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Das jüdische Echo · 1917-08-10 · 32 (10.8.1917) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
32 (10.8.1917)
Date
1917-08-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten ------"5 l'ln z e i g e n : Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 40 PI. — Bei Wiederholungen Rabatt.— ~ “ ’ T * — - Anzeigenannahme: Verlag des „Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 32 München / 4. Jahrgang 10. Hugust 1917 Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag — Bezugspreis: Viertelj. M. 1.—, Halbj. M, 2.—, Ganzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. — Verlag des „Jüdischen Echo“ : München, Herzog Maxstr 4 — Redaktion: Helene Hanna Cohn, München, Vom Wachstum des ÄntI* semitismus. Brief aus Österreich. .... Im August 1917. Daß in Österreich die antisemitische Stimmung der in Deutschland herrschenden in nichts nachgibt, ist, wenn man es nicht durch eigene Beobachtungen oder Berichte weiß, schon deshalb verständlich, weil die lange Jahre währende Unklarheit der christlich-sozialen und nationalistischen Parteien nicht ohne Folgen bleiben konnte. Das Volk sucht sich in seiner Oberflächlichkeit sein Opfer, und das wären die Juden auch dann gewesen, wenn sie nicht der Flüchtlingsstrom aus Galizien in so großen Massen nach Westösterreich geführt hätte. Deshalb hatte der christlich-soziale Abgeordnete von Rumburg, Dr. Jerzabek, ganz recht, wenn er am 16. Juni im Abgeordnetenhaus sagte: „Gehen Sie nur in die Straßen von Wien, dann werden Sie sehen, welcher Antisemitismus dort Platz gegriffen hat, gehen Sie nur hinaus in die Provinzen und an die Front und forschen Sie nach, wie man dort über die Juden denkt. . Es ist wahr, daß sich der neutestamentliche Satz vom Splitter im Auge des anderen wieder einmal bewahrheitet hat, aber weder bestehen die Anklagen, die gegen die Judenschaft im allgemeinen erhoben werden, zu Recht, noch braucht ihr „bange zu werden vor dem Augenblick, wo die Leute von der Front wieder zurückkehren werden.“ Denn mit ihnen kommen auch die jüdischen Soldaten heim, die ihr Leben für das Vaterland willig in die Schanze geschlagen haben und nicht werden ertragen wollen, daß man die Ehre ihrer gefallenen jüdischen Kameraden und ihrer Gemeinschaft in der niedrigsten Weise besudelt. Es ist eine unerhörte Herausforderung, wenn Jerzabek in einer gleißnerischen Pogromrede, in der er „durchaus nicht leugnen will, daß es auch brave Juden gibt, daß es auch jüdische Soldaten gegeben hat und; gibt, die ihre Pflicht erfüllen“, ausführt: „ Den Helden der Front stehen die Hyänen des Schlachtfeldes gegenüber und den Helden der Scholle die Hyänen des Hinterlandes, Die Hyäne ist bekanntlich ein orientalisches Tier, merkwürdigerweise sind1 auch die Hyänen des Hinterlandes durchwegs orientalischen Ursprungs gewesen.“ Diesem Redeexzesse schlimmster Art, denen sich andere von anderen Abgeordneten anreihen und noch anreihen werden, treten die jüdischen Parlamentarier Dr. Benno Strauch er und Heinrich Reizes mit würdiger Entschiedenheit entgegen. iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiHiiiiiiiiiiiiiiitiiiiimiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiHiiiiiiiiiniiiiiiiiiiimiiiiiiiHii VerDaiiii der naiMjiiscliei Vereine Münchens Dienstag den 14. August: Gedenkfeier zur Erinnerung an den 1. zionistischen Kongreß (29. August 1897) Die Gedächtnisrede hält Helene Hanna Cohn Lokal: V. J. St. - Lokal, Bayerstraße 67/69 Beginn pünktlich SV2 Uhr. lll!l!lll!!!lillll!l!lllilllllllllll!lltlllllllllil!!lllllll!llllllll!lllllllllllllllil!!lll!!!l!lllllllllllllll!llllillll!lll!l Das angegriffene jüdische Publikum empfindet es als eine Wohltat, zwei solche unerschrockene Vertreter der Wahrheit und des Gewissens in der Kammer zu wissen. Es erübrigt sich wohl, an dieser Stelle all die schweren Vorwürfe, die gegen die Juden erhoben werden, zurückzuweisen. Vielmehr wäre es, der Chronik entsprechend, angebracht, eine Liste der von den oben genannten jüdischen Volksvertretern eingebrachten, auch von nichtjüdischen Mitgliedern des Hauses unterschriebenen, Interpellationen und „A n - fragen“ aufzustellen, die zeigten, auf wievielen Gebieten von blindem Mißwollen diktierte Maßnahmen und Ungerechtigkeiten gegen die Juden Österreichs erfolgen. Am 6. Juni richteten Reizes und der italienische Abgeordnete Dr. B u g a 11 o Anfragen an den Präsidenten wegen Remedur ' in allen Flüchtlingsangelegenheiten, welche zu der Einführung eines Flüchtlingsausschusses führten. Es sei vorweggenommen, daß dieser die Aufhebung des Flüchtlingslagers in Deutsch-Brod, in dem die unglaublichsten sanitären Verhältnisse herrschten (von allem anderen zu schweigen), herbeiführte. Reizes und Genossen mußten wegen des drakonischen Verbotes der jüdischen Sprache im zensurierten Briefverkehr interpellieren, das, wie es in dem Dokument heißt, „sowohl vom humanen wie auch vom staatlichen Standpunkt verwerflich ist. Es sei denn, daß man es für zweckentsprechend und vernünftig findet, hunderttausende von Menschen zu kränken und überflüssigerweise zu drangsalieren.“ Ferner interpellierte Dr. Straucher wegen der Sperre der Advokatur in Wien für Advokaten aus Galizien und Bukowina, die sich hauptsächlich gegen Flüchtlinge wandte.1) Aber auch eines anderen von gegnerischer Seite gestellten Antrages sei gedacht: Dr. Banas, ein 0 Inzwischen wurde dieser Verordnung vom Justizausschuß die Genehmigung versagt.

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