Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 38 (21.9.1917)
- Date
- 1917-09-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag — Bezugspreis: Viertel). M. 1.—, Halbj. M. 2.—, üanzj. M.4.—, Einzelnummer 10 Pi.— Y erlag des „Jüdischen Echo“: München, Herzog Maxstr 4 - Redaktion: Helene i Hanna Cohn, München, Angelegenheiten Anzeigen: Die viergespaltene f Nonpareille - Zeile oder deren Raum 7 40 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— j Anzeigenannahme: Verlag des j „Jüdischen Echo“, München, Herzog I Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. J Postscheckkonto: München 3987. | Nummer 38 München / 4. Jahrgang 21. September 1917 flml. Oktober beginnt ein neues Vierteljahr. Wir bitten daher alle Leser den Bezug zu erneuern, oder soweit sie noch nicht regelmäßige Bezieher des „Jüdischen Echos“ sind, ungesäumt beim Verlag des „Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstr. 4, zu bestellen. Auch die Post nimmt Bestellungen entgegen. Das „Jüdische Echo“ bietet eine Fülle des wichtigsten Inhaltes und kostet nur (T)h. 1.12. Von jüdischer Würde und ihrem Gegenteil Als Gegengewicht gegen die vielen neuen politischen Parteien und Gruppen im Reiche, die den Kampf gegen bestimmte Richtungen im geistigen Leben Deutschlands auf ihre Fahne geschrieben haben, hat kürzlich eine Bewegung eingesetzt, die auf Anbahnung eines Ausgleichs und Friedens der Parteien hinzielt. Die Notwendigkeit einer solchen Versöhnung der Meinungen zeigte sich gelegentlich der Verhandlungen, die Mitglieder der verschiedenen Gewerkschaften mit dem Zweck führten, eine Arbeitsgemeinschaft zu gründen und die wiederholt an dem Mißtrauen zu scheitern drohten, das die Angehörigen der verschiedenen konfessionellen und kulturellen Richtungen gegen einander hegten. Um den Kampf gegen die unwürdige Polemik gewisser Kreise gegen alle Andersdenkenden aufzunehmen, fand in Berlin eine Aussprache statt, zu der die folgendem Reichstagsabgeordneten eiingeladen hatten: die Herren Schiele, v. Gräfe, Lic. Mumm, Franz Bahrens, v. Dewitz, Dr. Hugo Böttcher, v. Calber, Schaffer (Magdeburg), Erzberger, Faßbender, Gisberts, Dr. Ludwig Haas, Sivkovich, Konrad Haenisch, ferner der Gewerkschaftler A. Baumeister, Pastor D. Philipps und Prof. Resch. Die Versammlung wählte einen Ausschuß unter dem Vorsitz von Exz. Dernburg, der eine Organisation zur Herbeiführung eines inneren Friedens vorbereiten sollte. Daraufhin haben vertrauliche Verhandlungen mit evangelischen, katholischen und jüdischen Verbänden stattgefunden, die im Juli zu einer Tagung nach Köln unter dem Ehrenpräsidium des Oberbürgermeisters Wallraf berufen wurden. Es wurde ein Kölner. Ortsausschuß gewählt, dem ein Ortsausschuß in München folgen soll. Man kann über den Wert einer derartigen Organisation verschieden denken; man kann z. B. glauben, daß das Nichtverstehen der Konfessionen oder Parteien untereinander keine Sache der reinen Logik und daher nicht mit reinen Vernunftsgründen zu bekämpfen ist, sondern aus Verschiedenheiten der ganzen geistigen und seelischen.Konstitution entspringt; man kann es für aussichtslos halten, daß jemals ein Mitglied des „Komitees zur raschen Niederwerfung Englands“ den Standpunkt eines Mitgliedes der sozialen Arbeitsgemeinschaft, ein solches denjenigen eines bürgerlichen Fortschrittmannes würdigen soll; man kann auch der Meinung sein, daß das Wort des Begründers der christlichen Kirche: „Wer nicht für mich ist, der ist wider mich!“ innerhalb der Parteien noch heute Geltung hat und sich noch immer nicht mit dem Satze „Liebet eure Feinde!“ vereinbaren läßt. Immerhin wird man es mit Freude begrüßen, daß eine Bewegung eingesetzt hat, die an gegenseitigem Verständnis retten wjll was überhaupt zu retten ist, und die vor allem den nachgerade vielfach rüpelhaft gewordenen Ton in unserem öffentlichen Leben heben will. Uns Juden kann dieses Bestreben nur erwünscht sein. Wer die maßlosen Beschimpfungen und Verdächtigungen gegen die deutschen Juden, die während des Krieges laut geworden sind, registriert hat, wer das Unglück hat, die antisemitische Presse, die sich durch eine stattliche Anzahl alldeutscher Blätter vermehrt hat. verfolgen zu müssen, wer die Wirkungen beobachtet hat, die durch' die ständige Verhetzung bereits entstanden sind (es ist so weit gekommen, daß man z. B. heute sogar in gewissen fortschrittlichen Volksverbänden Deutschlands erwägt, ob man den Juden auch in Zukunft eine starke Mitarbeit in der Partei einräumen dürfe!), der muß es durchaus begrüßen, daß die neue Bewegung sich auch der Judenhetze entgegenstellen will. Aber er muß sich auch sagen, daß die ganze Veranstaltung nur dann Wert für die Juden hat, wenn der neuen Organisation als Vertreter des deutschen Judentums Persönlichkeiten angehören, die nicht nur den Verständigungsgedanken freudig aufgreifen, sondern auch genug Judentum und Stolz auf dieses Judentum in sich tragen, um sich jederzeit den anderen Vertretern politischer und religiöser Richtungen gegenüber mannhaft behaup-