Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 40 (5.10.1917)
- Date
- 1917-10-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Das Jüdische Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. IBezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag — Bezugspreis: Viertelj. M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Ganz). M.4.—,Einzelnummer 10 Pf.—Verlag des »jüdischen Echo“ : München, Herzog Maxstr 4. — Redaktion: Helene Hanna Cohn, München, m mmm Anzeigen: Die viergespaltene Konpareitie - Zeile oder deren Raum 40 PI. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Anzeigenannahme: Verlag des »Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstraße 4. F er nsp re eher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 40 München / 4. Jahrgang 5. Oktober 1917 Nam et hic DIi sunt! Mit dem obigen Zitat schließt ein Aufsatz des Geh. Justizrats Dr. Eugen Fuchs in Heft 22 der „Neuen jü d i s c h e n Monatsheft e“. Ein Vergleich dieses Aufsatzes mit einem solchen von Kurt Blumenfeld im Februarheft des „J u - den“ ergibt einen guten Überblick über Pol und Gegenpol im heutigen deutschen Judentum. Während beide Autoren die deutschen Juden einteilen in eine Gruppe, die sich als Angehörige der jüdischen Nation und eine solche, die sich als jüdischen Stamm des deutschen Volkes betrachtet, steht Blumenfeld unbedingt im Lager der jüdischen Nationalisten, Fuchs in dem der deutschen Judenstämmlinge. Dabei betont Fuchs stärker als Blumenfeld die Zusammengehörigkeit der Juden als Religionsgemeinschaft. In einem anderen Punkte jedoch gehen die beiden Autoren von verschiedenen Auffassungen aus: Blumenfeld schleidet die deutschen Juden in Zionisten und Assimilanten, d. h. solche die sich um die Förderung des Judentums und solche, die sich um Verständigung mit der nichtjüdischen Umwelt bemühen. Als Arbeiter am Judentum erkennt er nur die Zionisten an, während beim Nichtzionisten das Bemühen um das Judentum hinter dem Streben nach Verständigung mit der Umwelt zurücktritt. Fuchs dagegen meint, daß die Anpassung an die deutsche Umgebung zur Erhaltung und Weiterentwicklung des Judentums notwendig sei, und betrachtet unter diesem Gesichtspunkt die jüdischen Nationalisten, die hierin eine Gefahr sehen, als Schädlinge des Judentums. Das Primäre ist also bei Beiden die Treue zum Judentum (die Bezeichnung der Nichtzionisten als „Assimilanten“, in dem Sinne von Menschen die ihr Judentum aufzugeben bestrebt sind, erscheint daher ungerechtfertigt). Es würde sich demnach nicht so sehr um eine Meinungsverschiedenheit über das Ziel selbst als vielmehr um eine solche über den Weg zu diesem Ziele handeln. Nun gibt es aber Momente, die das klare Bild der Sachlage verschleiern und verwirren: Einmal sind in den Reihen der Nichtzionisten viele, die im Bestreben, ihr Judentum dem Deutschtum mehr und immer mehr anzupassen, das erstere ganz und gar zu Gunsten dös letzteren eingebüßt haben und zu denen die Stimme des gemeinsamen Blutes überhaupt nicht mehr spricht, sondern die nur noch in der Bewahrung einiger jüdisch-religiöser Traditionen den Zusammenhang mit den Mitjuden finden. Andrerseits gibt es unter den Zionisten Leute, die mehr den Wi 1 len zum Judentum als eine wirklich jüdische Eigenart besitzen, die daher weniger befähigt sind, an der Erhaltung echten jüdischen Geistes mitzuarbeiten als manche Deutsche jüdischen Stammea Diese Verschleierung des Gegensatzes zwischen Zionisten und jüdischen Deutschen wird häufig die Diskussion über jüdische Politik erschweren. Sie macht sich auch in den Ausführungen der beiden genannten Autoren bemerkbar. Fuchs hat gewisse Seiten seines jüdischen Gefühls so zurückgedrängt, daß ihm das Verwandtschaftsgefühl für den Nichtjuden die Liebe zu Palästina, die Sehnsucht nach einem Zusammenleben mit andren Juden verloren gegangen ist. Blumenfeld hingegen steht der religiösen jüdischen Gemeinschaft zu fern, um an das Fortleben eines Judentumes, dem die nationale Stütze fehlt, glauben zu können. Es soll hier nicht versucht werden, die logische Begründung des jüdisch-nationalen und des deutschnationalen Standpunktes gegeneinander abzuwägen, schon deswegen nicht, weil es dabei mit Logik allein nicht getan ist. Geheimrat Fuchs selbst verlegt die Angehörigkeit zur einen oder zur andren Nationalität in die Sphäre des Willens, indem er sagt: „Für sie (die Zionisten) ist die Nationsfrage nicht eine Frage des Seins, sondern des Willens. Sie wollen nationaljüdisch, nicht nationaldeutsch sein ... Ich w i 11 nicht n a t i on a 1 jüdisch sein.“ Gegen diese Erklärung läßt sich nichts einwenden, vorausgesetzt, daß man zugibt, daß man nicht nur bei den Zionisten das Bekenntnis zur jüdischen Nationalität, sondern auch bei den Nichtzionisten das Bekenntnis zur deutschen Nationalität als eine Äußerung ihres eigeben freien Willens gelten läßt. Ist das ganze Problem der Entscheidung des Einzelnen überlassen, so fragt es sich, welche der beiden Anschauungen sich in der Praxis als wirksamer erweist. Und da sehen wir nicht allein, daß der noch junge nationaljüdische Gedanke in von Jahr zu Jahr steigendem Maße in den Herzen der Jugend Wurzel faßt, sondern auch, daß er seine Anhänger zu einer so intensiven, ja inbrünstigen Beschäftigung mit dem Judentum führt, wie sie heute bei kaum einer einzigen anderen Gruppe von Juden besteht. In der diesjährigen Hauptversammlung des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ist mehrfach darüber geklagt worden, daß die nichtzionistische Judenheit Deutschlands nur im Verborgenen blühe, während die Welt mehr vom Zionismus erfährt. Diese Erscheinung wurde mit der ..geschickten Propaganda“ der Zionisten erklärt. Aber da muß man sich doch fragen: was ist die Triebkraft dieser Propaganda? Ist es nicht