Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 14 (6.4.1917)
- Date
- 1917-04-06
- Page
- Seite 161 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14 Das Jüdische Echo 161 teuch sowie aus fast allen übrigen Büchern des Alten Testaments. Die Übersetzung ist mustergültig, die Auswahl außerordentlich gut. Es wäre zu wünschen, daß jeder jüdische Soldat, der nicht eine hebräische Bibel bei sich hat. wenigstens diese kleine deutsche Feldbibel bei sich trage. Luther und das Judentum. In der Berliner Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums sprach am 12. März vor einer überaus zahlreichen Zuhörerschaft Geheimer Oberkonsistorialrat Propst Dr. Kawerau über „Luthers Stellung zu Juden und Judentum“. Ausgehend von denzahlreichen über diesen Gegenstand veröffentlichten Schriften hebt er als mustergültig wegen ihrer Objektivität und vollständigen Berücksichtigung des einschlägigen Materials die 1911 erschienene Monographie von Reinhold Levin hervor. In der Sache selbst sucht Kawerau Luthers Wandlung vom Judenfreund zum Judenfeind, den die heutigen Antisemiten auf ihren Schild erheben, psychologisch zu erklären. In den Anfängen seines öffentlichen Auftretens beschäftigte er sich mit ihnen nur literarisch; persönliche Beziehungen hatte er offenbar nicht. Durch Spalatin veranlaßt, nahm er in dem bekannten Streit Reuchlins gegen die Kölner Dominikaner wider die von letzteren, besonders von Pfefferkorn, erhobene Forderung des Verbots jüdischer Schriften entschieden Stellung. Kurz vor seinem. Auftreten auf dem Reichstag zu Worms hatte er eine Disputation mit zwei dortigen jüdischen Gelehrten. Regensburger Juden wandten sich an ihn mit der Bitte um Schutz in ihrer Bedrängnis und sandten ihm in jidischer Spräche eine Übersetzung des 131. Psalms („Aus der Tiefe rufe ich zu dir“) zu. Bitten von Juden um Vermittlung von Schutzbriefen erfüllte er stets bereitwilligst. In einer Schrift gegen den Wucher erwähnte er die Juden überhaupt nicht, immer fordert er vielmehr zu humaner Behandlung der Juden auf. Woher nun der allmähliche Umschwung? Immer beseelte ihn die Hoffnung auf Bekehrung der Juden zum Christentum durch die Reformation. Als Beweis kann ein Brief an einen Konvertiten mit der Bitte um Verbreitung der Schrift, daß Jesus ein geborener Jude war, dienen. Der nach und nach sich vollziehende Umschwung in seiner Stimmung ist nicht auf zwei von katholischer Seite ausgegangene Mordanschläge gegen seine Person durch gedungene Juden zurückzuführen, sondern lediglich auf seine Enttäuschung, daß Übertritte zur evangelischen Lehre fast ausschließlich von sehr zweideutigen, ja verworfenen jüdischen Individuen erfolgten. Auch die Nachricht von jüdischer Propaganda unter der christlichen Bevölkerung Mährens und Polens verstimmte ihn, wie aus seiner Schrift „Wider die Sabbatei“ ersichtlich ist. Ebenso die jüdische Schmähliteratur gegen, den christlichen Glauben (Taldos Jeschua, „Die Geburt Jesu“) und die Schriftauslegung jüdischer Gelehrter, an der er bei aller Anerkennung ihrer grammatischen Kenntnisse die absichtliche Verhärtung gegen die Wahrheit und die Heilislehren des Christentums herb tadelte. Stand er doch auf dem Standpunkt: „Novum testamentum in vetere latet, vetus in novo patet“. Diese Stimmung schärfte seinen Blick für die sozialen Schäden, die durch die damaligen hervorgerufen wurden. So erschien 1542 seine unbändige Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“. Alle früher von ihm gepredigte Toleranz gegen das Volk des Alten Testaments hat er hier vollständig vergessen. Dieselbe Stellung wie er gegen Juden und Judentum, nahm im allgemeinen die evangelische Kirche bis zum Auftreten des Pietismus ein. Feuilleton flus dem Kaw-Hajoschor.*) i. Unsere Weisen gesegneten Andenkens haben gelehrt, daß Israel für folgende vier Verdienste aus Ägypten erlöst worden ist: 1. Für die Verdienste der gottesfürchtigen Frauen. 2. Weil die Israeliten ihre Namen nicht änderten. 3. Weil sie ihre Sprache nicht änderten und nur in der heiligen Sprache redeten und 4. für ihr Gottvertrauen. Und ebenso wie es bei der ersten Erlösung war, so wird auch die zukünftige Erlösung für die Verdienste gottesfiirchtiger Frauen kommen. Darum müssen die Frauen noch sittsamer sein als die Männer, und besonders darauf achten, daß sie durch ihre Kleidung niemand zum Straucheln bringen. Denn die schönen Kleider und der Schmuck vermehren die Sünde, und es ist gar nicht zu sagen, welch große Strafe solche Frauen erwartet. Außerdem fügen solche Frauen viel Böses ihren Männern zu. Wenn der Mann nicht in der Lage ist, seine Frau so zu kleiden, wie sich die andern kleiden, so schimpft die Frau auf den Mann und weint und klagt, bis er hingeht und sündigt: er beraubt seinen Nächsten oder macht betrügerischen Bankerott, um seiner Frau ebenso schöne Kleider kaufen zu können, wie säe die andern Frauen haben; und dadurch kommt er zu Schimpf und Schande. Darum soll jede fromme Frau sich sittsam kleiden, damit sie für ihre frommen Verdienste zur Mutter von Propheten und Gerechten wird. Das dritte Verdienst, für das die Kinder Israels erlöst wurden, war, daß sie ihre Sprache, d. h. die heilige Sprache nicht veränderten. Daraus folgt, daß jedermann seine kleinen Kinder in der heiligen Sprache unterrichten soll. Heute gibt es aber viele Leute, die ihre Kinder nur in der französischen Sprache unterrichten. Und wenn das Kind groß wird, paßt der Vater gar nicht auf, daß es ins Beß-Hamidrosch geht, um zu beten oder zu lernen. Er achtet nur darauf, daß das Kind die andern Sprachen erlernt. Die Mitglieder des San- *) „Kaw Hajoschor“ (Das rechte Maß) heißt ein von R. Zwi Kojdanower verfaßtes, zum ersten Male im Jahre 1705 zu Frankfurt a. M. gedrucktes Erbauungsbuch. CDBV A f A Bankgeschäft | |g | Q| Manchen, ResidenzstraBe 3 (Eingang Hofgraben) Tel. 27946 Erledigung aller ins Bankfach einschlägigen Geschäfte