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Das jüdische Echo · 1917-12-28 · 52 (28.12.1917) · p. Seite 554

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
52 (28.12.1917)
Date
1917-12-28
Page
Seite 554 (sequence 2)
Language
German
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554 Das Jüdische Echo Nr. 52 hören. Dies wurde versäumt, und deshalb weist die neue Gemeindeordnung — trotz des besten Willens auf Seiten der jüdischen Referenten — im Vergleich mit der bisherigen nicht nur Vorzüge, sondern auch Nachteile auf. Da hierüber seinerzeit in der jüdischen Öffentlichkeit ausführlich gesprochen wurde, wollen wir hier nur die Hauptpunkte nochmals hervorheben. Die Lichtseite der neuen Organisation war die Festlegung der Gemeindeaufgaben, die Abschaffung des Vermögenszensus und die Zentralisierung in Gestalt des „Obersten Rates“. Die Schattenseite war, daß man eine künstliche Klerikalisierung durch eine aufgezwungene Zahl von Rabbinern geschaffen, einen Bildungszensus eingeführt und die Mitglieder ernannt hat. Die letztere Maßregel war für die Juden besonders schädlich, denn dadurch wurde in die jüdische Selbstverwaltung ein hemmendes Element, nämlich Anhänger der künftigen (jetzt schon gegenwärtigen) polnischen antisemitischen Verwaltung hin eingepreßt. Immerhin hätten die Lichtseiten überwogen, falls der vernehmlichste Vorzug: die Demokratisierung, wirklich in die Tat umgesetzt worden wäre. Dies hing von der Auslegung des § 5 Punkt 6 ab, der besagt, die Voraussetzung des aktiven Wahlrechts sei „Zahlung von Umlagen zur jüdischen Gemeinde.“ Die neue Verordnung war nämlich den Juden selbst nur dann erwünscht, wenn dieser Punkt so ausgelegt wurde, daß jeder Jude, der sich bereit erklärt auch nur den kleinsten Beitrag zu zahlen, dadurch Sitimmifecht erwarb. Diese Auslegung durfte natürlich die künftige Gemeinde nicht stören, jeden Juden mit solcher Steuer zu belegen, die er seinem Vermögen gemäß imstande ist, zu zahlen. Hingegen brauchte der genannte Punkt nicht so verstanden zu werden, daß nur demjenigen Stimmrecht zusteht, der jetzt Steuer zahlt, denn jetzt, — dank dem hohen Wahlzensus und anderen Folgen der dunklen Zarenzeit — schaltet und waltet in der Gemeinde ein Häuflein von assimilierten Großkapitalisten, die mit den jüdischen Massen weder in nationaler noch in religiöser Hinsicht etwas zu tun haben. Es ist deshalb verständlich, daß die Erläuterung des vorerwähnten Punktes im demokratischen Sinn zum Zentralpunkt der nationaljüdischen Wünsche wurde. Dieser Forderung schlossen sich übrigens auch die Orthodoxen und die demokratisch gesinnten Assimilanten an, sodaß sie den Willen der ganzen polnischen Judenschaft bezeichnete. mit Ausnahme eines Häufleins extremer Assimilanten, die auch nicht einmal wagten, ihr reaktionäres Verlangen laut vorzutragen, Königl. bayer. Lotterieeinnahme der Preuss.- Siidd. Klassen-Lotterie A. Ostermaier. München Promenadepl. 