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Das jüdische Echo · 1918-01-25 · 4 (25.1.1918) · p. Seite 30

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
4 (25.1.1918)
Date
1918-01-25
Page
Seite 30 (sequence 2)
Language
German
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30 Das Jüdische Echo Nr. 4 Konfessionelle Militärstatistik. Von Prof. Dr. Arthur Cohen. Zur Bekämpfung der gegen eine Konfession gerichteten Angriffe wegen ihrer angeblich geringen Beteiligung am Kriege können zwei Methoden dienen: Erstens die direkte Methode, nämlich die Zählung der Feldzugsteillnehmer mit Unterscheidung der Konfession. Soll eine solche vom Staat vorgenommen werden, so sind folgende Forderungen zu erfüllen: Die Erhebung muß sich auf alle Konfessionen erstrecken (nicht nur auf eine); sie muß tendenziös, genau und zuverlässig sein, wie eine Volkszählung. Ihre Durchführung wäre daher einem öffentlichen statistischen Amte zu übertragen. Es ist eine der größten Errungenschaften in der staatlichen Entwicklung, daß die Statistik gegenüber der Verwaltung eine ähnliche Unabhängigkeit erlangt hat wie die richterliche Gewalt. W,ie Ausnahmegerichtsbarkeit einen Rückschritt in der staatlichen Entwicklung darstellt, so die d e zentralisierte Statistik, das heißt die Vornahme einer statistischen Erhebung von einem beliebigen Verwaltungsressort, statt von der spezialistisch geschulten und daher (verhältnismäßig) unabhängigen Statistikerbürokratie. Eine zweite Methode besteht darin, daß man sagt: Angenommen, daß die Beteiligung der betreffenden Konfession geringer is't, wie die der anderen, so beweist dies nichts. Wenigstens nichts im Sinne der Angreifer. Denn die Gründe liegen in moralisch indifferenten Erscheinungen, in der Verschiedenheit der demologischen Eigenschaften, die die Konfessionen infolge ihrer Geschichte, geographischen Verbreitung, der sozialen Zusammensetzung ihrer Angehörigen usw. zeigen. Man muß also, um die Ergebnisse einer etwaigen konfessionellen Militärstatistik zu verstehen, dieselben erklären; erklären eben aus den spezifischen Eigenschaften der betreffenden Religionsgemeinschaft. Auf diesem Standpunkt steht R. May, ein angesehener Statistiker, in einer Schrift „Konfessionelle Militärstatistik“.1) Die Schrift bezweckt also nicht, das Material zu liefern für eine wirkliche konfessionelle Militärstatistik, sondern die Kritik einer m ö g 1 i c h en konfessionellen Militärstatistik. Ersteres wäre auch schon deshalb untunlich, weil ein solches Material fehlt, denn die schon im Frieden veröffentlichte Militärtauglichkeitsstatistik unterscheidet nicht nach Konfessionen, und die im Kriege veranstaltete Erhebung der Kriegsministerien über die Juden im Heere ist nicht veröffentlicht. (Die Nachweise der Berufszählungen über Offiziere, Militärbeamte, Unteroffiziere und Gemeine in Armee und Kriegsflotte sind zwar nach Konfessionen gegliedert, haben 0 Ergänzungsheft 13 des Archivs für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik, Tübingen, Verlag Mohr 1917. 65 Seiten. Mk. 2.60. SpeziBioeschanifir Damenbate Fa. Hahn, (Inh. T&. jocham) Theresienstraße 34/0 Denkbar größte Auswahl Solideste Preislagen aber nur als Füllsel der Berufsstatistik einige Bedeutung.) Der Gedankengang des Verfassers ist nun so: Die jüdische Bevölkerung ist demologisch so verschieden von der übrigen Bevölkerung nach Alter, Herkunft (aus der Stadt oder vom Lande), Beruf und Berufsstellung, Bildungsgrad, daß sich das Maß und die Art ihrer militärischen Brauchbarkeit mit den übrigen Konfessionen gar nicht vergleichen läßt. Darin, dies im einzelnen nachgewiesen zu haben durch mühsame Untersuchungen der zugänglichen statistischen Quellen (Altersgliederung, Gebiirtigkeitsstatistik, Unterrichtsstatistik, Berufsstatistik) besteht das wissenschaftliche Verdienst des Verfassers. Infolge ihrer eigentümlichen Altersgliederung (niedrige Geburtenhäufigkeit, geringe Sterblichkeit), des fast gänzlichen Fehlens der landwirtschaftlichen Tätigkeit der Juden, der Eigenschaft der Juden als einer Stadtbevölkerung, können die Juden nicht annähernd so stark im Heere vertreten sein, als ihrem Prozentanteil an der Bevölkerung entspricht. May weist ferner eindringlich darauf hin, daß die jüdischen Militärpflichtigen gewisse persönliche Eigenschaften besitzen, die in diesem Kriege sich in vielen Fällen als ebenso wertvoll erwiesen haben, wie die rein militärische Tauglichkeit, und die sich als Vorzüge der jüdischen Militärpflichtigen darstellen, z. B. Organisationsfähigkeit, Sprachkenntnisse, Auslandskenntnisse, ärztliche, journalistische Vorbildung usw. Daß diese Vorzüge mehr in der Etappe und in der Heimat zur Geltung kommen, als an der Front, mußte die Anzahl der jüdischen Frontsoldaten und damit das jüdische „Gefahrenrisiko“ herabmindern. Gerade diejenige demologische Eigenschaft der Juden, die ihre militärische Tauglichkeit zu verringern scheint, ihr Charakter als einer wesentlich städtischen Berufsschicht, hat also, wenn man die militärische Tauglichkeit in einem weiteren, höheren Sinne faßt, in einem Sinne, wie er allein den Erfahrungen dieses Krieges entspricht, sie auch erhöht. Wer fragt nach der militärischen „Tauglichkeit“ der Techniker, Chemiker, Ärzte, Kaufleute? Genug, sie sind „militärisch verwendungsfähig“, denn mehr als je ist heute die Wehrmacht geistige Macht. Aber wenn sich auch die Maysche Schrift namentlich in ihrem zweiten, mehr illustrativen Teil hauptsächlich mit der Frage der jüdischen militärischen Tauglichkeit beschäftigt, so bezieht sich ihr logischer Aufbau doch auf alle Konfessionen. Dies zeigt sich schon auf Seite 2, wo May sagt: „Nehmen wir einmal an, das Zentrum hätte, um die Katholiken gegen die Anschuldigung geringeren Patriotismus zu verteidigen, eine allgemeine Militärstatistik nach Konfessionen gefordert und diese würde angefertigt werden, so würde sie zweifellos ergeben: 1. daß der Prozentsatz der Katholiken im Heere ein größerer ist als ihr Prozentsatz in der Bevölkerung; 2. daß der Prozentsatz der Gefallenen bei den Soldaten katholischer Konfession größer ist als bei den Soldaten evangelischer Konfession. Die Verhältnisse, die dieses bewirken — und die mit der Frage eines größeren oder geringeren Patriotismus gar nichts zu tun haben sind bei den Juden und den jüdischen Soldaten in noch viel höherem Grade vorhanden als bei der evangelischen Bevölkerung und ihren Soldaten. Darum muß die Zahl der Juden im Heere noch weit mehr hinter ihrem Prozentsatz in der Be-

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