Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 27 (6.7.1917)
- Date
- 1917-07-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9102967-9138188--01543-9074367- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Ängelegenheiten fErscheinungszeit: Jeden Freitag. (Bezug: Durch die Postanstalten oder {den Verlag — Bezugspreis: ' Viertelj. M. 1.—,Halbj. M. 2.—, Ganzj. M.4.—, Einzelnummer 10 Pf.—V erlag des „Jüdischen Echo“: München, Herzog Maxstr 4. — Redaktion: Helene Hanna Cohn, München, Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 40 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— “ " ’ T «,* ' - Anzeigenannahme: Verlag des „Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 27 München / 4. Jahrgang 6. Juli 1917 Das Programm. Von Felix A. Theilhaber, z. Z. im Felde. In der jüdischen Presse wird neuerdings viel über eine Zusammenarbeit der Juden geschrieben. Die folgenden kurzen Ausführungen zeigen wie und was geschehen muß. Die Organisation der amerikanischen Judenheit dürfte uns deutschen Juden zeigen, daß auch wir nicht untätig sein können. Die nächsten Monate schon können Ereignisse bringen, welche das Geschick der Ostjuden auf Jahrzehnte hinaus festigen. Es ist daher an der Zeit unsere Forderungen zu stellen. Wir verlangen: 1. Die volle kulturelle und nationale Freiheit unserer Brüder im Osten. Zur Sicherstellung ihrer wirtschaftlichen Existenz, ihres religiösen Kultes (Sabbathruhe usw.) und zum Schutz gegen jede politische Entrechtung und Knechtung sind starke politische Bürgschaften vorzusehen. Nur ein Kurzsichtiger kann die Bedeutung dieser Punkte leugnen. Nach all den hundertfachen Erfahrungen selbst der letzten Tage kann man doch keine so große Gemeinschaft wie die der Juden, irgend einem entstehenden Staatswesen ohne weiteres überantworten, ohne ihnen Möglichkeiten eigener Organisationen, politischen Einflusses, kurz ohne ihnen feste materielle Garantien zu geben. Aber schon werden die Juden in Polen, Galizien, Litauen und Kurland in einer Weise übersehen, die einen mit banger Sorge für die Zukunft erfüllen muß. 2. Die Judenheit der Welt trägt Sorge, daß di’ entwurzelten Teile der Judenheit, die durch den Krieg heimatlos geworden sind und nach Palästina übersiedeln wollen, dort Existenzmöglichkeiten finden. Von dieser Emigration bleibt die Stellungnahme der einzelnen Juden, die sich mit ihrem Heimatlande fest verbunden fühlen, unberührt. Es handelt sich vielmehr um eine Hilfsaktion, die nur dadurch gelöst werden kann, daß sich die Gesamt-Judenheit daran beteiligt. Es gilt auch die zionistischen Doktrinäre davon zu überzeugen, daß man nur durch eine großzügige Organisation Bleibendes und Großes schaffen kann. Die deutsche Judenheit, die politisch im Lande „liberal“ gerichtet ist, wird nicht leugnen können, daß nicht nur Kirgisen oder Kalmüken politische und nationale Rechte fordern dürfen, sondern auch die z. B. im russisch-polnisch-litauisch-jüdischen Milieu lebenden jüdischen Bewohner, deren Eigenart von niemand geleugnet werden kann, und deren zwangsweise Entnationalisierung dieselbe prinzipielle Ungerechtigkeit ist, wie etwa die Entnationalisierung aller Deutschen (die allerdings circa 20 mal soviel Individuen aufweisen) wäre. Ferner wird man das religiöse und nationale Streben verfolgter Juden, die Palästina aufsuchen wollen, nicht durch Polizeimaßregeln unterbinden dürfen. Es liegt wohl kein Grund vor zu wünschen. daß sich der evakuierte Jude der Bukowina nicht in seiner Wüste, oder bei seinen „lieben“ Glaubensbrüdern in Berlin oder München ansiedeln soll. Dies muß unser Programm für die großzügige auswärtige jüdische Arbeit sein. Wenn sich keine nennenswerten OrganiisatÜonen Deutschlands zu diesen Grundsätzen bekennen, so würden die national orientierten Vereine sich mit denen Österreichs, Ungarns, der Türkei und Bulgariens und anderer Ländler zur Erkämpfung dieses Zieles verbinden. Damit auch unser Recht und das Leben unserer Brüder nicht vergessen wird. Professor Israel über die Lage in Palästina. Der bekannte Berliner Chirurg Prof. Israel äußerte sich zu einem Vertreter des „Berl. Tageblattes“ über die Lage in Palästina: „Sofort nach dem Eintreffen der ersten beunruhigenden Gerüchte habe ich mich, gemeinsam mit meinen Kollegen von der Leitung der „Deutsch- Israelitisch - Osmanischen Union“, mit allen zuständigen Stellen in Verbindung gesetzt und von unseren Vertrauensmännern in Konstantinopel und Palästina Nachrichten erbeten. Wenn ich unsere Informationen mit allen anderen inzwischen eingelaufenen, zum Teil nicht veröffentlichten, jedoch mir mitgeteilten Berichten vergleiche, so muß ich mir selbst bei der günstigsten Einschätzung des Verlaufes der Vorkommnisse sagen, daß die Bevölkerung von ganz Gaza und des Bezirks Jaffa, in erster Linie aber die dortige Judenschaft, recht Schweres durchzumachen hatte. Daran kann leider nicht gezweifelt werden und deshalb tut rascheste und ausgiebigste Hilfe aller Menschenfreunde Not. Gaza ist heute ein Trümmerhaufen. In Ramleh sind Dutzende von Menschen durch Fliegerbomben getötet worden. Jaffa wurde wiederholt mit Bomben belegt, und es lag die dringende Gefahr vor, daß es als feindlicher Ausschiffungsplatz benutzt