Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 12 (22.3.1918)
- Date
- 1918-03-22
- Page
- Seite 126 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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126 Das Jüdische Echo Nr. 12 P. ,Echo“, S o fförder’s und Achv bonnier* au%| | | ■ ackl und fesselt das »m—~ ' - — Die Unentbehrlichkeit einer gut geleiteten, in Abwehr und?os*tivei. ^°^ri,ng der bache des Juden tums gleich tüchtigen und umfassenden Zeitschrift ist gar nicht zu leug Man muß das Richtige aber nicht nur erkennen, sondern auch tun und darli™ das die jüdischen Interessen energisch und in modernem Geiste vertritt, regelmassig lesen und bestellen. Der geringe Preis! — Das neue Vierteljahr beginnt am 1. April! — Bitte bestellen Sie sofort! Verlas* .DAS JÜDISCHE ECHO , München, Herzog Maxstraße 4. Lokale jüdische Äufgaben. Vor drei Wochen berichteten wir über da,si Zustandekommen der V.J.O.D. Ob man sich überall im Reiche der Tragweite dieses Ereignisses und der Verpflichtungen, die es den deutschen Juden auf erlegt, klar geworden ist? Es sieht noch nicht so aus. Und doch handelt es sich hier um eine Entwicklung der deutschen Judenheit, die eigentlich auch den Gleichgültigsten zum Nachdenken veranlassen sollte. Man denke: Liberale und Orthodoxe, erklärte Anhänger des Anpassungsgedankens und überzeugte Nationalisten, solche, die das Schicksal der deutschen Juden auf ewig mit Deutschland verbunden sehen möchten und solche, die ihnen den Weg nach Palästina weisen — alle diese Strömungen, die einander biisiher grimmig befehdeten, vereinigt in einer einzigen Organisation! Es muß eine starke Notwendigkeit gewesen sein, die diese so verschiedenartigen Elemente veranlaßte, ihre Meinungsgegensätze zurückzustellen und sich zu verbünden. Es ist natürlich eine starke Notwendigkeit gewesen: man hat im Kriege erkannt — was viele so lange abstritten — daß das Judentum der ganzen Welt einen einheitlichen Organismus bildet, in dem die einzelnen Glieder nicht unabhängig voneinander existieren, sondern der in Mitleidenschaft gezogen wird, wenn ein einziges der Glieder zuckt. Bedarf es noch der Belege hierfür? Hier sind einige: als die Wahrscheinlichkeit auf tauchte, daß polnische Juden in größerer Zahl nach Deutschland einwandern würden, loderte in Deutschland der Judenhaß neu empor, und kehrte sich auch gegen die längst hier eingebürgten Juden. Als die amerikanischen Juden ihre Sympathie für die Mittelmächte erwiesen, begann in England die Judenhetze. Als Rußland seinen Juden die Gleichberechtigung gab, besann man sich in Österreich darauf, daß sie hier noch keineswegs besteht. Nachdem in Amerika der Gedanke eines jüdischen Kongresses aufgetaucht war, erwachten in allen Ländern Organisationsbestrebungen. Als die englischen Juden von ihrer Regierung die bekannte Palästina-Erklärung erhalten hatten, mußten auch die deutschen Juden mit ihrer Regierung die Palästinafrage erörtern. Wir stehen eben in der Judenfrage vor gewaltigen Umwälzungen, alles drängt auf eine Lösung hin, und das deutsche Judentum hat erkannt, daß es seine einzelnen Gruppen zusammenschließen und sich geschlossen der Armee des internationalen Judentums einreihen muß, um nicht vom Wirbel der Zeit atomisiert und vernichtet zu werden. DieseErkenntnis macht es möglich, daß sich so verschiedengesinnte Gesellschaften wie der Zentralverein und die Zionistische Vereinigung, die Liberale Vereinigung und der Vollzugsausschuß der Orthodoxie in der V.J.O.D. zusammenschlossen und sich auf ein Programm einigten, daß 1. den Juden aller Länder volle Gleichberechtigung, 2. Freiheit der Religionsübung, 3. selbständige Kultur für die Ostjuden, 4. freie Einwanderung und Entwicklung im ganzen osmanischen Reiche und 5. freie Niederlassung und Kulturpflege in Palästina erwirken soll. Daß dieses Programm zustande kommen konnte, verrät deutlich genug, daß die verantwortlichen Führer des deutschen Judentums zu der Überzeugung gelangt sind: es ist nicht länger möglich, sich auf Parteigrundsätzen zu versteifen; die Stunde drängt zu gemeinsamem Handeln. Es fragt sich nun, ob dies lediglich eine Erkenntnis der Parteiführer bleiben, oder ob sich diese Überzeugung auch in den weiteren Kreisen des deutschen Judentums geltend machen soll, das es sicherlich ablehnt, von einzelnen Führern wie eine willenlose Herde nach einer bestimmten Richtung gedrängt zu werden, vielmehr darauf halten wird, selbst an der Entwicklung der Dinge mitzuarbeiten. Nicht nur in den Zentralausschlüssen der großen Organisationen, sondern auch in allen ihren Zweigen, ja in ihren sämtlichen einzelnen Mitgliedern wird sich die Überzeugung Bahn brechen müssen, daß es Zeit ist, sich zu gemeinsamem Handeln aufzuraffen. Selbst wenn man dabei ebensolche Konzesionen machen muß, wie sie die in der V.J.O.D. vereinigten Gruppen zu machen hatten, bevor sie sich einigen konnten. Wenn überall die Bedeutung der V. J. 0. D. richtig erkannt und ihre Schaffung gebilligt worden ist, so muß die logische Folge hiervon die Schaffung von gemeinsamen Arbeitsausschüssen der jüdischen Organisationen in allen deutschen Städten sein. Selbtsverständlich werden diese Ausschüsse ganz andere Aufgaben haben als die V.J.O.D. Während diese die Interessen der Judenheit gegenüber den einzelnen Regierungen wahrzunehmen hat, werden jene sich lokalen Aufgaben zuwenden und Arbeiten tun müssen, die geeignet sind, die Position der jüdischen Bevölkerung in den einzelnen Städten zu stärken. Gewiß wird es sich durch einen solchen Zusammenschluß nicht ermöglichen lassen, daß alle jüdischen Aufgaben gemeinsam erledigt werden: in innerjüdischen, besonders in Erziehungsfragen wird jeder einzelne Verein weiter seinen eigenen Weg gehen müssen, aber auf anderen Gebieten gibt es eine Reihe von wichtigen Aufgaben. In erster Linie bietet sich da die Aufgabe der sozialen Fürsorge. Nie zuvor ist diese so brennend gewesen wie jetzt. Die Zahl der Hilfsbedürftigen ist durch die während des Krieges erfolgte namhafte Einwanderung von Ostjuden beträchtlich gestiegen. Für diese Einwanderer tst bisher so gut wie nichts geschehen; man ist sic