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Das jüdische Echo · 1917-05-11 · 19 (11.5.1917) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
19 (11.5.1917)
Date
1917-05-11
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Nr. 18 'assiven. 2 3 6 Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag — Bezugspreis: Viertelj. M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Ganzj. M.4.—, Einzelnummer 10 PI.—Y erlag des „Jüdischen Echo“: München, Herzog Maxstr 4 — Redaktion: Helene Hanna Cohn, München, Anzeigen: Die yiergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 40 PI. — Bei Wiederholungen Rabatt.— “ '• T Anzeigenannahme: Verlag des „Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 19 München / 4. Jahrgang 11. Mai 1917 7 6 3,503,385,409 50 7 9 69,546,28536 3 3 23,855,006 83 ' 49,951,77970 4,076,738,48139 inahmen. 11,566,057 93 87,558,744 69 Ein „brauchbarer“ Mittler. Von S. Hirschhorn. Der Leiter des „Hilfsvereins“ Dr. Paul Nathan ergreift bereits zum zweitenmal das Wort über die polnisch-jüdischen Beziehungen. Zum erstenmal tat er es in den Spalten des „Berliner Tageblattes“ im Januar 1916, zum zweitenmal in demselben Blatte am 5. April 1917. Dr. Nathan gehört nicht zu denjenigen, die die polnisch-jüdische Frage nicht kennen. Er war einigemal in den beiden Okkupationsgebieten Kongreßpolens, hat die Verhältnisse direkt beobachtet und mit den Vertretern sämtlicher Richtungen Rücksprache genommen: den polnischen und den jüdischen. Er weiß gut, daß die „osteuropäische Judenfrage einen wesentlich anderen Charakter hat als der Gegensatz zwischen Juden und Nichtjuden in westeuropäischen Ländern“, was seiner Ansicht nach, „die Quantität und unter Umständen die Qualität beeinflußt“. Er weiß auch, daß die Ostjuden nationale Rechte beansruchen dürfen, und daß die nationalen Rechte eine Gewährleistung für die bürgerlichen darstellen. „Zu einer Zeit, da man die Gegensätze unter der Bevölkerung nicht mehr in erster Reihe unter dem religiösen, sondern unter dem nationalen Gesichtspunkt ... betrachtet“ — schreibt Dr. Nathan — „war es naheliegend, die jüdische Minorität, und daneben auch die kleine deutsche, meist protestantische Minorität durch die Einrichtung völkischer Kurien zu schützen.“ Schließlich weiß er auch von dem in Polen wütenden Antisemitismus, den er vorigesmal in vielen — wenn auch bei weitem nicht in allen — Einzelheiten geschildert hat. Er weiß auch, daß dieser Antisemitismus auch heutzutage gar nicht abgeschwächt ist. Jetzt aber berichtet er darüber schon in ganz anderen Tönen, den er will „Fortschritte in Polen“ nachweisen und schildert deshalb den Antisemitismus als etwas Nebensächliches und bereits der Vergangenheit Angehörendes, indem er sagt: „freilich der Dmowskische (?) Antisemitismus wucherte zunächst noch fort, und er bedeutete als staatszersetzende Kraft recht Erhebliches,“ denn 15 Prozent der Bevölkerung in Polen sind Juden und in einzelnen Städten gibt es bis 80 und selbst über 90 Prozent Juden. Diese Bezeichnung „Dmowsischer“ Antisemitismus will, im ganzen Zusammenhang des Artikels, den Anschein schaffen, als gäbe es hier in Bezug auf die Judenfrage zwei Richtungen: böse Passivisten und brave Aktivisten. Leider wissen die polnischen Juden von dieser schönen Legende nichts. Wir fühlen allzu oft am eigenen Körper, daß sowohl die Passivisten wie die Aktivisten in Judenfresserei überaus aktiv sind und daß sie sich zu der jüdischen Not und den jüdischen Menschenrechten völlig passiv verhalten. Wie dem auch sei, leugnet Dr. Nathan weder den polnischen Antisemitismus, noch die Notwendigkeit der nationalen Rechte für die Juden. Es sollte scheinen, er würde den logischen Schluß daraus ziehen und die Anerkennung dieser Rechte befürworten. Dr. Nathan äußert sich jedoch im entgegengesetzten Sinn. Er will aus dem künftigen Königreich Polen einen „Nationalstaat“ schaffen und die nationalen Minoritäten zu rücksichtsloser Assimilierung verurteilen, oder sie auf Gnade und Ungnade der polnischen Majorität ausliefern. In dieser Beziehung ist er noch radikaler als Freiherr v. Rechenberg (siehe „J. E.“ Nr. 16). Während letzterer nur die Juden preisgibt, verzichtet Dr. Nathan auf nationales Recht auch im Namen der Deutschen; die Ruthenen und die Litauer schweigt er aber —• wohl aus Gründen der Bequemlichkeit — gänzlich tot. Argumente aus dem Gebiete des Rechtes und der Gerechtigkeit finden wir in den Ausführungen Dr. Nathans nicht. Hingegen übernimmt er die Rolle eines „brauchbaren Mittlers“ zwischen Deutschen und Polen, die er in seinem ersten Artikel für die Juden beanspruchte. Daß seine „lieben Stammesgenossen“ als erste dieser Vermittlung zu Opfer fallen, liegt auf der Hand. Die Opferung der Juden dem polnischen Chauvinismus sei ein Postulat der „hohen Politik“. Erstens, „wenn man den Deutschen und Juden in Kongreßpolen die Autonomie gewährte, so könnten die Polen Galiziens ihren Ruthenen und ihren zahlreichen Juden die Autonomie nicht verweigern.“ Mit anderen Worten: außer den Juden und Deutschen läßt sich schon Herr Dr. Nathan auch die Polonisierung der Ruthenen in Galizien gefallen. Ob auch die Ruthenen Lust haben, vom Allpolentum verschlungen zu werden, möchte ich bezweifeln. Zweitens — und dies ist das Herrlichste — „wenn die Autonomie der Juden und der Deutschen in Kongreßpolen unter deutschen Schutz gestellt würde, wie könnte man den Polen in Posen, in Westpreußen und in Oberschlesien die Autonomie vorpnthalten.“ Ich kann auf diese Frage jetzt nicht näher eingehen. Ich gestatte mir nur eine Bemerkung. Es ist bezeichnend, daß ein Jude, und dazu noch ein „liberaler Jude“, dessen Gewissen nicht ruhen kann, wenn man den Polen die Gerechtigkeit nicht im breitesten Umfange widerfahren läßt, in Bezug auf seine „Glaubensgenossen“ Recht und Gerechtigkeit gänzlichl aufgeben will. Auch vom deutschen Standpunkte aus, ist die Stellungnahme Dr Nathans bemerkenswert. Während eine große Schar von Stammdeutschen (wie Puttkammer, Grabowsky, Gothein, Ouessel und dergl. mehr)

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