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Das jüdische Echo · 1918-08-15 · 11 (15.8.1918) · p. Seite 115

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
11 (15.8.1918)
Date
1918-08-15
Page
Seite 115 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 11 Das J&dlsche Echo 115 Es sei nun in der letzten Zeit insbesondere auch betont worden, daß vor allem die Notlage der kleinen Kultusgemeinden eine Regelung der finanziellen Frage, hauptsächlich eine Regelung der Umlagenfrage voraussetze. Es könnte infolgedessen vielleicht der Gedanke vertreten werden, ob es sich nicht empfehlen würde, diese Regelung vorwegzunehmen und zunächst lediglich die Frage der Deckung der israelitischen Kultusbedürfnisse ins Auge zu fassen. Aber auch hier stoße man auf die gleichen Schwierigkeiten wie bei der Regelung des Gesamtkomplexes des ganzen Stoffes, denn auch hier habe man innerhalb der Kultusgemeinden die Gegensätze zwischen den verschiedenen Richtungen. Es kämen dann auch sofort die Gegensätze insofern wieder zum Vorschein, als es sich selbstverständlich darum handeln würde, erstens einmal den Kreis der Umlagenpflichtigen festzusetzen und anderseits auch die Verwendung der aus den Umlagen geschöpften Mittel. Es würde dann z. B. die orthodoxe Richtung mit der neueren Richtung vielleicht unter Umständen hier in Meinungsverschiedenheiten geraten, wie die Mittel zu verwenden seien, in welchem Verhältnisse für den Zweck der einen und für den Zweck der anderen Richtung. Infolgedessen sei er zunächst der Auffassung, daß es wohl kaum angehen werde, die finanzielle Frage für sich allein zu regeln, sondern daß damit wohl auch eine Regelung der innerkirchlichen Verhältnisse notgedrungen Hand in Hand gehen müsse. In diese Regelung hineinzugehen, könne er sich erst bereiterklären, wenn über die wichtigsten Punkte innerhalb der Judenschaft selbst eine Einigung zustande gekommen sei. Es liege infolgedessen zunächst bei den Beteiligten selbst, die Bahn für das Gesetz frei zu machen. Die Wiener jüdischen Barone. Aus: Sigmund Mayer, „Die Juden Wiens“ 1700—'1900. (R. Löwit Verlag, Wien-Berlin.) (Schluß.) Fügen wir an Hermann Todesco sofort seinen Schwiegersohn Max, später Baron Springer hinzu. Er war aus einer der besten Frankfurter Familien und durch diese Ehe ganz zum Wiener geworden und gehörte sicherlich zu den achtbarsten Erscheinungen der Wiener Kreise jener Zeit. Er betrieb ein solides Bankgeschäft, mit der Börse hatte er nur den Zusammenhang, welchen seine geschäftliche Klientel verlangte. Seine Neigung führte ihn zu industriellen Unternehmungen; er gründete in Wien die schon erwähnte große Spiritus- und Preßhefefabrik; nach dem Erfolg in Wien errichtete er bei Paris die gleichfalls schon genannte Brauerei „Alfor“, verbunden mit Preßhefeerzeugung — ein Unternehmen, welches sich zu einer der größten industriellen Schöpfungen auf französischem Gebiete entwickelt hat. Gesellschaftlich hatte er unter allen ,seiner Kategorie vielleicht die meisten Beziehungen zu adeligen Kreisen. Er blieb Jude, was ihn nicht weniger adelt, als der Barontitel, der ihm verliehen wurde. Zu gleicher Zeit mit den Biedermanns war ein dritter Jude, Markus Leidesdorf, auch Mordechai Naß genannt, nach Wien gekommen; wird hier k. k. privil. Großhändler und führt ein zu seiner Zeit bedeutendes Bankgeschäft. 