Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 6 (9.2.1917)
- Date
- 1917-02-09
- Page
- Seite 64 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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64 Das Jüdische Echo Nr. 6 Palästinensischen Verhältnisse anwenden wollen, obwohl diese ganz andersartig gestaltet sind. Am schärfsten hat sich dies darin gezeigt, daß die Arbeiter mehrfach zu dem Mittel des Streiks gegriffen haben, was unter den gegenwärtigen Verhältnissen in Palästina ein wirtschaftlicher Nonsens ist. Streiks sind nur da erfolgversprechend, wo der Unternehmer in seinem Betriebe Geld verdient und auf die Arbeiter angewiesen ist, weil er ohne sie seinen Betrieb nicht aufrecht erhalten kann. Nur in solchen Fällen kann der Streik ein Mittel sein, den Unternehmer zu zwingen, einen größeren Teil seines Betriebsgewinnes den Arbeitern zuzuführen. In Palästina dagegen, wo der Unternehmer stets die Möglichkeit hat. die jüdischen Arbeiter durch billigere arabische Arbeiter zu ersetzen, ist der Streik eine wirtschaftliche Absurdität und die Arbeiter selbst wollen durch ihn eigentlich nicht einen wirtschaftlichen, sondern einen moralischen Druck ausüben. Der Erfolg, den sie durch Streiks und durch andere moralische Pressionsmittel, zum Beispiel durch die fortgesetzte Forderung der Beschäftigung jüdischer Arbeiter in der Arbeiterpresse, erzielen, hängt davon ab, in wieweit der Betrieb auf das Wohlwollen derjenigen Organisationen und Personen angewiesen ist, die aus zionistischen Gründen eine möglichst große Einwanderung nach Palästina und infolgedessen auch eine möglichst große Zahl von jüdischen Landarbeitern erstreben. Hieraus erklärt sich auch die paradoxe Erscheinung, daß gerade in denjenigen Betrieben, welche nationalgesinnten Personen oder Organisationen gehören und die bestrebt sind, möglichst viele jüdische Arbeiter zu beschäftigen, die Streiks am häufigsten sind, weil die Arbeiter hier am meisten auf Erfolg rechnen können. Dagegen kommen Streiks in denjenigen Betrieben, deren Besitzer am wenigsten national sind und am wenigsten jüdische Arbeiter beschäftigen, fast niemals vor, weil sich diese Besitzer eben über den moralischen Druck hinwegsetzen und ein Streik den Arbeitern von vornherein aussichtslos erscheint. Ebenso wie die Streiks sich gerade gegen die Betriebe der nationalgesinnten Organisationen und Personen richten und also gerade diejenigen Stellen treffen, die den jüdischen Arbeitern an sich am nächsten stehen, so steht es auch mit einer Forderung der jüdischen Arbeiter, die von den Arbeiterorganisationen immer stärker erhoben worden ist, nämlich die Forderung der „Awoda tehora“, das heißt der Forderung, daß in jüdisch-landwirtschaftlichen Betrieben nur jüdische Arbeiter beschäftigt werden sollen. Auch diese Forderung ist von den Arbeitern immer nur in denjenigen Betrieben erhoben worden, die nationalen Gesellschaften oder nationalgesinnten Personen gehören, nie dagegen in sonstigen Betrieben. Die Forderung der „Awoda Tehora“ ist im gegenwärtigen Stadium der Kolonisation gar nicht oder nur mit großen wirtschaftlichen Mehrkosten durchführbar, denn: 1. Für gewisse Saisonarbeiten, für welche auf kurze Zeit eine große Zahl von Arbeitskräften notwendig ist, lassen sich jüdische Arbeiter nicht in genügender Zahl beschaffen oder in dem betreffenden Betriebe nicht unterbringen und beköstigen; 2. Manche landwirtschaftliche Kulturen sind in Palästina nur dann möglich, wenn gewisse Arbeiten nicht durch die teuere Arbeit Erwachsener, sondern durch billige Frauen- und Kinderarbeit ausgeführt werden, jüdische Frauen und Kinder sind aber für diese Arbeiten nicht in genügender Zahl vorhanden; 3. der Unternehmer, der jüdische Arbeiter beschäftigt, muß dafür sorgen, daß diese Arbeiter bei ihm Unterkunft und Beköstigung finden (was er bei den arabischen Arbeitern nicht nötig hat), und in den meisten Fällen muß er darüber hinaus für ständige medizinische Hilfe Fürsorge treffen. Das erfordert in den meisten Fällen hohe Mehrkosten, die mancher Unternehmer nicht aufbringen kann; 4. aus politischen Gründen ist es unstatthaft, den Arabern, die in den Kolonien um Arbeit nachsuchen, jegliche Arbeit zu verweigern. Es ist verschiedentlich vorgeschlagen worden, den Schwierigkeiten, welche die Beschäftigung von jüdischen Arbeitern aus Osteuropa mit ihrer höheren Lebenshaltung und mit ihrem europäischen Ideenkreise mit sich bringt, dadurch aus dem Wege zu gehen, daß an ihrer Stelle die bedürfnislosen jemenitischen, marokkanischen und sefardischen Arbeiter beschäftigt werden. Dieser Vorschlag ist aber nur zum kleinsten Teile ausführbar und zwar aus folgenden Gründen: a) Die jemenitischen Juden kommen nicht von selbst nach Palästina, sondern man muß unter ihnen im Jemen agitieren, um sie zur Auswanderung nach Palästina zu veranlassen, und die Folge ist, daß die Einwanderer dann auf Jahre hinaus bei jeder wirtschaftlichen Schwierigkeit Anspruch auf Hilfe erheben. b) Die Zahl der Jemeniten im Jemen selbst ist beschränkt und eine große Einwanderung auf Jahre hinaus ist überhaupt unmöglich. c) Die Jemeniten und ebenso die Marokkaner und Sefardim stehen der zionistischen Ideenwelt vollständig fremd gegegenüber. Sie sind außerdem weniger intelligent und weniger mannhaft als die osteuropäischen Einwanderer. d) Als Kolonisationsmaterial stehen die Jemeniten und die anderen erwähnten orientalischen Juden weit hinter den osteuropäischen Arbeitern zurück, weil sie anscheinend nicht in der Lage sind, eine eigene Wirtschaft richtig zu leiten. Man kann nur sagen, daß eine gewisse Zahl jemenitischer Arbeiter als Einschlag zwischen osteuropäischen Arbeitern möglich ist, es wäre aber gänzlich verfehlt, in unsere Kolonien eine Mehrheit von jemenitischen Juden zu bringen. Sie würden die Kultur dieser Kolonien bedeutend herabdrücken. Gerade wo die jüdische Einwanderung nach Palästina quantitativ noch so gering ist, müssen wir wenigstens auf die Qualität der Einwanderer sehen. Bisher konnten wir allen denen gegenüber, die auf die geringe Zahl der Einwanderer hinwiesen, behaupten, daß diese Einwan- ILiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiifmiiiiiiiiniiiiimiimimiimmiiiiimmmimiiiiimmiiiiiy JÜ5KR" I KLEINKUNST-1 VERSAND I MÜNCHEN Promenade- Straße 5 Ausstellung aller Zweige | des Kleinkunst-Gewerbes iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiimiiiiiiifiiiitiiifiiiiiiitiifiiii