Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 28 (13.7.1917)
- Date
- 1917-07-13
- Page
- Seite 315 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Gegenüber dem Schlagwort von der ausschließlichen Handelseignung der Ostjuden ist es keine gleichgültige Tatsache, wenn z. B. durch einen offiziellen Bericht des russischen Ackerbau-Departements 1893 festgestellt wurde, daß in Litauen und Weißrußland der Kleingemüsebau sich hauptsächlich in Händen der Juden befindet. Ein besonders geeignetes Beispiel bietet die jüdische Konfektionsindustrie von Brzeziny, jener kleinen Stadt von etwa 18 000 Einwohnern, darunter 13 000 Juden, abseits der Bahn, 15 Kilometer von Lodz, die seit dem Durchbruch Scheffer-Litzmann im November 1914 rühmlichst bekannt ist. Eine spezifisch jüdische Industrie ist dieses Verlagsgewerbe, und zwar nicht allein ihrem Ursprung nach, weil es nur von Juden organisiert wurde, sondern in allen Teilen, denn alle Glieder dieses Verlagsorganismus: Unternehmer (Verleger), Faktore, Zwischenmeister und Arbeiter sind Juden, selbst die Hilfsgewerbe wie die Spedition mit allen Arbeitskräften und selbstverständlich die Finanzierung ist in Händen der Juden. Die ganze Konfektionsindustrie von Brzeziny ist knapp drei Jahrzehnte alt. Sie ist mehr als amerikanisch rasch gewachsen. Der Platz stand 1914 in regster Beziehung einerseits mit den wichtigsten Wollstoff herstellenden polnischen Plätzen, insbesondere natürlich Lodz, Tomaschow, aber sehr erheblich auch mit Bialystok. Die Unternehmer von Brzeziny standen aber andererseits als Verkäufer auch in Fühlung mit den entferntesten östlichen Grenzstädten des Reiches. Sie lieferten nicht nur in die genannten Gouvernements von Europäisch-Rußland, sondern ebenso nach Tomsk, Barnaul, Taschkent, Charbin, Wladiwostok usw. Das wichtigste ist, daß die mindestens 5000 Menschen zählende jüdische Arbeiterschaft in ungeheuer intensiver Weise gearbeitet hat, und sie hat außerordentlich billig gearbeitet. Die gesamte Ausarbeitung an einem Mantel z. B. wurde mit 1.50 Rubel bezahlt. Es gab Massenaufträge, wobei für das Ausnähen einer Hose 10 Kopeken gezahlt wurden, da haben allerdings etwa fünf Leute die verschiedenen Nähte an der Hose gearbeitet, haben es aber zu einer Leistung von 150 Hosen an einem Tage gebracht, freilich bei einer Arbeitszeit von 6 Uhr morgens bis 12 Uhr nachts. Abgesehen vom Schabbes wurde durchschnittlich 15—18 Stunden täglich gearbeitet. Bei dieser Arbeitszeit wurde aber auch allerdings trotz der niedrigen Lohnsätze viel verdient. Jüdische Schneidergesellen strömten geradezu nach Brzeziny, und es dürften wohl über 2000 solcher Gesellen vor Kriegsausbruch in der Stadt beschäftigt gewesen sein, während der Rest der Arbeiter, weibliche Hilfskräfte, größtenteils Familinangehörige der Meister gewesen sind. Es steht fest, daß Brzeziny für jüdische Schneidergesellen aus ganz Polen eine Anziehungskraft gebildet hat. Man wußte, es gilt fest zu arbeiten, aber man wußte auch, daß es viel zu verdienen gibt, und daß es am Schabbes ein frohes reiches Genießen zu geben pflegte. (Professor von Zwiednick in der München- Augsburger Abendzeitung.) ■ tbtät München jtkt i! Israel. Töchterpenslonat! I Frau Apotheker Rothschild Ww. I Telephon 40757 >•• GEMÄLDE epstep nfteistep GALERIE .LUITPOLD <772unch<57ZL, Familien- Hnzeigen besonders Verlobungsu. Venmählungs' Hnzeigen, Festschriften in feiner Busführung, billig Buchdruckerei ß. Hellen München Herzog-Maxsir. 4 ALBERT LUDW. 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