Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 15 (13.4.1917)
- Date
- 1917-04-13
- Page
- Seite 174 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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174 Das Jüdische Echo Nr. IS vielleicht auch, weil ihn sein religiöses Gemüt dazu trieb. Lilienfeld hatte Glück in der Praxis, und sie brachte ihm im Laufe der Jahre ein großes Vermögen ein. So wurde er in der Stadt als Arzt und als vermögender Mann geschätzt. In der Kindererziehung bestanden bei Kilicki und bei Lilienfeld wesentliche Unterschiede. Kilicki hatte als Arzt der Napoleonischen Armee und dank seinem polnischen Namen eine vorwiegend christliche Praxis erworben, was auf seine ganze Lebensweise von entscheidendem Einfluß war. Lilienfeld dagegen kam als leitender Arzt an das jüdische Krankenhaus, und auch seine übrige Praxis setzte sich ausschließlich aus Juden zusammen. Mochte er zufrieden sein oder nicht, das Leben fügte es so, daß er sich von den Juden nicht absperren konnte. Jedenfalls hegte er keine Abneigung gegen seine Glaubensgenossen. Ja, er war sogar auf seine Abstammung stolz. Sein religiöses Gemüt trieb ihn öfters in die Synagoge, und er summte auch gern die alten hebräischen Melodien. Kilickis Kinder entfernten sich mit der Zeit immer mehr vom Judentum. Lilienfelds Kinder hielten fest an der Religion ihrer Väter, obwohl sie in ihrem Herzen den Juden vielleicht ebenso fremd waren wie Kilickis Kinder. Beide Ärzte kannten einander seit vierzig oder fünfzig Jahren und blieben gute Freunde die ganzen Jahre hindurch. Beide Riesen an Gesundheit, waren sie nie krank, nie schwach, nie nervös gewesen. Aber sie mußten einmal den Weg alles Fleisches wandern. Eines Tages erschien Kilickis Diener bei Lilienfeld und bat ihn sofort zu seinem Herrn mitzukommen. Lilienfeld machte sich eilig auf den Weg. Er fand den Freund allein im Zimmer am Schreibtisch sitzend, Kilicki war schon seit dreißig Jahren Witwer und eine) verwitwete Tochter wohnte bei ihm. Lilienfeld trat an Kilicki heran: „Guten Tag! Wie geht es dir?“ sagte er polnisch und gab ihm die Hand. Kilicki blieb ruhig sitzen. Er sah Lilienfeld an und antwortete ihm auf jüdisch: „Laß den „Guten Tag“ und das „Wie geht es dir?“ bei Seite und setze dich ein wenig zu mir.“ Lilienfeld konnte anfangs nicht begreifen, weshalb Kilicki mit ihm auf einmal jüdisch spräche. Er setzte sich neben den Freund und sagte polnisch : „Ich bitte dich, laß mich in Ruhe, dir fehlt ja nichts!“ Kilicki sah ihn wieder an und antwortete wiederum jüdisch mit einer Aussprache, die Lilienfeld an Kilickis Großvater erinnerte: „Mordche“, (diesen Namen hatte Lilienfeld lange nicht mehr vernommen) „setz dich hierher!“ Da setzte sich Lilienfeld neben Kilicki und wollte seinen Puls fühlen. Kilicki merkte aber sofort seine Absicht und wehrte ab. „Mordche“, — sprach er weiter jüdisch — „was ta-n-t das alles. — Es geht mit mir zu Ende!“ Und es half nichts, er ließ sich von seinem Freunde nicht überreden. Er selbst war auch ein guter und erfahrener Arzt und er wußte doch Bescheid in solchen Dingen. „Mordche, gib mir deine Hand“, bat Kilicki. Da reichte ihm Lilienfeld automatisch die Hand und KÜcki sprach zu ihm mit schwacher Stimme: „Mordche! Du rührtst dich nicht von der Stelle. Du begreifst mich , . . Die Familie um mich * . ., STATTKARTEN §| SARAH WOLFF M SIGMUND SELIGSBERGER Ü Verlobte — Würzburg, Tbereslenstr. 6 Würzburg §H (Gunzenhausen) PESSACH 1917 I# Ä 0|J|S mi Ä tadellose Schneiderarbeit, IV W 9 U 111 C chicke Toiletten nach neuesten Modellen sowie Modernisierung übernimmt Werkstätte für feine Damenbekleidung H. Baumgärtner, Kaufingerstraße 25/11 (Lift). Vorsaison Preisermässigung. Rauchen Sie Zigaretten 0ifferiaiit>nen JBerf« 3eitf4riften in 6anft> u. Dlaföinen* fafe liefert raf$u. MfHg 25ud)t>rutferet S. fteffer, 2Hund)ett &nwm<xü\rA Graphologie CbaraklerMelliii au8 der Handschrift Einzusendendes Material: zwanglos geschriebenes Schriftstück, a. I. Brieffragment ca. SO Zeilen. Charakterskizze: 1 Mark Charakterbild: 2 Mark Rückporto beil. L. Reimer, Grapiiolose München, KaalbaebstraSe 22a Max Weixfstorfer Nachfolger Inh.: HANS AS KM, München, Perusastrasse 4 Gegr. 1840 Tel. 22919 M ode-Waren Spezial-Abteilung für D am e n - P ut z Wiener Modellhüte sowie eigene Modelle Der gegenwärtigen Zeit entsprechende gediegene Ausführung und bilUgePreise Spezial-Abteilung für Trauer- Hute — Besichtigung ohne Kaufzwang gerne gestattet — Motto: Preiswert 1 Stets das Neuestei F MUnehen j! Israel. Mterpensionat , I Frau Apotheker Rothschild Ww. I ^99954515051 ^47^3055303461