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Das jüdische Echo · 1917-07-13 · 28 (13.7.1917) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
28 (13.7.1917)
Date
1917-07-13
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstaiten oder den Verlag — Bezugspreis: Viertel). M. 1.—, Halb). M. 2.—, Ganzj. M.4.—, Einzelnummer 10 Pf. —V erlag des „Jüdischen Echo“: München, Herzog Maxstr.4. — Redaktion: Helene Hanna Cohn, München, :\ »zeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 10 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— " ' T. . Anzeigenannahme: , Verlag des „Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 28 München / 4. Jahrgang 13. Juli 1917 Bayerische Blütenlese. Der jüdische Leutnant. Ich fahre Sonntag, den 8. Juli auf dem Ammersee. In die Kajüte tritt ein junger Leutnant mit ausgesprochen jüdischem Typus, der das Eiserne Kreuz und den Bayer. Verdienstorden trägt. Ein junges Mädchen neben mir sagt zu seinem Begleiter: „Schauen Sie, Herr Oberleutnant, den Jud’ da drüben.“ „Wo?“ „Da an der Kajütentiir. Ist der nicht Offizier?“ Der Oberleutnant hinübersehend: „Ja gewiß, Leutnant. Ein Skandal ist es,“ (sehr laut) „ein wahrer Skandal!“ Das junge Mädchen: „In Ihrem wiirttembergischen Regiment läßt man wohl keinen Juden Offizier werden?“ Der Oberleutnant: „Nein, Gott bewahre, nicht einen einzigen. Möchte ich mir auch verbieten.“ Ich denke mir: Wenn aber dieser selbe junge Jude, der sich durch seine Leistungen den Leutnantsrang, das Eiserne Kreuz und den Verdienstorden erwarb, in Zivil eingetreten wäre, so hätte dieser Herr Oberleutnant sicherlich auf die „jüdischen Drückeberger“ geschimpft. Unglückselige jüdische Soldaten, die nach fast dreijähriger Kriegszeit diesen oder einen ähnlich gesinnten Herrn zum Vorgesetzten haben! Sich totschießen lassen? O ja! Aber befördert werden? „Ein Skandal!1“ Neuorientierung! Ein 53jähriger, bestbeleumundeter Handlungsgehilfe, der infolge eines körperlichen Gebrechens (Leistenbruch) nur noch zu leichterer Arbeit fähig ist, versuchte beim Stadtrentamt München III als Schreiber anzukommen und wurde zu diesem Behufe dem Amtsvorstande, Herrn Regierungsrat von Gimmi, vorgestellt. Letzterer erklärte aber dem Sekretär, die Konfession des Gesuchstellers —• dieser ist Jude — errege Anstand bei der Regierung.“ (Münch. Post vom 6. Juli.) Wenn der Vorstand des Stadtrentamts München III, Herr Regierungsrat von Gimmi, auf diesem Standpunkt steht, sollte er sich auch weigern, Steuern von Leuten, „deren Konfession bei der Regierung Anstand erregt“ entgegenzunehmen; Herr Regierungsrat v. Gimmi sollte sich aber auch dagegen verwahren, einen Gehalt anzunehmen, denn seinen Gehalt bekommt er ja auch mit aus den nicht unerheblichen Steuern von Leuten, deren „Konfession bei der Regierung Anstand erregt.“ Wir stellen an die Regierung bezw. den Herrn Finanzminister v. Breunig die offizielle Anfrage: wie stellt sich die Regierung zu den Äußerungen des Herrn Regierungsrats y. Gimmi? Ist die Re- Gedenket des Hilfswerks für Palästina! Spenden empfängt das Bankhaus J. L. Feuchtw a n g e r (Postscheckkonto 552). W W W W W>AC W W W gierung bezw. der Herr Finanzminister etwa auch der Ansicht, daß die jüdischen Staatsbürger zwar gut genug sind, sich beim Steuerzahlen mit nicht unerheblichen Beträgen zu beteiligen, daß aber ein Jude, der sich um eine wahrhaft nicht fürstlich bezahlte Schreiberstelle bei dem die Steuern auch der jüdischen Staatsbürger entgegennehmenden Stadtrentamt bewirbt, an dieser Stelle „durch seine Konfession Anstand erregt? An der Würzburger Universität. Der Geh. Rat Prof. Dr. Ernst Mayer liest deutsches Recht und sagt gelegentlich der Erörterung der rechtlichen Lage der Juden im Mittelalter: „Die Juden, welche auch jetzt im Begriffe waren, uns die Kehle zuzuschnüren“. Man wandte sich persönlich an den Rektor der Universität, Prof. Dr. Schmidt, durch den dem Beschwerdeführer folgendes eröffnet wurde: „Das Rektorat als solches hat mit der Angelegenheit amtlich nichts zu tun. Zur Vermeidung eines Skandals hat der Rektor lediglich versucht, die Sache in Güte zu ordnen. Prof. Mayer sieht sich zu einer Erklärung dem Beschwerdeführer gegenüber nicht veranlaßt. Er hat nur an den Rektor einen Brief gerichtet und ihn ermächtigt, dem Beschwerdeführer dessen Inhalt bekanntzugeben. Danach bestreitet Prof. Mayer die Äußerung nicht, erklärt jedoch, dieselbe sei in einem Zusammenhang gefallen, der jede beleidigende Absicht ausschließe. Er habe nämlich den Standpunkt vertreten, daß die Juden von jeher durch das ganze Mittelalter hindurch in schroffstem Gegensatz zum Germanentum gestanden hätten, was sich bis zum heutigen Tage erhalten habe. Beweis dafür sei der Abfall Italiens, das Eingreifen Amerikas gegen Deutschland; beides sei auf jüdischen Einfluß zurückzuführen. Es müsse jedoch zugegeben werden, daß die übergroße Mehrzahl der deutschen Juden sich Mühe gibt, diesen allgemeinen Zug ihrer Rasse zu überwinden und redlich für das deutsche Volk, das sie aufgenommen hat, einzustehen.“ Haben die jüdischen Studenten Würzburgs sich mit dieser „Entschuldigung“ zufrieden gegeben?;?n

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