Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 26 (29.6.1917)
- Date
- 1917-06-29
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9102967-9138187--01534-9074358- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Bayerische Blätter für die jüdischen Ängelegenheiten Erscheinungszei t: Joden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag — Bezugspreis: Viertelj. M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Ganzj. M.4.—,Einzelnummer 10 Pf. —Verlag des „Jüdischen Echo“ : München, Herzog Maxstr 4 — Redaktion: Helene Hanna Cohn, München, rnmmm Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 40 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— - '•; ~'_- Hnzeigenannahme: Verlag des „Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 26 München / 4. Jahrgang 29. Juni 1917 SB Die Lage in Palästina. Obwohl es sich immer deutlicher herausstellt, daß bei der Evakuierung; von Jaffa keinerlei Grausamkeiten vorgekommen sind, geht aus allen Berichten deutlich hervor, daß die Lage in Palästina sehr traurig ist. Die „Jüdische Rundschau“ erhielt folgenden Bericht über die um die Mitte des Monats Mai herrschenden Verhältnisse: Jaffa ist von der jüdischen und christlichen Bevölkerung leer. Außer den Beamten war eine Anzahl mohammedanischer Familien geblieben, einige kehrten aus den benachbarten Pflanzungsbojaren zurück. Das jüdische Stadtviertel Tel Awiw wurde von ca. 20 jungen Juden gut bewacht. Die Wache war gut organisiert. Die jungen Leute fegten die Straßen, bewässerten die Gärten und unterhielten eine gemeinschaftliche Küche. Verschiedene industrielle Betriebe, wie die mechanischen Werkstätten, die Druckerei Itin, die Betriebe von Guralski- Stein, Neumann, Gußmann waren in Jaffa verblieben. Zwischen der Kolonie Petach Tikwah und Jaffa bestand ein ziemlich reger Verkehr. Häuser, Gärten und Mobiliarbesitz in Tel Awiw waren unversehrt. In Petach Tikwah sind die Einwohner selbst, auch die Yemiten am Platze geblieben. Von den Jaffaer Flüchtlingen, die nach Petach Tikwah gekommen waren, waren nur einige Hundert der bemittelteren Leute geblieben, dagegen die große Masse der ärmeren Zuwanderer abgeschoben worden. Die gleiche Maßnahme traf einige hundert Personen, die schon früher im Laufe der .Kriegszeit nach Rischon - le - Zion zugezogen waren. Aus der Kolonie Rechoboth und den anderen Kolonien war fast niemand fortgegangen, auch die Yemeniten nicht. In Kfar Saba hatten sich, wie schon aus den telegraphischen Berichten bekannt ist, gegen 1000 Flüchtlinge angesiedelt. Für 300 Schulkinder ist eine geregelter Unterricht in 8 Klassen von den freien Lehrern eingerichtet worden. Was die Wohnungsfrage anlangt, waren von den dort befindlichen Handwerkern aus Eukalyptuszweigen Hütten angelegt worden. Die Frage der Versorgung mit Wasser war auch einigermaßen gelöst worden. Sehr schwer war die Lage der großen Masse der Flüchtlinge, die in Untergaliläa noch keinen festen Platz gefunden hatten. Zunächst hatten sich die meisten in der kleinen jüdischen Kolonie Kinereth niedergelassen, ander in Dagania, Jemma. Migdal und in Tiberias. Von den Bemittelteren war eine geringe Zahl nach Obergaliläa in die jüdischen Siedlungen Safed und Rosch-Pinah übergegangen. Die Sammlungen in allen Teilen Deutschlands werden kräftig gefördert. * * * Durch Vermittlung des Herrn Rabbiners Prof. Dr. Werner, München, wurden der Deutsch- Holländischen Palästina-Vereinigung aus Sammlungen in Bayern über 22 000 Mark überwiesen. Gegenüber der ungeheueren Not im Lande sind jedoch die bisher eingegangenen Summen noch keineswegs ausreichend, und weitere Hilfe tut dringend not. Kämpfe In der englischen Judenheit. In England ist ein heißer Kampf der Meinungen entbrannt. Am 24. Mai veröffentlichte das Vereinigte Komitee des Board of Deputies of British Jews und der Anglo-Jewish Association in der „Times“ einen Brief, in dem es sich zwar für ein jüdisches Kulturzentrum in Palästina aussprach, jedoch mit scharfen Worten die Gewährung von politischen Sonderrechten an die palästinensische Judenheit bekämpfte. Dieses Schreiben rief einen ungeheuren Protest in weiten Kreisen der Bevölkerung hervor. Vor allem wurde dem Komitee, das sich hauptsächlich aus Persönlichkeiten mit großen Namen, die dem Judentum längst entfremdet sind, zusammensetzt, das Recht bestritten, im Namen der Judenheit aufzutreten und Forderungen zu stellen oder abzulehnen. Wie wir bereits berichteten, wandten sich u. a. Lord Rothschild und der Oberrabbiner Dr. Hertz energisch gegen das Manifest und dessen Berechtigung, und bei einer Volksversammlung in Glasgow bezeichnete das Parlamentsmitglied Jos. King die Haltung des Komitees als volksfeindlich.