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Das jüdische Echo · 1917-05-04 · 18 (4.5.1917) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
18 (4.5.1917)
Date
1917-05-04
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Ängelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag — Bezugspreis: Viertelj. M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Ganzj. M.4.—, Einzelnummer 10 Pi.—V erlag des „Jüdischen Echo“: München, Herzog Maxstr 4 — Redaktion: Helene Hanna Cohn, München, Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 40 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Anzeigenannahme: Verlag des „Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 18 München / 4. Jahrgang 4. Mai 1917 Es kommt die Zeit . . . Von Hillel Z e i 11 i n. Mögen die Wolken den Himmel verdecken, — die Sonnenstrahlen tun das ihrige. Mögen die Stürme rasen und toben, — bald wird ein leiser warmer Windhauch kommen. Mag der Frost die Mutter Erde noch in seiner Gewalt haben, — der Frühling ist schon da. Der Frühling singt wieder sein ewiges Lied. Er singt wieder von Freude, von Leben und Schaffen. Noch fliegen schwarze Raben über den Schlachtfeldern, aber die Schwalben bringen eine andere Botschaft mit: es ist nicht mehr ferne die Zeit, wo die Friedensengel auf unsere vielgepeinigte Erde herabsteigen werden ... Lieble Schwalben! Wird eure Botschaft die schwarzen Raben verjagen können und die schwarzen Gedanken verscheuchen, die an allen Herzen und Gehirnen fressen und nagen? Kommt ihr nicht zu früh mit eurer Botschaft? Macht ihr uns nicht zu früh Hoffnung? Habt ihr denn schon wirklich den Gesang der Engel vernommen, die dereinst die arme Menschheit trösten werden, die Erde vom vergossenen Blute reinigen und ihre Tränen ab wischen? Das Herz sehnt sich aber so sehr nach etwas Licht, Freude und Frieden, daß es nichts anderes hören will als eure frohe Botschaft. Schwere Steine liegen noch auf unsern Herzen, aber eure Botschaft dringt durch sie hindurch... Trügt sie uns nicht, eure Botschaft? Nein! Sie trügt nicht! Seht nur, wie hie und da Völker zu einem neuen Leben erwachen. Seht, wie die Sonne der Freiheit und Gerechtigkeit sogar auf ein Volk strahlt, das zu ewiger Sklaverei und ewigen Martern verurteilt zu sein schien. Soll denn dieses Erwachen nur einen Abschnitt des Krieges und neues Blutvergießen bedeuten? Hat denn dieses Volk seine Ketten zerrissen, nur um neue, schwerere auf sich zu nehmen? Hat es seine Opfer nur dem Kriegsgotte dargebracht? Warte auf den Frieden, auch wenn er noch säumen wird. Warte auf die Verbrüderung, auch wenn dir das Warten schwer fällt. Warte auf all das Schöne, Gute und W;ahi;e, das kommen muß und kommen wird, auch wenn dir noch manche neue, schwere Prüfung bevorsteht. Die Stunde der Erlösung für Völker und Länder hat geschlagen. Die Zeit schreitet niemals zurück.. Und uns Armen und Elenden, uns Juden, die wir mehr oder mindestens ebensoviel Opfer gebracht haben, wie die andern, — wird uns denn die Sonne der Erlösung, die für alle andern Völker auf gegangen ist, gar nicht scheinen? ... Werden wir auch ferner ein Spielball in den Händen der Völker und Parteien sein und kein eigenes Leben haben? Werden wir auch weiter in unserer Armut und Pein schmachten, von den einen verfolgt und gehetzt, von den andern verlacht und verhöhnt? Werden wir auch weiterhin in den einen Ländern unserer elementarsten Menschenrechte beraubt sein, und in den andern — unserer nationalen Rechte? Werden wir denn niemals unser Haupt erheben können und niemals das sein, was wir sein müssen: ganze, freie, mutige und stolze Juden? Werden wir denn ewig die inneren Ketten tragen, die Ketten der Golusfinsternis, der Knechtschaft und der Erniedrigung vor den Machthabern und Herren? Werden wir uns denn niemals von jenen elenden Menschen befreien, die selbst nichts von ihrem Elend und ihrer Finsternis wissen, die blind sind und andere Blinde mit sich führen? Werden wir niemals jene „Itzigs“ los sein, die ihr Volk für einen Topf Linsen verkaufen, oder für ein gnädiges Lächeln, für ein gütiges Wort, für das Lob, daß sie gute und treue Knechte seien? Mit einem Wort: werden wir doch noch ein Volk werden, und zwar ein ewiges Volk, ein heiliges Volk, ein schönes und reines Volk, oder werden wir noch weiter in kleinlichem Gezänk zersplittert und zerbröckelt bleiben? ... Die Sonne scheint zum Fenster herein. Freudig küssen ihre Strahlen die Blüten. Ein kühler, erfrischender Windhauch kommt gezogen. Und aus weiter Ferne schlägt eine Stimme an mein Ohr: „Horche, schweige und leide. Warte auf bessere Zeiten...“ Deutsch von Russische Staatsbürger jüdischer Nationalität. Als die provisorische Regierung Rußlands am 3. April das Edikt erließ, durch das alle Beschränkungen, die rußländischen Bürgern auf Grund ihrer Zugehörigkeit zu einer anderen als der herrschenden, Religion, Konfession oder Nationalität auferlegt sind, zurückgenommen wurden, befreite sie sich selbst von einem Schandmal ihrer Verfassung. Und gleichzeitig leitete sie eine neue Epoche der jüdischen Geschichte ein. Es ist eine Eigentümlichkeit der Geschichte des jüdischen Volkes im Golus, daß ihm seine entscheidenden, äußerlich erkennbarsten Schicksale nicht von innen heraus kommen, sondern ihm fast regelmäßig von einem deus ex machina — häufif

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