Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 52 (28.12.1917)
- Date
- 1917-12-28
- Page
- Seite 559 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 52 Das Jüdische Echo 559 Feuilleton Geschichten von Rabbi Mojsche Leib von Sassow. Rabbi Mojsche Leib von Sassow (gestorben im Jahre 1807) war einer der interessantesten Zadikim seiner Zeit. Vor etwa 10 Jahren erschien seine Sammelschrift „Le Kuta Mahram“ (Herausgeber Moses Berger). Die Heirat. Als der Sassower nach seinen Studien in die Lehrstube seines großen Meisters, des Nikolsburger Rabbi Schmelke, oblag, hörte er einmal dem Gespräche zweier armer Juden zu. Der eine beklagte sich über sein großes Leid. Er habe eine Tochter zu Hause, 35 Jahre alt, häßlich und überdies noch dumm, sodaß keine Aussicht da sei, sie unter die Haube zu bringen. — Am zweiten Tage ließ sich der Sassower durch einen Vermittler dem verzweifelten Juden als Schwiegersohn Vorschlägen und machte das arme häßliche Mädchen zu seiner Braut. Der heilige Nikolsburger äußerte sich später stolz über diese Tat seines Schülers, indem er sagte: Mein Mojsche Leib hat der Liebe einen neuen Weg gebahnt, der bis in die höchsten Sphären führt. Als Mojsche Leib unter der Chuppa (dem Baldachin) zu seinem Weibe die Worte sprach: „Du bist mir angetraut nach den •Gesetzen Mosches und Israels“, da haben ihn die Engel beneidet. Seine Liebe ist gewebt und geflochten aus den heiligen Funken jener Liebe, die zur Vermählung des Heiligen, gelobt sei er, mit Israel geführt hat. Wie man den Nächsten lieben muß. Der Sassower erzählte seinem Jünger, dem Zydaczower: Die Erkenntnis wahrer Nächstenliebe verdanke ich einem Gespräche zweier Dorffeute, denen ich zuhörte. Erster: „Sage mir Freund Iwan, liebst du mich?“ Zweiter: „Ich liebe dich sehr!“ Erster: „Weißt du auch Freund, was mir weh tut?“ Zweiter: „Wie kann ich denn wissen was dir weh tut?“ Erster: „Wenn du nicht weißt was mir weh tut, wie darfst du sagen, daß du mich lieb hast?“ „Versteht du Hersch,“ führte dler Sassower aus, „lieben, echt lieben, heißt wissen, was dem andern weh tut.“ Der Preis für die Befreiung eines Juden. Als der Sassower nach acht Jahren eifrigen Studiums sich von seinem Meister, dem Nikolsburger verabschiedet hatte, gab ihm dieser eine Goldmünze zum Andenken mit, sowie Proviant für die Reise. Der Sassower machte seine „Reise“ in die Heimat zu Fuß. Wie er so in Gedanken versunken seinen Weg nimmt, wurde er durch ein gräßliches Jammern plötzlich aus seinen frommen Gedanken aufgeschreckt. Er erfuhr bald zu seiner Bestürzung, daß der polnische Gutsherr seinen Wirtshauspächter wegen Rückstand des Pachtzinses seit einigen Tagen im Keller eingesperrt hätte. Da gab es also eine Gelegenheit, Gutes zu zu tun. Zunächst warf der Sassower dem schmachtenden Juden seinen ganzen Essvorrat durch das Kellerloch. Sodann begab er sich in das Schloß, um wegen der Befreiung des Eingekerkerten zu verhandeln. Zur Tilgung der zweihundert Silbergulden betragenden Schuld bot der Sassower seine Goldmünze an, das teuere Geschenk seines verehrten heiligen Meisters. Handelte es sich doch um die Befreiung und Loslösung eines Eingekerkerten! Und hatte ihm der Rabbi nicht zu diesem Zwecke die Münze in die Hand gedrückt? Tief erschüttert war er aber, als der Gutsherr dieses Angebot zurückwies. Gekränkt entfernte er sich, kehrte - aber nach einiger Zeit zurück, da ihm das Leid des armen Pächters zu Herzen ging. Nochmals meldete er sich beim Gutsherrn und bot ihm für die Freilassung des Gefangenen außer der Goldmünze noch sich selber als Sklaven an. Er wollte die Schuld durch Arbeit abtragen. Dieses Anerbieten erweichte aber auch das Herz des Gutsherrn; er befreite den Juden und ließ ihm für eine beträchtliche Zeit den Pachtzins nach. Das Gottvertrauen des Diebes. Der Sassower pflegte öfters Wanderungen zu unternehmen, milde Gaben zu sammeln und sich die Mittel zu beschaffen, um die von polnischen Gutsherren für rückständige Pacht eingesperrten Juden zu befreien und auszulösen. Einmal kam er von einer solchen Reise ohne jeden Erfolg zurück und dachte sich daher, er werde nunmehr solche Reisen einstellen, um die Zeit nicht überflüssig dem Studium der Thona zu entziehen. Nach einigen Tagen erfuhr der Rabbi, daß ein Jude wegen versuchten Diebstahles verhaftet wurde. Der Sassower beeilte sich, ihn in der Gefangenenzelle aufzusuchen und ihn zur Besserung zu ermahnen. Während dieser Mahnung sagte der Rabbi: „Nun, schmerzen dich die Prügel, die du erhalten hast? Da siehst du, Diebe werden schließlich ertappt. Hüte dich darum mein Sohn, von nun ab vor solchem Tun.“ Der Dieb aber JggF J(njjßngmt^29iJtöck näfhtyta£iery^ %hmkcglä$£e, 9eh9tedieü, Sttß/Jbullm- Jkfmdi vollendete &zeugni3äe (kcmodedmyhmyptlA