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Das jüdische Echo · 1917-09-21 · 38 (21.9.1917) · p. Seite 414

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
38 (21.9.1917)
Date
1917-09-21
Page
Seite 414 (sequence 2)
Language
German
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414 Das Jüdische Echo Nr. 38 ten zu können. Die neue Organisation verlangt von keiner Gruppe im Reiche, daß sie sich vor andren Gruppen duckt und versteckt. Nehmen die jüdischen Vertreter in den Ausschüssen diese Stellung des Duckens und Versteckens am so wird das Judentum in einem noch schlechteren Licht dastehen als es seinen Gegnern schon heute erscheint. Ein Schulbeispiel dafür, wie man die jüdische Sache nicht vertreten soll, ist die Haltung, die auf der Kölner Tagung am 8. Juli der Vorsitzende der Ortsgruppe Köln des Zentral'yereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, B. Feilchenf e 1 d , einnahm. Während von seinen katholischen und evangelischen Vor- und Nachrednern niemand im entferntesten daran dachte, sich selbst als minderwertig aber besserungsfähig hinzustellen, sagte der Vorsitzende des Zentralvereins: „Wir Deutsche jüdischen Glaubens sind nicht anders geartet, und wollen nicht anders sein, als die Volksgenossen anderer Bekenntnisse; ihre Vorzüge, ihre Fehler sind im allgemeinen die unsrigen. Sollten noch Eigenarten, die aus dem Drucke der Jahrhunderte sattsam sich erklären, bei manchem von uns vorhanden sein, so werden diese desto rascher verschwinden, je mehr wir Juden am deutschen Volksleben teilnehm en„-je mehr wir in ihm aufgehen, je mehr und je besser uns Gelegenheit geboten wird, gemeinsam mit den anderen Volksgenossen am Wohle des ganzen zu arbeiten.“ Diese Rede muß bestimmt einen üblen Eindruck gemacht haben, denn sie betont deutlich die Überzeugung gewisser Juden von ihrer eigenen Wertlosigkeit, die Überzeugung, daß das Judentum im Deutschtum „aufgehen“ müsse, weil es ein irgendwie übles Element ist. Daß Herr Feilchenfeld an anderer Stelle erklärte, „wir“ wollten am inneren Frieden „ohne Aufgabe unserer Anschauungen, ohne Verwirkung unsres geistigen Standpunktes“ mitarbeiten, will danach eigentlich nicht mehr als eine Phrase bedeuten. Gewonnen ist mit dieser unerfreulichen Bescheidenheit gar nichts. Der Christ, der irgendeinen Juden mit ausgeprägt jüdischem Typus und einen blondhaarigen und blauäugigen Deutschen ansieht, \yird trotzdem bereits auf den ersten Blick den Unterschied der Blutmischung erkennen und au_s ihr — ganz logisch — auf eine auch innerlich verschiedene Anlage schließen. Wichtiger für die Verständigung wäre es daher sicher, die andren davon zu überzeugen, daß die deutschen Juden entschlossen sind, an der Vertiefung und Veredelung ihres Judentums zu arbeiten und durch ein höheres Judentum zu einem höheren deutschen ZIGARREN-IMPORT BERNHARD OSTERMAI EJUS MÜNCHEN PROMENADEPL« liipli;! js: nttnjt islUiiUv.wi; Staatsbürgertum und höheren Menschentum zu gelangen. Wichtiger wäre es, darauf hinzuweisen, daß ein guter jüdischer Einschlag für Deutschland von großem Vorteil war und ist. Wahrscheinlich wäre auch in den „Gedanken über das neue Deutschland“, die der neue Verband als Werbeschrift verbreitet, das Kapitel über die Judenfrage in Deutschland weniger einseitig und widerspruchsvoll geraten, wenn die Verfasser nicht von Vertretern der Verheimlichungs- und Vertuschungspolitik, sondern von stolzen und aufrechten Juden beraten worden wären. Aber leider hat man heute noch nicht überall in jüdischen Kreisen die Bedeutung und Wirkung offener Selbstbejahung erkannt, und leider kann man sich auch noch nicht immer entschließen, die tüchtigsten und wertvollsten Kräfte zu gemeinsamer Arbeit heranzuziehen, wenn diese zufällig auf einem Standpunkt stehen, der den Gemeindegewaltigen nicht gefällt. So soll es z. B. vorgekommen sein, daß gegen die Wahl in das neue Komitee eines in jeder Beziehung zur Vertretung jüdischer Interessen geeigneten Gemeindiemitgliedes deshalb protestiert wurde, „weil der betreffende Herr Zionist sei“. Die Gegner dieser Wahl hätten sich zweierlei sagen sollen: erstens weshalb von dem Streben nach Verständigung aller Gruppen gerade die Zionisten ausgeschlossen werden sollen? zweitens, ob die jüdische Gemeinschaft als Ganzes Anspruch auf Würdigung bei den andren Konfessionen erheben darf, wenn sie selbst ihre Arbeitfür den inneren Frieden damit beginnt, daß sie eine starke Richtung im Judentum einfach der Möglichkeit einer Mitarbeit an allgemeinen Aufgaben beraubt?. Die jüdisch « sozialistische Delegation des Sozialistentages. Vergl. Nr. 37 d. Bl. Zusammenfassung der Vorschläge. Die Interessen eines harmonischen Zusammenlebens der Völker und eines dauerhaften Friedens erfordern die Regelung der Völkerbeziehungen auf folgenden Grundlagen. I. Völkerbund. Gründung einer überstaatlichen Organisation, eines Friedensbundes der Völker, mit folgenden Aufgaben: a) Kodifizierung des Völkerrechtes einschließlich der Freiheit der Meere. b) Obligatorische schiedsgerichtliche Schlichtung von staatlichen und nationa- 1 e n Konflikten. c) Festsetzung gleichartiger Bestimmungen für die demokratische K o n t r o 11 e der auswärtigen Politik und des Abschlusses internationaler Abmachungen in allen Staaten. d) Abrüstung aller Staaten und Kontrolle der zu verstaatlichenden Waffenindustrie. Erhaltung einer internationalen Miliz, stark genug, um jede Verletzung des Völkerrechtes und internationaler Verträge zu verhindern. e) Verwaltung der Weltverkehrstraßen, die zu internationalisieren sind. f) Kontrolle der Einhaltung und Ausbau der in den Friedensvertrag aufzunehmenden zwischenstaatichen sozialpolitischen Vereinbarungen bezüglich Freizügigkeit, Sozialversicherung, Arbeitszeit, Koalitionsrecht, Heimarbeit, Arbeiter-, Arbeiterinnen- und Kinderschutz. (Fortsetzung auf Seite 416.)

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