Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 24 (15.6.1917)
- Date
- 1917-06-15
- Page
- Seite 274 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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274 Das Jüdische Echo Nr. 24 durch die Reime: sol sein bereit zu ale zeit. Mit der ersten Formel: gar vil guter seliger gebenschter jar usw. verbunden: un vil guter zeit, as sand in mer leit. Seltener sind die Anfänge: un’ gesund; un’ gesunder jar; vil zu aler zeit un’ stund; vil guter zeit un’ weil. Auf diese Wünsche folgt die Bezeichnung des Adressaten: zu hant meiner lieben mum, meiner herzigen liben Schwester und dergl. die frum un’ die klug, dann der Name, hierauf bei Männern die hebräische abgekürzte Titulatur, nach Aufzählung der Adressaten und ihrer Kinder noch: un’ zu als was enk lib es. Hierauf folgt die Formel: erstlich seid wisen mein (unser aler) gesunt, des gleichen sol ich heren von enk zu aler zeit un’ stunt, ein so oder vil beser oder vil men solstu sein zu aler stund, vil mer (als) etz begert un’ reden mecht mit enkerm mund. Die Männerbriefe beginnen mit שלום. Der später häufig gewordene und heute allgemein übliche Eingang: ב״ה, Gelobt sei Gott! kommt nur einmal vor. Einem anderen Typus gehören die gereimten Anfänge an, die sich auf die Zeit des Schreibens beziehen und damit die Kürze entschuldigen. Hierauf wird über das eigene Wohlbefinden berichtet und dem Empfänger das gleiche gewünscht, meist in Reimen. Der sachliche Inhalt des Briefes wird mit ״vor allem“ oder ״von ersten, sei wisen“ eingeleitet, und jede neue Mitteilung meist mit שוב oder mein sei wisen das, oder belangt das. Den Beschluß bildet: ich weis dir weiter oder auf der zeit niks men zu schreiben, ich weis nit me zu schreiben. Die zur Unterschrift überleitenden Schlußformein sind ziemlich mannigfaltig, darunter eine gereimte: damit behit enk got frie un’ spot vor aler nod, das bit un’ begert (die enk hot lib un’ wert) enker Schwester. Am häufigsten ähnlich der Eingangsformel: vil guts oder vil (hundert oder tausend) gesunte oder guter (gebenschter) freidiger jar von mir oder von dein weib. Die Unterschrift ist immer hebräisch. Frauen bezeichnen sich dabei nicht als Frau des N. N., also auch nicht mit dem Familiennamen des Mannes, sondern als Tochter des N. N. mit Beifügung aller ihrem Vater gebührenden Titulaturen. Auf die Unterschrift folgt noch: die ale zeit an eich gedenkt zu guten, oder: die gern heret dein wolgang. Ganz zuletzt folgen die Grüße: gris al unsere libe heipt; ale die nach mir fregen; ales was (oder wer) enk lib is, un’ nach mir frekt; ale die dir guts genen. Die hebräischen Briefe endigen, so wie sie fast immer mit ״Frieden“ beginnen (Buxt. 16 ff.), auch vielfach mit diesem Ausdruck in verschiedenen Kombinationen. Die Adresse wird auf die letzte leere Seite des Bogens geschrieben, meist, um das Schriftbild gefälliger zu gestalten, in symmetrischer Anordnung, und zwar so, daß die die erste und letzte Zeile einnehmenden (immer hebräischen) Angaben des Bestimmungs- und Schreibortes möglichst weit auseinander gerückt werden. In die Mitte zwischen die beiden ersten Worte kommt gewöhnlich der Anfang des Adressentextes. Im übrigen wiederholt die Adresse ganz den Eingang des Briefes mit allen Verwandtschaftsbezeichnungen und Titulaturen des Adressaten. Mancher läßt sich auch hier die Gelegenheit nicht entgehen, schwülstige Phrasen anzubringen: die Briefe sollen einen hohen Berg (den Adressaten) ersteigen, der mit heiligem Salböl gesalbt ist, und dessen Lippen wie eine rosenfarbene Schnur sind. Bei der Kleinheit der Gemeinden, wo derjenige, der die Briefe den Adressaten zuzustellen hatte alle persönlich kannte, war die Angabe der Wohnung überflüssig. Fortsetzung folgt. Ein jüdischer Kinderbrief aus dem Jahre 1619. Jesaia, Sohn des Israel Hamerschlag. an seinen Bruder Ahron und dessen Frau Frumet. Gelobt sei Gott! (An den,) an dessen Seele meine Seele geknüpft ist, eine Krone Gottes auf sein Haupt, prächtig und schön sein Gewand, in Ewigkeit erlösche nicht sein Feuer und gehe seine Sonne nicht unter, mein geliebter Bruder, mein Freund, mein Liebling, die Krone meines Hauptes, würdig und herrlich in jeder Art von Herrlichkeit und Gestalt, gottesfüchtig, weise und verständig, KhFr Ahron b. F. E. und an deine Frau, die züchtige und würdige gleich unserer Mutter Sara, ein Biederweib wie Esther und Abigail, Frau Frumet s. 1. Vor allen Dingen meine Gesundheit, möge sie euch rüemals mangeln. Ferner, geliebter Bruder, sol ich heren von enk zu aler zeit un’ stund. Ferner liber bruder, sol ich enk schreiben von mein Studium, is G. 1. in gutem Gange. Ferner, liber bruder, sol ich enk vil Neuigkeiten schreiben, ich weis auf der zeit nischt zu schreiben. Weiter, liber bruder, sol ich dir schreiben von allen Dingen: der tet hat dir es geschriben. weiter, liber bruder, sei wisen, das mir haben dein briw empfangen, un’ habn sich gefreut, das ezt al gesunt seit. Und damit empfange Segen und Frieden vom Herrn der Welt. Von mir, deinem jüngeren Bruder Jesaia, Sohn des Chanoch 1. z. 1. J. Hamerschlag. die bab Hendel last dich grisen. (Adresse:) N. d. h. G. Win. Zu Händen meines geliebten Bruders, meines Freundes, meines Lieblings, der Krone meines Hauptes, des teuren und ausgezeichneten in Vorzügen jeder Art, Khrr Ahron b. F. E. Sohn m. H. V. Chanoch Hamerschlak. es verdroß die Schlange sehr. (Man sieht wie der Knabe fast nur auswendig gelernte feststehende Formeln benutzt, die er mit eignen Gedanken nicht zu erfüllen vermag.) ALBERT LUDW. DAISER Atelier für Gravierkunst und Heraldik Alleiniger Edelstein ־ Graveur ln Bayern Spezial * Lager ln Petschaften aua Silber, Elfenbein, Bronze, echt Stein usw. 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