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Das jüdische Echo · 1918-08-15 · 11 (15.8.1918) · p. Seite 122

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
11 (15.8.1918)
Date
1918-08-15
Page
Seite 122 (sequence 10)
Language
German
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122 Das Jüdisch# Echo Nr. 11 hob es auf und stellte es wieder auf seinen Platz, und das Buch fiel wieder herunter und schlug am Boden auf. Und das wiederholte sich auch zum drittenmal. Der Mann merkte, daß er das Buch dreimal verkehrt hingestellt hatte. Er stellte es nun richtig hin, und es fiel nicht mehr herunter. Das ist ein Zeichen und ein Beweis dafür, daß man im Himmel auf alles acht gibt. Es ist die Pflicht eines jeden Menschen, die Bücher zu ehren. Und wenn im Zimmer, in dem ein Buch aufgeschlagen liegt, ein Kind sich verunreinigt hat, so muß man das Buch sofort zuklappen oder wenigstens mit einem Tuch bedecken. Man achte streng darauf, daß Bücher sich nicht in einem Zimmer befinden, in dem sich Mann und Frau vereinigen; es sei denn, daß die Bücher hinter einem Vorhänge stehen, oder das Bett von einem Vorhang verdeckt ist. Auch darf man nicht auf einer Bank sitzen, auf der Bücher liegen; es sei denn, die Bücher liegen auf einem Gegenstand, der höher ist als die Bank. Und wenn man ein Buch verkehrt liegen sieht, soll man es aufheben und küssen. Und wenn man aus einem Buch lernt, darf man kein anderes Buch darunter legen, damit man es bequemer habe: auf diese Weise setzt man das Ansehen des einen Buches herab. Man könnte ja auch ein Stück Holz oder einen Stein zu diesem Zweck nehmen. Und das ist eine schwere Beleidigung für das Buch. Aber wenn das eine Buch schon vorher dagelegen ist, darf man das andere darauf legen. Der Mensch muß sich vor einem (gedruckten) Pentateuch ebenso verneigen wie vor einer (auf Pergament geschriebenen) Thorarolle. Aus diesem Grunde pflegte ein berühmter Gelehrter und Rabbi, wenn er an einem Feiertage durch die Synagoge ging, um jedem Gemeindemitgliede, wie es in Deutschland Sitte ist, die Hand zu reichen, einen Pentateuch mit sich zu tragen, damit die Gemeinde nicht vor ihm, sondern vor dem Buche aufstehe. Dasselbe sah ich oft im Lande Polen: wenn der Rabbi an einem Sabbat als erster die Synagoge verließ, und die Gemeinde, wie es Sitte ist, vor ihm aufstand, pflegte er stets ein Buch in der Hand zu haben. Mitgeteilt von Alexander Eliasberg. „Zwiebelfisch“. 9. Jahrgang. Heft 1/2. Gemeindenu.Vereins-Echo (Untere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Gemeinden und Vereinen und von Personalnaohrlohten, die In diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höfllohst eingeladen.} Schauturnen des jüdischen Turn- und Sportvereins München. Am Sonntag, den 3. März herrschte von etwa 3 Uhr nachmittags an lebhaftes Treiben in der großen Turnhalle an der Auenstraße. Eine erwartungsvolle Menge füllte die für die Zuschauer bestimmten Plätze, als das Schauturnen mit einem flotten Aufmarsch der vier Turnabteilungen, die den Turnbetrieb bilden, eingeleitet wurde. Sowohl die Mädchen und Buben der Zöglings-Abteilungen, wie die Damen und Herren boten in ihrer gleichmäßigen netten Turnkleidung einen frischen und erfreulichen Anblick. Herr Apotheker Lewin gab in seiner Begrüßungsansprache einen kurzen Rückblick über die Vereinsarbeit des letzten Jahres, als deren wichtigstes Resultat die Zöglings-Abteilungen nun zum ersten Male vor die Öffentlichkeit treten und die Sport-Abteilung bei ihrer ersten Teilnahme an allgemeinen Wettkämpfen schöne Erfolge erzielte. 40 Herren ans den Reihen des Turnvereins wurden zu den Fahnen gerufen und 8 Mitglieder sind gefallen. Die Begrüßungsansprache schloß mit einem Appell zum Turnhallen-Baufonds beizutragen. Aus Spenden der Gäste gingen diesem Fonds an diesem Nachmittag über 300 Mark zu. Nun eröffnete die Mädchen-Abteilung unter Leitung von Frl. Martha Feuchtwanger die Reihe der turnerischen Vorführungen mit hübschen Stabübungen. Die Knaben-Abteilung (Leiter: Herr Gymnasialturnlehrer Tyroff), Damen-Abteilung (Leiter Herr Bayerl) und Herren-Abteilung unter Leitung des Vereinsturnwarts zeigten in rascher Folge ihr Können am Gerät und in durchwegs exakt ausgeführten Freiübungen. Die Zuschauer quittierten die einzelnen Vorführungen mit lebhaftem Beifall, der sich besonders bei den Pyramiden und beim Reigen der Mädchen, den zum Teil ganz ausgezeichneten Pferdsprüngen der Knaben, dem Keulenschwingen der Damen und beim Reckturnen der so sehr zusammengeschmolzenen Herren-Abteilung zu wahren Beifallsstürmen steigerte. Eine Gewandtheitsprobe legten die Herren in einer Hindernis-Staffette ab, deren oft komische Situationen beim Publikum Heiterkeitsausibrüche hervorriefen. Erst gegen 7 Uhr abends schlossen die Vorführungen und man nahm den Eindruck mit, daß im jüdischen Turn- und Sportverein ganz ausgezeichnete Arbeit im Dienste der körperlichen Ausbildung und Gesundung der jungen jüdischen Generation Münchens geleistet wird. Es ist nur bedauerlich, daß dieser Arbeit weite jüdische Kreise Münchens noch fernstehen, statt ihr die verdiente Mitwirkung und Förderung angedeihen zu lassen. Der jüdische Turnverein kann nicht so sehr den Ehrgeiz haben, turnerische oder sportliche Höchstleistungen zu erzielen, als immer wieder neue Menschen dem Turnen und damit einer systematischen Körperausbildung zu gewinnen. In dieser Arbeit liegen auch seine Hauptverdienste. Man sah bei diesem Schauturnen anerkennenswerte Leistungen von manchen, die vor ihrem Eintritt in den jüdischen Turn- und Sportverein noch nie ein Turngerät berührt hatten. R. Jüdischer Nationalfonds. Elisabeth Mahler, Erlös aus dem Verkauf von Wertzeichen M. 12.80. Goldenes Buch. Jüdischer Wanderbund „Blau- Weiß“ München: Eli Steinberg, Gut Antonienhof bei Oranienburg bei Berlin, sagt seinen lieben Münchnern Lebewohl und dankt ihnen für die schönen Sachen. M. 2.—. Anzeiaen-Echo (« auoh ausserhalb Münohens kost (In dieser Abteilung finden Voranzeigen der Vereins ' enlose Aufnahme.) Verein Bne-Jehuda. Samstag, den 16. März 8.30 Uhr findet im Augustinerbräu, Neuhauserstraße 16/1, Besprechung der in der Generalversammlung eingebrachten Anträge statt und zwar: 1. Begründung einer dramatischen Abteilung. 2. Die Errichtung eines Kursus für jüdische Sprache. 3. An Hand von Pressereferaten sollen die Mitglieder Stellung zu diesem nehmen. Alle sind verpflichtet zu kommen! Voranzeige: Am 23. März wird Herr Silber st ein über die jüdischen Parteien und die Presse in Polen referieren.

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