Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 52 (28.12.1917)
- Date
- 1917-12-28
- Page
- Seite 558 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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558 Das Jüdische Echo Nr. 52 Welt-Echo Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens wählte am 17. Dez. zu Vorsitzenden Geh. Justizrat Dr. Eugen Fuchs, Justizrat Dorn und Bankier Ernst Wallach. Major Evelyn Rothschild, der zweite Sohn des verstorbenen Barons Leopold v. Rothschild, Vetter des fast zur gleichen Zeit mit ihm gefallenen Neil Primrose ist, wie ein Privattelegramm aus dem Haag berichtet, in Palästina an erhaltenen Wunden gestorben. Vorbereitungen zu einem Jüdischen Kongreß in Österreich. Am 23. Oktober fand in Wien eine vom „Jüdischen Nationalverein in Österreich“ veranstaltete Versammlung der Kultusbeamten statt, die sehr zahlreich besucht war. Den Vorsitz führte Rechtsanwalt Dr. Kassner, der die Aufgaben des Nationalvereins in längeren Ausführungen erklärte. Das Hauptreferat hielt der Obmann des Vereins, Kultusvorsteher Oberingenieur Stricker, der die Grundzüge eines jüdischen Volksprogramms für einen jüdischen Kongreß in Österreich behandelte. Er betonte die unbedingte Notwendigkeit der Einheitlichkeit jüdischer Politik in allen Kronländern, ferner einer Annäherung zwischen Führern und Volk. Alle jüdischen Gesellschaften, daher auch die Kultusgemeinden, müssen dem demokratischen Zeitgeist Rechnung tragen, und dürfen der Wahrung der jüdischen Volksrechte keine Hindernisse bereiten. Er betonte ferner den immer wachsenden Antisemitismus in Österreich!, den nur ein geschlossenes österreichisches Judentum bekämpfen könne. Die besonderen Aufgaben der Kultusbeamten beleuchtete der Sekretär der jüdischen Kultusgemeinde, Jacob Kraus. Ein Referat über das jüdische Erziehungswesen hielt Dr. Heinr. Glanz- S o h a r. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Die am 23. Oktober 1917 auf Einladung des Jüdischen Nationalvereins versammelten Angestellten der jüdischen Kultusgemeinden begrüßen den Vorschlag auf Einberufung eines österreichischen jüdischen Kongresses, der vor allem die Sicherung der Rechte des jüdischen Volkes durch die österreichische Verfassung zu fordern und die Vorbedingungen einer Gesamtorganisation der österreichischen Judenschaft auf demokratischer Basis zu schaffen hat. Sie fordern alle Kollegen im Reiche auf, ihre Kräfte in den Dienst dieser Sache zu stellen.“ Interpellationen. Die „Jüdische Rundschau“ berichtet aus Wien: Der neue Dekan der medizinischen Fakultät an der Krakauer Universität Professor Dr. Emil G o d 1 e w s k i jun. hatte während der Immatrikulationstage alle jüdischen Hörer und Hörerinnen, die auf dem Anmeldungsformular die Rubrik „Nationalität“ mit „jüdisch“ ausfüllten, mit der Erklärung abgewiesen, daß zuerst die Hörer polnischer Nationalität berücksichtigt werden. Godlewski berief sich dabei auf einen Beschluß des Professorenkollegiums der medizinischen Fakultät, daß Nichtpolen nicht aufgenommen werden. Über dieses antisemitische Verhalten des Dekans haben der Reichsratsabgeordnete Dr. Benno Straucher und einige andere Abgeordnete an den Minister für Kultus und Unterricht eine Interpellation eingereicht. Eine zweite Anfrage stellten Dr. Straucher und Genossen an den Landesverteidigungsminister wegen der judenfeindlichen Haltung militärischer Behörden. In der Pulverfabrik Moosbierbaum (Skodawerke) war es den jüdischen Mannschaften gestattet worden, an den Rosch-Haschana-Feiertagen den Gottesdienst zu besuchen. Am zweiten Feiertag erschien ein Stabsfeldwebel der Polizeiwache am Ort des Gottesdienstes und befahl im Auftrag seines Oberleutnants, daß alle Andächtigen sich sofort zur Arbeit zu begeben hätten. Außerhalb des Gotteshauses erwartete die jüdischen Soldaten eine ganze Legion bewaffneter Soldaten mit aufgepflanzten Bajonetten, die die jüdische Mannschaft trotz des hohen Feiertags zur Arbeit trieben. Mazzos für Heeresangehörige. Die Versorgung der Heeresangchörigen im Felde und in der Heimat, soweit sie nicht ständig einem bürgerlichen Haushalte angehören, mit Mazzos. findet ausschließlich durch die Verbandstelle der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, E. V.“, Frankfurt a. M.. Schiitzenstr. 14, statt. Die in Betracht kommenden Heeresangehörigen haben die Bedingungen des Versandes schleunigst, spätestens aber bis zum 15. Januar 1918, bei der „Freien Vereinigung“ zu erfragen. Es wird im allgemeinen nur unmittelbar durch Feldpost an die militärischen Besteller unter der Adresse des Truppenteils geliefert. Den Mazzosempfängern wird gemäß Verfügung des Kriegsministeriums vom 12. Dezember 1917 Nr. 2798. 11. 17 B 2 die tatsächlich in ihren Besitz gelangte Mazzosmenge mit dem gleichen Gewicht auf die ihnen zustehende Brotmenge angerechnet und das Brotgeld dafür ausbezahlt. Druckfehlerberichtigung: In dem Beitrga Dr. Leon Reichs „Ein Judenkongreß in Österreich“ (Nr. 50) heißt es irrtümlich auf Zeile 8: „Nationalität“ statt „S o l i d a r i t ä t“. Die „WIRKLICHKEIT”!! Deutsche Zeitschrift für Ordnung und Recht. im SÄ; 2! Die „Wirklichkeit" ist die einzige politische Wochenschrift, welche von sich ssgen kann, daß sie schon mit dem Beginn ihres Erscheinens zu den angesehensten politischen Zeitschriften des deutschen Sprachgebietes gehörte. Die „Wirklichkeit“ ist eine von allen Parteien und Interessenvertretungen unabhängige, nicht belehrende, sondern unterrichtende politische Wochenschrift. Sie sieht ihre Aufgabe darin, alle politischen Vorgänge und Entwicklungen zu nehmen wie sie sind, den Sinn für das geacbichtlch Gewordene zu pflegen und unser politisches Denken frei zu machen von allen ungesunden utopischen Einflüssen. Die „Wirklichkeit“ hat sich ln der politisch interessierten Welt heute schon einen sicheren Markt geschaffen und ist für Jeden Staatsbürger, der die Kenntnis des politischen Lebens als unerlässlich begriffen hat, unentbehrlich geworden. Das Einzelheft kostet 50 Pf., der Bezugspreis des Vierteljahres beträgt M. 5.—. Man verlange kostenlos Probeheft beim Verlag, München, Friedrichstr. 2. Bestellungen nimmt entgegen jede Postanstalt (Zeitungsverzeichnie München 1216a), der Buchhandel und der Verlag. :