12/1, Eing. durch d. Zigarrengeschäft Beginn der 11. (237 ) Lotterie mit Ziehung I. Klasse am 8. u. 9 Januar 1918, 2. Klasse am 12. u. 13. Februar 1913, 3. Klasse am 12. u. 13. März 1918, 4. Klasse am 9. u 10. April 19i8, 5. Klasse (Haupt- und Schlußziehungl beginnt am 7. Mai und endet am 3 Juni 1918. Preis für Lose io großer Auswahl stets vorrätig. ’ür die 1 Klasse; für */8 V« V« V, s 10 20 40 M. Bei den folgenden Klassen sind die Vorklassen stets nachzubezahlen. da sie sich ja vor den Augen der polnischen Gemeinschaft als Fortschrittler und Demokraten gebärden mußten. Trotz alledem erfolgte eine geraume Zeit lang keine Erläuterung. Die jüdische Gemeinschaft gewann den peinlichen Eindruck, daß das jüdische Referat nicht mit dem offenen Willen der überwiegenden Mehrheit der Juden rechnet, sondern mit den geheimen Bemühungen des mächtigen Häufleins. Den demokratischen Nationaljuden blieb nichts übrig, als auszudrücken, daß falls ihre Forderung nicht durchdränge, das Gros der Juden überhaupt kein Interesse habe, an den Wahlen teil zu nehmen. Dies war ganz verständlich, da sich bei Nichtberücksichtigung der Demokratisierung die wenigen Vorzüge der Verordnung in Nachteile verwandeln. Dank der privilegierten ersten Intelligenzkurie haben die Kapitalisten, denen allein bis jetzt die Schulbildung zugänglich war, ohnehin die Hälfte der Mandate in ihrer Hand; dank der Handhabung der Steuer sind sie ferner imstande, auch in der zweiten Kurie ihren Anhängern eine große Zahl von Plätzen zu sichern, und die kleine Zahl von Nationaljuden, die sich durch dieses Netz hindurchschleichen können, waren nur stumme Zuschauer des allzu bekannten Vorgehens der polonisierten Machthaber und ihrer Helfershelfer. Der Unterschied würde nur darin bestehen, daß diese Paradejuden, dank der ausgedehnten Kompetenz der Gemeinde, jetzt noch mehr Macht in die Hände bekommen. Nach langen Bemühungen gelang es den Nationaljuden, eine Verordnung zu erwirken, der zufolge jeder Jude, der sich verpflichtet eine Mark Umlage zur Gemeinde zu zahlen, Stimmrecht besitzt.1) Es schien, daß nach dieser amtlichen Erklärung alles in Ordnung wäre. Die Wirklichkeit zeigt leider etwas ganz anderes. Das ganze Verfahren bezüglich der Verordnung hat uns bewiesen, daß irgendwo eine Hand am Werk ist, der daran liegt, eine Organisation der Juden zu verhindern. Bei den verschiedenen Umgestaltungen im polnischen Leben haben wir gesehen, daß man vor allem um die Meinung der polnischen Gemeinschaft fragt, und daß man die geplanten Reformen mit der gebührenden Schnelligkeit durchführt. In den jüdischen Angelegenheiten beobachten wir gerade das Gegenteil. Einmal werden die Juden gar nicht gefragt, zweitens bleiben die Reformen nur auf dem Papier. Seit der Veröffentlichung der Gemeinde-Verordnung ist bereits mehr als ein Jahr verstrichen, und nicht nur ist sie noch nicht eingeführt, sondern wir können nicht einmal ahnen, ob, wann und in welcher Form dies geschehen soll. Was dahinter steckt, wurde den Juden alsbald bekannt. Wir erfuhren nämlich, daß die polnischen Antisemiten höchst wahrscheinlich gar nicht wünschen, die Juden organisiert . wenn auch nur auf religiöser Grundlage — zu sehen, besonders mit einem irgendwie demokratischen Stimmrecht. Zum Werkzeug ihrer Bestrebungen haben die polnischen Antisemiten die extremen „jüdischen Polen“ gemacht, die ebenfalls sehr gern den jüdischen „Separatismus“ bekämpfen. Und was die Antisemiten wollen, wird ihnen jetzt gewährt, damit die Neutralität in den polnisch-jüdischen Angelegenheiten bewahrt bleibt! Nachdem die Verordnung nun ein Jahr lang auf dem Papier steht, hat sich der polnische Staats- U Wie es sich jetzt erweist, gilt diese Demokratisierung nur für Warschau und Lodz, in der ganzen Provinz bleibt alles beim alten.

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