokale Arbeitsgemeinschaften die jüdische Bevölkerung nach außen hin besser vertreten können als es heute geschieht. Bei Abgrenzungen der jüdischen Rechte gegenüber den Behörden, in besonders wichtigen Fällen auch bei der Abwehr antisemitischer Angriffe würden sie energischer und wirkungsvoller auftreten können als es heute seitens der Gemeindevorstände geschieht, denen in manchen Städten ganz andere Interessen als die jüdischen am Herzen liegen. Auch in der für die bayerische Judenbeit so überaus wichtigen Frage der Revision des J udenediktsi könnten unter Umständen durch solche lokale Arbeitsgemeinschaften eine Verständigung unter den verschiedenen Richtungen gefordert und das von allen Seiten als notwendig anerkannte Reformwerk wesentlich gefördert werden. Der Aufgaben gibt es genug, und sie sind sämtilch dringend — sollen sie alle unerledigt bleiben, weil das Verständnis für die Notwendigkeit einer Verständigung nicht erwacht ist oder der Wille hierzu fehlt? Seit Jahren reiten nun die lokalen Vereine auf ihrem Vereinsprogramm und auf ihren Vorurteilen gegen die andersgerichteten Gesellschaften herum; wenn man sich nur einmal entschließen wollte, mit den „Gegnern“ sachlich über gemeinsame Interessen zu sprechen, käme man vielleicht dem gegenseitigen Verständnis und der gegenseitigen Schätzung ein gutes Stück näher. Eine wichtige Frage ist es, welche Organisation in den einzelnen Städten den Anstoß zur Bildung einer Arbeitsgemeinschaft geben soll; bei der V.J.O.D. entsprang der Gedanke dem zionistischen Kreise, der ihm so lange den Boden ebnete, bis eine andere Organisation die Initiative ergriff. Bei der Tatkraft, die gerade die Zionisten auszeichnet, wird sich die Schaffung der lokalen Gruppen wohl am besten in ähnlicher Weise vollziehen. Nur durch eine solche Verständigung der lokalen Gruppen wird es möglich sein, die V.J.O.D. aus einem künstlichen in ein natürliches Gebilde und in ein Spiegelbild der tatsächlichen Stimmung und Wünsche der deutschen Judenheit zu machen. Die Stunde ruft zur Tat; ihren Ruf ungehört verhallen lassen, hieße, die Stellung der deutschen Juden im Gesamtjudentum schwer gefährden. — "ßauThallmder fiofliepsrant München TheatinerHr. 18. vmn& tfyvzUlarm

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