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Das jüdische Echo · 1917-08-03 · 31 (3.8.1917) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
31 (3.8.1917)
Date
1917-08-03
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Es niitzt nichts. Man muß von Zeit zu Zeit seine sauberen Hände damit beschmutzen, daß man in die antisemitische Presse hineingreift, um zu zeigen. daß in ihr Dinge liegen, die nur in der Hand unsauberer Buben zu Kot wurden, während sie in Wirklichkeit aus lauterem Golde bestehen. Also greifen wir mit der Feuerzange hinein und holen aus den Presseerzeugnissen der letzten Wochen den folgenden Artikel heraus, der am 20. Juli in der alldeutschen „Deutschen Zeitung“ erschien: Krieg und Friede und internationales Judentum. Wien, 17. Juli. Vielleicht kann man auch in Berlin sitzen und zu denselben Schlußfolgerungen kommen, die ich zu ziehen gedenke; aber ich glaube doch nicht, daß sich das inernationale Judentum in Berlin ebensogut studieren läßt, wie hier in Wien. Die Zahl der Assimilierten oder sich ehrlich darum Bemühenden ist dort größer: der Nationalstaat übt dort einen stärkeren Druck aus, und so mancher Jude fürchtet doch die Abrechnung, die etwa nach dem Kriege kommen könnte. In Wien liegen die Dinge ganz anders, Österreich ist ein Nationalitätenstaat: teilweise haben die Juden Anschluß an ihre Wirtsvölker gesucht und gefunden. In den Sudetenländern hat sich ein Teil1 auf deutsche, ein andrer auf tschechische Seite geschlagen, und der scharfe nationale Kampf fordert auch da von ihnen ein klares Bekenntnis. In Wien weht der nationale Wind nicht so scharf. Ein Teil der Wiener Juden — er hat während des Krieges erheblichen Zuwachs erhalten — steht noch mit einem Fuß im galizischen Ghetto. In dem Völkergemisch der Donaumonarchie fühlt sich das Judentum auch dort, wo es aus Zweckmäßigkeitsgründen diesseits der Leitha die deutsche, jenseits die madjarische Umgangssprache angenommen hat, als völkische Besonderheit, im übrigen aber als Macht im Staate, man kann wohl sagen als Großmacht. Es beherrscht die Großbanken und durch sie das Wirtschaftsleben, fast die gesamte Wiener und einen guten Teil1 der Provinzpresse. Es braucht seine Bestrebungen nicht sonderlich zu verhüllen, seine Äußerungen nicht forgfältig abzuwägen, und dadurch wird die Beurteilung seiner Stellung zum Kriege und zum erstrebten Frieden wesentlich erleichtert. Vor dem Kriege hat die österreichisch-ungarische Großfinanz, die man mit der jüdischen fast gleichsetzen kann, vor allem die Beziehungen mit Frankreich und England zu pflegen gesucht. Das deutsche Kapital! suchte im eigenen Lande Beschäftigung, Frankreich war das gelobte Land des billigen Geldes. Und als die Franzosen Österreich gegenüber den Daumen auf dem Beutel hielten, solange dieses auf sein Bündnis mit dem Deutschen Reiche nicht verzichten wolle, war französisches Geld höchstens für tschechische Banken zu haben. Die Wiener Bankjuden klagten Stein und Bein, welche Opfer das deutsch-österreichische Bündnis von ihnen fordere; die ihnen gefügige Presse konnte sich in Umschmeichelung Englands und Frankreichs nicht genug tun und erwarb sich dadurch auch die Gunst jener altösterreichischen Kreise, die immer von der Angst geplagt waren, die Monarchie könnte in zu große Abhängigkeit vom Deutschen Reich geraten. Ich erinnere an das bekannte Interview der „Neuen Freien Presse“ mit dem englischen Botschafter Cartwright. Blätter, die ihren Leserkreis hauptsächlich im deutschen Bürgertum suchen, mußten natürlich vorsichtiger sein; aber seit Jahren leitet das „Neue Wiener Tagbatt“, die größte Inseratenplantage Wiens, Herr Wilhelm Singer, der bekannte Präsident der internationalen Pressekongresse. Viele Jahre hatte Singer als Berichterstatter der „Neuen Freien Presse“ in Paris verbracht lind sich dort der französischen Freimaurerei enge angeschlossen. Der leitende Redakteur des auswärtig-offiziösen „Fremdenblattes“, Szeps, steht in verwandtschaftlichen Beziehungen zur Familie Clemenceau. Sein Vater war seinerzeit Chef-Redakteur des „Neuen Wiener Tagblatts“. Auch heute noch ist ein Artikel der „Nordd. Allg.“ vom 25. September 1886 sehr lesenswert, den Bismarck selbst diktiert hat. und in dem die Haltung der „Neuen Freien Presse“ und des „Neuen Wiener Tagblatts“ glänzend charakterisiert werden, worin auch auf die Beziehungen der Familien Szeps und Clemenceau hingewiesen wird. (Nachzulesen in den von Erich Mareks 1915 herausgegebenen „Erinnerungen an Bismarck“.) Mit dem Ausbruch des Krieges mußte sich natürlich auch diese Presse in den Dienst der österreichischen Politik stellen. Die Beeinflussung durch den Ballplatz und die Heeresleitung überwog. Heute aber sucht sie zu beeinflussen, und hat dabei offenkundig Erfolg. Zu untersuchen inwieweit das internationale Judentum den Weltkrieg mitverschuldet hat, würde zu weit führen. Mit dem Zusammenbruch der Zarenherrschaft hat es sein Kriegsziel jedenfalls im Wesentlichen erreicht. Der Druck ist von den russischen Juden genommen, und das Gleiche dürfte auch für Rumänien gelten. Eine längere Dauer des Krieges bedroht die von der jüdischen Hochfinanz gemachten Kriegsgewinne, auf die die Staaten bei län-

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