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Das jüdische Echo · 1917-10-19 · 42 (19.10.1917) · p. Seite 464

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
42 (19.10.1917)
Date
1917-10-19
Page
Seite 464 (sequence 12)
Language
German
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464 Das Jüdische Echo Nr. 42 Stadt sind spärlich und dunkel. Es ist Krieg: und Fliegergefahr. Langsam schlendere ich durch die Gassen und lasse die Stadt auf mich einwirken. Aus den größeren Straßen komme ich in abgelegene Winkel, wo sich zwei Bocher über die Frage „Jidisch oder Hebräisch“ streiten. Als ich näherkomme, verstummen sie. Minutenlang treffe ich niemand mehr. Hier in der entlegenen Vorstadt ist nicht einmal ein deutscher Soldat, der mir den Weg zurückweist. Doch am Ende der Sackgasse stöhnt irgend wer, schluchzt in dem finstern Winkel auf, wie ein Kind, welches in der Ecke steht weil es . Schläge bekommen hat. Zieht ein Weinen auf und erstickt wieder, Ich gehe darauf zu, finde aber niemand. Zwei Minuten ist es wieder ganz ruhig. Und dann klingt es wieder leise wie vordem. Ich muß das Weinen noch besser suchen. Es muß doch irgendwo sein. Und da ist schon im Toreingang ein Junge, ein kleiner Junge. Vielleicht hat er etwas verloren, denke ich. Aber er sucht nicht. Vielleicht wartet er auf die Mutter, oder er hat zu Hause Schläge bekommen. Ich gehe auf ihn zu. Aber er dreht sich nicht um, sondern wimmert nur von Zeit zu Zeit. „Du“ sag ich zu ihm und zieh ihn am Ärmel. Es ist ein schmutziger Straßenjunge. Kein Wunder, wenn ihn der Vater prügelte. Die Lumpen hängen an ihm nur so herunter. Ein Herumtreiber, der die Schule schwänzt und Jetzt noch nicht einmal zu Hause ist. „Du“, frage ich ihn zum zweitenmal. „Was machst du hier?“ Der läßt sich Zeit, oder er gibt kaum Acht auf mich. Ich werde ungeduldig und schelte ihn. Da sagt er irgend etwas vom Tate, das ich nicht verstehe. „Warum, heulst du? Hat er dich geschlagen?“ Das begreift er wieder nicht. Man muß sich mit den Kindern Zeit lassen. Und endlich kommt es langsam und zittrig heraus: „Mer — friert — mer friert — un — i — hob — Hun —“ Das letzte Wort erstirbt in der Nacht; erst nach einigen Augenblicken heult er nochmals dahin: — „Hun-ger.“ Ich stecke ihm was zu, die Hand schließt sich kaum. Der Junge sagt nichts. Dankt nicht. Wie ich schon drei Schritte weg bin, stößt er wieder ein Weinen auf, nicht mehr laut, kaum hörbar, wie ein Hund, der winselt. Das ist Wilna. Ins Dunkel der Nacht verschwindet alles. Not und Grauen. Und nur aus einem großen Cafe im Centrum dringt helle Musik. Ein alter Jid steht am Fenster und sieht hinein: „Mein Bocher spielt da den Daitschen. Sehn Se ihn. Mein Bocher . . .“ LUITPOLD Die Antisßffliien von Dr. Hins Maler Preis Mark —.20 Buchhandl. Nationalvereii München, Herzog Maxstr.4 10 Zeilen mit Tinte geschrieben und Geburtsdatum Hk. 2.00 per Nachnahme. Gebe auch Unterricht in Graphologie Therese Hiisenbeck, Tattenbachstraße 5/1, Flügelbau. Albert Diederich München, Türkenstr. 60 (früher Adalbertstr.) Fernsprecher 22281 Uebernahme von Wohnungseinrichtungen, Anfertigung sämtlicher Polstermöbel und aller einschlägiger Arbeiten SCHREIB * BÜRO? Abschriften 'v Dikme SIEGFRIED Indien, Sdiützenslr. la/11 (Kontorh. Imperial) Tel fjeine %rren ‘WLxJie uSj&xbvatsn 9/Zünchen, S^axUmäianötr U. Gemeindenu. Vereins-Echo Nationalfonds-Spende. Goldenes Buch. Jüdisch. Wanderbund „Blau-Weiß“ München. Die Führerschaft gratuliert ihrem lieben Dr. Raphael Straus und dessen Gattin zur Geburt ihres zweiten Sohnes. Mk. 5.—. m ___ SCln dieser Abteilung finden Altzeigen-bcno Voranzeigen der Vereine auoh ausserhalb Münchens kostenlose Aufnahme.) NationaljüdiScher Verband. Dienstag, den 23. Oktober, Vortrag des Herrn Jacob Fränkel über „Heinrich Grätz“ (anläßlich seines 100. Geburtstages). V.J.St.-Lokal. Beginn pünktlich 8.30 Uhr. Ohne Seifenmarken! AM" Stück-Wasch mittel SCHNEEWEISS Kriegsamtlich genehmigt. Gleicht in Größe, Form und färbe weißer Kernseife und wird auch so angewendet. Vorzüglich für farbige und besonders fUr weiße Wäsche geeignet. In weißen StUcken von ca. 250 g 50 StUck 11.— Mk. 100 Stück 20— Mk. mit Verpackung. Mustersendung nicht unter 30 Stück. Versand nach auswärts nur gegen Nachnahme. Ständige Nachbestellungen und Anerkennungen. Alleiniger Fabrikant: »Hl» MllSler, Mlttn,Herrnstr.6 Drick »*d Varlsf i B. Hellar, Bechdreckerel. Miechee. Marxeg Maxau. 4. Varaetwartlicb!«r dieRedaktiee l Helene Hanna Loh». München. Von der Tannstr. 22; ISr oa» Aeseieeetelli M. W. ■tShr. hiMchee .. 9001001891

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