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Das jüdische Echo · 1917-09-07 · 36 (7.9.1917) · p. Seite 393

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
36 (7.9.1917)
Date
1917-09-07
Page
Seite 393 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 36 Das Jüdische Echo 393 Anfrage an den Reichskanzler. Die vom unabhängigen Sozialisten Dr. Cohn (Nordhausen) auf Grund der feindlichen Pressemeldungen gestellte kurze Anfrage über angebliche Grausamkeiten gegen die Juden in Jaffa wurde vom Staatssekretär Dr. v. Kühlmann wie folgt beantwortet: „Die Meldungen der feindlichen Presse über angebliche Mißhandlungen der Bevölkerung Palästinas sind inzwischen durch zahlreiche Veröffentlichungen richtig gestellt worden. Unter dem Zwang der militärischen Lage hatte der zuständige ottomanische Militärbefehlshaber die Räumung der Bezirke von Ghiaza und Jaffa seitens der Zivilbevölkerung angeordnet. Bei der Räumung ist unter möglichster Vermeidung aller Härten verfahren worden. Die Meldungen von Gewalttaten und Plünderungen, die gegen die jüdische Bevölkerung Jaffas und der judäischen Kolonien vorgekommen sein sollen, sind erfunden. Die Juden, die ihren Wohnsitz verlassen mußten, haben bei ihren Glaubensgenossen in Palästina anderweitige Unterkunft gefunden. Für den Schutz des zurückgelassenen Eigentums in der Stadt Jaffa ist durch Bestellung jüdischer Wächter gesorgt. In den Kolonien des Bezirks Jaffa ist nur ein verhältnismäßig geringer Teil der Einwohner von den Maßnahmen betroffen worden. Die Arbeit auf den Feldern und in den Pflanzungen ist nicht gestört. Die kaiserlich ottomanische Regierung hat das Ihrige getan, um die bei jeder Räumungsmaßnahme unvermeidlichen Leiden der Evakuierten nach Möglichkeit zu lindern. Sie hat selbst erhebliche Geldmittel zur Verfügung gestellt und die alsbald ins Werk gesetzte freiwillige Hilfstätigkeit nach Kräften gefördert.“ — Diese Antwort bestätigt die bereits früher von uns veröffentlichten Angaben. Den Ausführungen des Staatsekretärs wäre freilich noch hinzuzufügen. daß die Evakuierten mit dem Hungertodes der schon zahlreiche Opfer gefordert hat, ringen und unter furchtbaren Seuchen leiden. Diesem Elend könnte leicht abgeholfen werden, wenn die türkische Regierung sich entschließen wollte, an die Evakuierten auch nur ein weniges von den im Lande reichlich vorhandenen und teilweise zur Ausfuhr gelangenden Bodenfrüchten zu verteilen, was aber bisher leider nicht geschehen ist. „Humane“ Anfragen an den Reichskanzler. Der Abgeordnete Werner (Dtsch. Fraktion) hat im Reichstag folgende Anfrage an den Reichskanzler gerichtet: „Die deutsche Heeresverwaltung hat wiederholt auf die religiösen Gefühle der jüdischen Kriegsteilnehmer bei israelitischen Festtagen weitgehende Rücksichten nehmen zu müssen geglaubt. Das sorgsame Eingehen auf die seelischen Belange der Judenheit hat sich aber auch auf die gefangenen jüdischen Offiziere und Soldaten erstreckt. Es ist ihnen nicht nur zu religiösen Feiern und zu Bewirtungen bei ihren in Deutschland wohnenden Stammesgenossen Urlaub aus Gefangenenlagern erteilt worden, sondern man gab ihnen auch in der Zeit schwerster Einschränkungen für die deutsche Bevölkerung ausreichende Mengen feinsten Weizenmehls zur Herstellung der rituellen Mazzos. Belege für diese Dinge habe ich seinerzeit im Hauptausschuß erbracht. Eine Zusage auf Abstellung ist noch nicht erfolgt. Ich ersuche deshalb um eine schriftliche Antwort: ob der Reichskanzler die vorgetragenen Beschwerden für die Zukunft gegenstandslos zu machen gedenkt?