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Das jüdische Echo · 1917-08-31 · 35 (31.8.1917) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
35 (31.8.1917)
Date
1917-08-31
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. IBezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag — Bezugspreis: Viertel). M. 1.—, Halb). M. 2.—, Ganzj. M.4.—, Einzelnummer 10 Pi.—V erlag des „Jüdischen Echo“: München, Herzog Maxstr 4 - Redaktion: Helene Hanna Cohn, München, / mmhrnmm Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 40 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt— Anzeigenannahme: Verlag des „Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 35 München / 4. Jahrgang 31. Äugust 1917 Die jüdische Schulfrage in Polen. (Rede des Abgeordneten S. Hirschhorn im Warschauer Stadtrat.) Niemand weiß besser als die Polen, daß eine gute Schule national sein muß. Waren es denn nicht die Polen, die auf dem Altar des nationalen Schulwesens so viel Opfer gebracht haben? Erinnern wir uns, mit welcher Hingebung die Polen um eine polnische Schule unter dem russischen Joche gekämpft haben. Einer der Redner meinte ganz richtig, die schlechteste polnische Schule sei besser als die beste fremde Schule. Leider haben nicht immer alle Polen so gedacht. Als vor einige Jahren die zarische Regierung beabsichtigte, ein ganzes Netz von polnischen Elementarschulen mit der russischen Unterrichtssprache zu schaffen, sind die polninischen Nationaldemokraten darauf eingegangen, und man mußte erst in der polnischen Qeheimpresse ihnen auseinandersetzen, welche Gefahr für das polnische Volk diese angebliche Wohltätigkeit barg. Gleichzeitig hat das Organ derselben Nationaldemokraten, die judenfresserische „Dwa Grosze“ ihre Freude zum Ausdruck gebracht, daß in den jüdischen Chedarim der Unterricht der russischen Sprache eingeführt worden sei, obwohl sie wußte, daß die polnische Sprache dort nach wie vor verboten war. Es waren dies die polnischen „Assimilanten“, die darauf hinarbeiteten, das Polentum im Russentum aufgehen zu sehen, ebenso wie die jüdischen es mit dem Judentum machen. Vergeblich ist deshalb ihre Freude darüber, daß sich unter den Juden schwache Seelen finden, die nicht begreifen wollen, daß jede Nation eine nationale Schule haben muß, oder aber die die Judenschaft nicht als Nation anerkennen wollen. Der Umstand, daß diese Herren im gegenwärtigen Augenblick das sagen, was euch gefällt, ist nur zufällig. Anderwärts ist die jüdische Assimilation nicht polnisch geworden, und wenn sich in anderen Gebieten mit polnischer Bevölkerung Juden finden, die den Polen nationale Rechte absprechen, sind es durchaus nicht Nationaljuden, sondern gerade Assimilanten .... Denn es kann als Prinzip gelten: wer das nationale Gefühl bei sich nicht achtet, kann es auch bei dem anderen nicht schätzen. Wenn daher die Polen anderorts erklären, jedem Menschen stehe das Recht zu, so zu sprechen, wie ihm „der Schnabel gewachsen ist“, so sind es gerade die Nationaljuden, die verspüren, daß das eine Sentenz ist, die ihnen aus dem Herzen gesprochen ist. Gehen wir zu den bei uns herrschenden Verhältnissen über. Zunächst wurde hier eine Verordnung erlassen, in den jüdischen Schulen sei die deutsche Sprache als Lehrsprache einzuführen. Die Nationaljuden wandten sich daraufhin an die deutsche Behörde mit einer mit Tausenden Unterschriften versehenen Bittschrift, in der sie ersuchten, den Unterricht in der jüdischen Schule in jidiseher Sprache und in jüdischem Geist zu führen. Was tat der polnische Minister? Er richtete an die okkupierende Macht eine Gegen-Denkschrift, in der er forderte, daß in den jüdischen Schulen Polnisch gelehrt werde. Das war für das Polentum ein Bärendienst. Die deutsche Behörde weiß ja ganz gut, daß der überwiegende Teil der jüdischen Kinder polnisch weder spricht noch versteht, indessen hat sie von den Polen selbst gehört, die Schule müsse in der Umgangssprache der Schüler geführt werden. Die Behauptung der Polen, daß bezüglich der Juden die allgemeinen pädagogischen Grundsätze nicht anwendbar seien, konnte die Behörde nicht gerade zugunsten der polnischen Sprache stimmen. Und was hier in bezug auf Juden anwendbar ist, kann anderwärts den Polen gegenüber gelten, sobald die Polen prinzipiell die Assimilation, bezw. die Entnationalisierung gutheißen.... Der Vertreter der Assimilanten, Ratsmann Natansohn, erklärte, die jüdischen Massen seien nicht jüdisch-national1 gestimmt. Behaupten kann man natürlich alles. Was sagt aber dazu die Statistik? Im Jahre 1897 betrugen die Juden im Königreich Polen 14,05 Prozent der allgemeinen Bevölkerung; davon sprachen 13,42 Prozent Jidisch, sodaß kaum 0,63 Prozent anderer Sprachen kundig waren. Noch günstiger verhielten sich die Dinge im Jahre 1913, da es 14,87 Prozent Jidisch sprechende Juden gab, sodaß nur 0,13 Prozent auf die anderen Sprachen entfällt. Es muß hinzugefügt werden, daß in Litauen ein noch stärkerer Prozentsatz Juden bloß jidisch spricht, was am glänzendsten das, Märchen widerlegt, die „Litwaki“ seien in Polen ein russifizierendes Element. Es genügt zu erwähnen, daß nur 0,5 Prozent der in Polen wdhnenden „Litwaki“ der russischen Sprache überhaupt kundig ist. Auf Grund solcher Statistik haben wir vollen Grund, nationale Rechte zu fordern. Wir verlangen übrigens nur Selbstbestimmungsrecht, wir wollen niemanden zwangsweise „judaisieren“, verbitten uns jedoch auch, gewaltsam polonisiert zu werden . . . Es irren, diejenigen, die glauben, nationale Rechte ständen nur denjenigen zu, die auf ihrem historisch aufgebauten Boden leben. Wir sind zwar weit davon entfernt, auf das Recht zu verzichten, als Grundvolk angesehen zu werden: Leute die 800 Jahre in einem Lande wohnen, sind

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