1817 erwirbt er den österreichischen Adel mit dem Prädikate Edler v. Neuwall, 1825 den Rittenstand. Der alte Naß war bis zu seinem Tode und nicht bloß der Form nach Jude geblieben. Seine Söhne und Töchter hatten konvertiert, Aufnahme in die Patrizierfamilien der Wiener Bürgerschaft gefunden, einige Dezennien lang spielten sie finanziell, sozial, zuweilen auch politisch eine Rolle. In der 1848er Bewegung war Albert v. Neuwall ein einflußreiches Mitglied des sogenannten ständigen Zentralausschuisses; auch in den Kreisen der Bürokratie hatten sie Verbindungen. Ein Graf Auersperg, ein hervorragendes Mitglied in einem unserer Ministerien, zählte einen dieser Neuwall zu seinen Ahnen; später sind sie untergegangen und verschollen. Ein nach verschiedenen Richtungen isehr charakteristischer, man kann sagen, bedeutsamer Mann innerhalb dieses jüdischen Bankkreises war, wenn auch der Hauptteil seiner Wirksamkeit in die Zeit des Nachmärz fällt, doch schon jetzt Jonas Königswarter. Er entstammte einer ursprünglich reichsdeutschen Judenfamilie, die dort schon seit einem Jahrhundert wohlhabend und angesehen gewesen und von welcher ein Teil nach Wien übersiedelte. Moritz (Moses Chaim) Königswarter gelangt 1810 nach Wien, betreibt hier zuerst ein Kurzwarengeschäft in der inneren Stadt Nr. 474. 1816 erwirbt er die Toleranz. 1819 ist er noch „tolerierter jüdischer Handelsmann“. Aus diesem wird dann ein k. k. priv. Großhändler, aus dem Kurzwarenhandel — offen und offiziell — ein Bankgeschäft; er stirbt 1829. Seine Witwe, Cäcilie Königswarter, welche Firma und Geschäft weiterführt, beruft als Gesellschafter ihren Schwiegersohn, zugleich Neffen ihres verstorbenen Gatten, Jonas Königswarter, der bis dahin im Geschäfte seines Vaters, des Frankfurter Bankiers Markus Königswarter tätig gewesen. Er hatte, wie es damals allgemein hieß, 300 000 Fl. mitgebracht. Dieses Vermögen wuchs rapid durch seine Tätigkeit, sein Ansehen durch die persönliche Bedeutung, welche dem Manne innewohnte und die allgemein anerkannt wurde. Schon nach zehn Jahren, 1839, also noch verhältnismäßig jung, wird er Zensor der Nationalbank, damals eine der höchsten kaufmännischen Ehrenstellen — bald nach Errichtung der Kreditanstalt Mitglied ihres Verwaltungsrates. Das Geschäft hatte von Anfang an eine starke internationale Seite, es pflegte mit Vorliebe den Bankverkehr mit dem Auslande und genoß durch die reelle Art des Betriebes hohe Achtung. Jonas Königswarter, später alleiniger Chef, gelangte überhaupt in der Wiener Welt zu einer allerersten Stellung, welche er durch seinen hochachtbaren, tadellosen Charakter und die finanzielle Position, die er erreicht hatte, vollauf verdiente. Der Mann gehörte natürlich zu den Hochkonservativen. Er war von scharfem Verstände und hatte ein gutes Urteil in allen Dingen, nicht nur in denen des Geschäftes, sondern auch des öffentlichen Lebens. Charakteristisch war er auch durch einen mannigfachen Gegensatz zu jenen Schichten, welche damals innerhalb der Judenschaft Wiens die Führung hatten. Die früheren Repräsentanten denselben hatten mehr oder weniger ein distinguiertes Exterieur und Wesen. Er hingegen stach schon durch seine äußere Erscheinung von ihnen ab; auf einem gedrungenen, fast plumpen Körper saß ein runder Kopf, dem nur die intelligenten Augen geistiges Leben gaben; in seiner Aulsdrucksweise war er nicht vornehm,

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