Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 39 (28.9.1917)
- Date
- 1917-09-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. (Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag — Bezugspreis: Viertel). M. 1.—, Halbj. M. 2.—, üanxj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf.—Y e r 1 a g des „Jüdischen Echo“: München, Herzog Maxstr 4 — Redaktion: Helene Hanna Cohn, München, Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 40 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt — Anzeigenannahme: Verlag das „Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstrafie 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 39 München / 4. Jahrgang 28. September 1917 nicht gleichgültig fein, nicht ableljnen:wir brauchen eine lebendige und jcblagfertige Vertretung in der Oeffentlicbheit. Darum fördere Dein Blatt und juche darauf Cinflufe 3U gewinnen, Abonniere ungefäumt das „Jüd. €d>0‘! €s hoffet mit 3uftellgebüljr nur 1 ODh. 12 pfg. Verlag des „Jüd. Cdjo“, (Dündjen, Ber3og (Dajcftr. 4 Die jüdische Kongreßbewegung. Es ist nützlich, von Zeit zu Zeit darauf hinzuweisen: während der Krieg einer Reihe von jüdischen Verbänden Gelegenheit gibt, der Mitwelt eindringlicher als je zuvor zu versichern, daß der deutsche Jude mit dem russischen, der amerikanische Jude mit dem galizischen keine andere Gemeinschaft als die des Glaubens hat und in ihm nur in religiöser Hinsicht einen Bruder, in nationaler jedoch einen Feind sieht, geht wie eine gewaltige Welle durch die Welt die jüdische Kongreßbewegung, die nur denkbar ist als Willensäußerung eines jüdischen Volkes und die deutlicher als irgendein anderes Ereignis die Welt von der völkischen Verbundenheit aller Juden überzeugen wird. „Wir haben aufgeklärt, und dennoch spuckt’s in Tegel!“ müssen die Gegner des jüdischen Volksbewußtseins sich bei dieser Tatsache sagen. Die jüdische Kongreßbewegung ist ausgegangen von Amerika. Hier, wo man bis vor kurzer Zeit dem Kriege als Zuschauer gegenüberstand, wo gewaltige jüdische Massen mitansahen, wie die Juden der verschiedensten Länder in einen Krieg verwickelt wurden, der mit ihrem Judentum nichts zu tun hatte, unter dem sie aber dennoch als Juden zu leiden hatten, hier wo man beobachtete, wie auch Länder, die ihren jüdischen Untertanen jederzeit als Feinde gegenübergestanden hatten, von diesen Juden Hingabe und Aufopferung verlangten, hier, wo man auch fühlte, daß alle nationalen Fragen nach einer klaren Entscheidung drängten, mußte zuerst der Wille erwachen, eines der größten Probleme der alten Welt: das Judenproblem durch diesen Krieg gelöst zu sehen. Das amerikanische Judentum, das lange hoffen durfte, politisch neutral zu bleiben und bei künftigen Friedensverhandlungen seine Regierung eine Vermittlerrolle spielen zu sehen, mußte sich am meisten berufen fühlen, auf einem künftigen Friedenskongreß für das Judentum der ganzen Welt einzutreten. Es ist nicht notwendig, hier auf die schweren Kämpfe hinzuweisen, unter denen sich die Geburt der Kongreßbewegung in Amerika vollzogen hat, weil der Masse der jüdisch-völkisch Gesinnten eine Anzahl von Persönlichkeiten gegenüberstand, welche den Standpunkt „amerikanischer Staatsbürger jüdischen Glaubens“ vertrat. Das Entscheidende ist, daß die jüdischen Nationalisten das Feld behaupteten und heute gemeinsam mit den anderen Parteien den Kongreß vorbereiten, auf dem vor allem die folgenden Forderungen erhoben werden sollen: 1. Gleichberechtigung der Juden in allen Ländern, wo sie solche noch nicht oder nicht völlig besitzen; 2. Palästina als Heimstätte des jüdischen Volkes; 3. stärkere Arbeit am jüdischen Kulturwerk in allen Ländern der Welt. Die erzielte Einigung war ein Glück für die Bedeutung des Kongresses sowohl für die Außenwelt wie für das amerikanische Judentum selbst. Sollen Forderungen erhoben werden — etwa auf einem künftigen Friedenskongreß — so darf nicht nur eine, wenn auch noch so starke jüdisch-amerikanische Gruppe sie erheben, sondern die Welt muß sehen, daß die gesamte jüdische Bevölkerung Amerikas dahintersteht. Nach innen aber, in ihrer Wirkung auf die amerikanischen Juden, wjrjl eine Organisation, die alle jüdischen Kräfte zu vereinen vermag, eine viel tiefere Wirkung haben, da sie in den Juden Amerikas den Glauben an ihre eigene Kraft und die Macht ihrer Ideale bestärkt. Nachdem nun die amerikanischen Juden von ihrer Regierung in den Krieg mitverstrickt worden sind und damit der Möglichkeit beraubt wurden, künftig als Unparteiische aufzutreten, hätte leicht die Kongreßbewegupg abflauen oder in das Fahrwasser einer internen jüdisch-amerikanischen Angelegenheit gedrängt werden können. Wenn nicht inzwischen der Kon^reßgedanke auf andere Länder übergesprungen wäre und die ganze Bewegung einen breiteren Rahmen erhalten hätte.