“ Derselbe Abgeordnete fragt, „was der Reichskanzler zu tun gedenkt, um die angesichts der meist schlechten Behandlung unserer gefangenen Volksgenossen in Feindesland doppelt empörende Verhätschelung der Kriegsgefangenen, insbesondere der Offiziere, auf das Erträgliche zurückzuführen“. Endlich seien noch zwei Anlagen des Abgeordneten Werner, der im ganzen nicht weniger als neun auf einmal gestellt hat, registriert. Er fragt, ob „der Reichskanzler bereit sei, auch das jüdisch-rituelle Schächten zu verbieten, um das der jüdischen Bevölkerung gewährte Ausnahmegesetz zu beseitigen?“ Sodann glaubt er feststellen zu können, daß die Zuwanderung von Personen jüdischen Stammes aus Polen, Galizien und Rumänien allmählich wie in Deutsch-Österreich so auch bei uns einen bedenklichen Umfang annehme. Ist dem Reichskanzler bekannt“, fragt er, „daß viele dieser Neudeutschen, wie die; Polizeilisten ausweisen, gewerbsmäßige Hehler, Taschendiebe und Lebensmittelwucherer sind, daß sie sich alle durch starke Abeigung gegen Reinlichkeit und körperliche Arbeit auszeichnen, und daß sie durch ihre geschäftliche Veranlagung und: eigenartige Gesittung für den unter der Not der Zeit schwer leidenden Mittelstand eine besondere Plage und. vom völkischen Standpunkt gesehen, für das Deutsche Reich einen höchst unerwünschten Zuwachs bilden?“ Das interessanteste an diesen Anfragen werden die Antworten des Reichskanzlers sein. Das jüdische. Regiment in England. Das jüdische Regiment aus den Reihen der in England lebenden russischen Juden ist eifrig an der Werbearbeit. Beim Kriegsamt wurde für dasselbe ein Komitee geschaffen, an dessen Spitze Lord Rothschild steht und das Ausschüsse zur Rekrutenwerbung, zur Schaffung von Wohlfahrtseinrichtungen, eines Sanitätsdienstes und eines Musikkorps für diese neue Streitmacht der Entente einsetzen soll. Als Kopfbedeckung erhalten deren Mannschaften den gleichen Helm wie die Kolonialsoldaten mit einem Bande in den jüdischen Farben blau-weiß, als Abzeichen den Davidstern mit dem Löwen von Juda in der Mitte. Der Lagerplatz des Regiments ist in einer Entfernung von etwa 75 Kilometer von SDie „WIRKLICHKEIT”} P\aiiIi*aLa 7aS1*aLmSX& m ^1 m Hftr«1lsCr^K^r : t : : s Deutsche Zeitschrift für Ordnung und Recht. Die „W rklichkeit" ist die einzige politische Wochenschrift wel'che von sich eigen kann, daß sie schon mit dem Begin n ihres Erscheinens zu den angesehensten politischen Zeitschriften des deutschen Sprachgebietes gehörte. Die „Wirklichkeit" ist eine von allen Parteien und Interessenvertretungen unabhängige, nicht belehrende, sondern unterrichtende politische Wochenschrift. Sie sieht ihre Aufgabe darin, alle politischen Vorgänge und Entwicklungen zu Das Einzelheft kostet 50 Pf., der Bezugspreis des Vierteljahres beträgt M. 5.—. Man verlange kostenlos Probehefte beim Verlag, München, Frledrichstr. 2. Bestellungen nimmt entgegen jede Postanstalt (Zeitungsverzeichnis München 1216 a), der Buchhandel und der Verleg. Herausgeber: Karl Graf v. Bothmer, MQnohen. nehmen wie sie sind, den Sinn für das geschichtlich Gewordene zu pflegen und unser politisches Denken frei zu machen von allen ungesunden utopischen Einflüssen. Die „Wirklichkeit" hat sich in der politisch interessierten Welt heute schon einen sicheren Markt geschaffen und ist für jeden Staatsbürger, der die Kenntnis des politischen Lebens als unerlässliofc begriffen hat, unentbehriloh geworden.

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