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Das jüdische Echo · 1917-09-28 · 39 (28.9.1917) · p. Seite 428

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
39 (28.9.1917)
Date
1917-09-28
Page
Seite 428 (sequence 4)
Language
German
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428 Das Jüdische Echo Nr. 39 b) Da die Bildung einer jüdischen Legion für besondere Operationen in Palästina die Interessen der Juden in der Türkei und die gesamte jüdische Lage in Palästina gefährden könnte, beschließt die Versammlung, die Führer der englischen Zionisten-Föderation und die zur Zeit im Lande wohnenden Mitglieder des zionistischen Aktions-Komitees zu ersuchen, sich an die königliche Regierung zu wenden, sie mit den Tatsachen bekanntzumachen und diese zu bitten, daß, falb eine jüd. Legion gebildet werden soll, diese keinen besonderen jüdisch-nationalen Charakter trage noch zur Erreichung jüdisch-nationaler Ziele, verwendet werde, damit nicht Leben und Eigentum der Juden in Palästina gefährdet werden.“ Auch bekannte Zionisten, wie z. B. der Rabbiner Qaster, haben in der Presse gegen das jüdische Regiment Protest erhoben. D(aiß man Sauch in amerikanischen Zionistenkreisen die Bildung eines jüdischen Regiments mit wenig Freude betrachtet, beweist ein Aufsatz im national-jüdischen „American Jewish Chronicle“ vom 3. August. Dieser schreibt: „Es gibt unserer Ansicht nach für unser Volk keinen Grund, sich der Bildung eines besonderen jüdischen Regimentes in England mit dem „Magen David“ als Banner zu freuen. Es gibt keine nationale jüdische Macht; wenn auch jeder gesunde Jude in diesem Kriege mitkämpft, gehört das jüdische Volk als solches nicht zu den kriegführenden Parteien, und schon aus diesem Grunde ist die Bildung eines besonderen jüdischen Regimentes nicht am Platze. Die Bildung besonderer jüdischer Regimenter ist politisch nicht nur unklug, sondern direkt gefährlich. In erster Linie kann sie zu bewußtem oder unbewußtem Brudermord führen. War könnten uns vorstellen, daß die deutschen Juden dem Beispiel der englischen Juden folgen und besondere jüdische Regimenter bilden würden, sodaß in der Schlacht diese jüdischen Regimenter gegen einander vorgingen. Die Soldaten würden dann nicht nur als Deutsche bezw. Engländer, sondern auch als Juden kämpfen. Kann man sich eine schrecklichere Tragödie vorstellen? Zwei jüdische Regimenter, die gegen einander kämpfen und ihr Judentum für eine nicht-jüdische Sache benutzen, wären nutzloser Brudermord und zugleich Sakrileg. Das „Schma Jisroel“ der Opfer beider Regimenter wäre eine reine Gotteslästerung.“ Leider hat sich die antisemitische Presse bereits des dankbaren Themas bemächtigt, um die zionistische Organisation für den Entschluß der englischen Regierung verantwortlich zu machen. Was sich übrigens die „Frankf. Ztg.“ unter einem „aktivistischen sozusagen militärischen Zionismus“ vor st eilt, ist selbst den bestinformierten Zionisten unklar. LUDWIG MURR Damenfriseur SPEZIAL- DAMEN - SALON NÜR FÜR DAMEN Residenzstrasse 17/1 SALON FÜR DAMEN UND HERREN Parkhotel Maalmlllansplatz 21 SPEZIALITÄT: Künstlerisch ausgeführte ERSATZ* FRISUREN, dem natürlichen Haaransatz Voll u. ganz angepaßt Revolutionsgeneral v. Gebsattel gegen den „Judenfrieden“ Der „Vorwärts“ schreibt unter dieser Überschrift: „General der Kavallerie z. D. von Gebsattel, zweiter Vorsitzender des Alldeutschen Verbandes, ist bekanntlich der Mann, der dem vorigen Reichskanzler wegen seiner Haltung in der Friedensfrage mit der Revolution gedroht hat. Auch sonst vollbringt der Herr General z. D. zur Erreichung der alldeutschen Eroberungsziele große Heldentaten — auf bedrucktem Papier, von militärischen Taten des Generals v. Gebsattel hat man bisher nichts vernommen. „Sein neuestes Heldenstück leistet der Revolutionsgeneral in der Freitag - Abendausgabe einer von schwerindustrielllem Kapital ausgehaltenen Berliner alldeutschen Zeitung. Er erfindet eine, neue Hetzmethode gegen den Verständigungsfrieden, nämlich1 die antisemitische Hetzmethode. Sein Vorgehen richtet sich in gleicher Weise gegen die Anhänger des Verständigungsfriedens wie gegen die jüdischen Mitbürger, die im Gegensatz zu Herrn v. Gebsattel ihr Blut für Deutschland in den Schützengräben opfern. Sein Artikel betitelt sich „Judenwahlen — Judenfriede?“ Der Revolutionsgeneral schildert ein angebliches Gespräch mit einem fränkischen Landsmann: „Natürlich wurde auch über den Krieg und die Friedensaussichten gesprochen und er kam im Hinblick auf die Haltung der Reichstagsmehrheit zu dem Satz, der mich verblüffte: „Was ist da anders zu erwarten? Diesen Reichstag haben ja die Juden gemacht, jetzt macht er einen Judenfrieden!“ Der Reichstag, „den die Juden gemacht haben“, — wo hatte ich das schon gehört? — Richtig! in Daniel Frymanns ausgezeichnetem Kaiserbuch, in der im Januar 1914 erschienenen fünften Auflage war von den „Judenwählen“ die Rede gewesen in bezug auf diesen, den Zabern- Reichstag. Dann erinnerte ich mich weiter an die Rede, die im Frühjahr 1912 durch das Land gegangen war, daß der damals gewählte Reichstag aus „Judenwahlen“ hervorgegangen sei, weil jüdisches Geld stark dabei mitgewirkt habe, die Wahlmache für die äußerste Linke zu fördern . . . Und dieser Reichstag, den der Volksmund als aus „Judenwahlen“ her vor gegangen gekennzeichnet hat, in dem die Mehrheit bei jenen Parteien liegt, die zum größten Teil seit der Reichsgründung grundsätzlich alle Forderungen abgelehnt haben, die auf Kräftigung der Macht und Sicherheit des Reiches abzielten —i abgerechnet dieser Reichstag soll jetzt maßgebenden Einfluß auf das Kriegsende haben, soll dabei mitwirken wie der Friede wird?“ „Die Herren von der Rechten haben schon ziemlich seit Urgroßvaters Zeiten die Methode, alles, was ihnen in Deutschland nicht gefällt, als jüdische Mache zu bezeichnen, von der Revolution von 1848 angefaQPjen, an der „Juden, Polen und Franzosen“ schuld waren, bis zur Friedensresolution 1917. Für die „Judenwahlen“ aber nur zwei Ziffern: jüdische Reichstagswähler gab es im Jahre 1912 etwa 120 000. Hinter den Mehrheitsparteien des Reichstags dagegen stehen Vh Millionen Stimmen. Wie unsäglich albern ist da die Behauptung, der jetzige Reichsjag sei von den Juden gemacht, welche Beleidigung würdesie für das selbständige Denken und Handeln des deutschen Volkes bedeuten . . . .“

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