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Das jüdische Echo · 1917-02-02 · 5 (2.2.1917) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
5 (2.2.1917)
Date
1917-02-02
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag — Bezugspreis: Viertelj. M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Ganzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 PI. — Verlag des „Jüdischen Echo“ : München, Herzog Maxstr 4 — Redaktion: Helene Hanna Cohn, München, mw/mmM Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 40 Pt. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Anzeigenannahme: Verlag des „Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 5 München / 4. Jahrgang 2. Februar 1917 Das Erwachen des Judentums. Niemals hat sich das Leidensschicksal des Judentums in so erschütternder Weise offenbart wie Setzt, zur Zeit des Weltkrieges. Wie ein in tausend Atome zerfetzter Körper erscheint es, dessen einzelne Glieder versprengt sind unter die Völker der Erde und nur dazu bestimmt scheinen, von Mächten, an deren Entstehen und Walten es selbst keinen Anteil hat, hilflos umhergewirbelt und vernichtet zu werden. Und von allen den Hoffnungen, die sich zu Beginn des Völkerringens regen wollten, den Hoffnungen auf eine Lösung aller nationalen Probleme und damit auch des jüdischen Problems — in tiefem Schmerz ahnen wir es heute — von ihnen wird sich möglicherweise nicht eine einzige erfüllen. Wenn aber der Krieg zu Ende geht, und weder in Rußland noch im näheren Osten noch in Palästina dem jüdischen Volke Möglichkeiten zur normalen, gesunden Entwicklung erblüht sein werden, während sich in Westeuropa und Amerika die Gegensätze nur verschärft haben werden — was dann? Aus welcher Quelle sollen dann die Scharen von Hoffnungslosen und Entwurzelten den Mut schöpfen, sich weiter und womöglich noch inniger dem Judentum, dessen Bürde so unerträglich schwer auf jedem einzelnen lastet, anzuschließen? Es ist von unschätzbarer Bedeutung, daß zu einer Zeit, da diese Fragen des Juden Inneres zerwühlen, ein zum Reden Berufener gekommen ist und uns gezeigt hat, daß gerade in diesen letzten Jahren, die zum Untergang des jüdischen Volkes hinzuleiten schienen, Kräfte erblüht sind, die mitten im Werk der äußeren Zerstörung das Judentum zu einer Wiedergeburt, einer neuen Epoche seiner inneren Entwicklung führen. In Heft 17 der von Maximilian Harden herausgegebenen „Zukunft“ berichtet der Prager Dichter Max Brod über „Die dritte Phase des Z i o n i s m u s“, in der er die von Hunderttausenden ersehnte „Heimkehr zum Judentum“, und zwar den Weg von der Theorie zur lebendigen Tat sieht. Max Brod geht in seiner Würdigung der drei Phasen des Zionismus von dem Satze aus: „Zionismus ist die aktive Einstellung des jüdischen Volkes als eines sein Schicksal selbstbestimmenden Faktors in die Weltgeschichte“ und verfolgt nun die drei Entwicklungsstufen, die der Zionismus zurückgelegt hat „Die erste Phase rechnet man vom Auftreten Theodor Herzls (Erscheinen des „Judenstaates“ 1896) bis 1908. Es ist der politische Zionismus, charakterisiert durch den Aufruf zur Selbstbesinnung, durch organisatorische und diplomatische Arbeit. Herzl verwarf jede kolonisatorische Kleinarbeit in Palästina vor Erlangung des „Charters“, einer öffentlich-rechtlichen Garantie für die neue Stellung. Die zweite Gruppe (1908 bis in die jüngste Zeit) läßt neben politischen Bemühungen die „Gegenwartsarbeit“, praktische Kleinkolonisation in Palästina treten. Die dritte Phase, die meiner Ansicht nach in unseren Tagen beginnt, stellt neben die älteren Ideale die Forderung rascher sozialer und kultureller Volksarbeit im Galuth.“ Die erste Entwicklungsphase, die des Herzischen Zionismus wird gekennzeichnet durch den Versuch, die ökonomische und soziale Frage durch ein großzügiges „Transportunternehmen“ zu beantworten, während von jüdischer Geisteskultur noch keine Rede ist. Bezüglich der zweiten Phase, in der die Kleinkolonisation einsetzte, herrscht vielfach die Anschauung, daß sie einen Übergang vom Herzischen Gedanken zum Achad Haamismus bedeute, einen Übergang von dem Ideal einer Befreiung der jüdischen Massen aus dem Galuth zu demjenigen eines „geistigen Zentrums“ in Palästina, das zwar nicht die ökonomische und soziale, wohl aber die kulturelle Judennot aufzuheben bestimmt ist. Dieser Anschauung tritt Brod entgegen: durch Achad Haam ist der Herzlsche Zionismus vertieft, vergeistigt worden, aber seine Richtung aufs Ganze, auf die schließliche Befreiung des Gesamtjudentums konnte er trotzdem niemals aufgeben. Aber in einem ganz anderen Sinne als dem des jähen „Transportunternehmens“, das wir heute als gescheiterten Lösungsversuch erkennen müssen, sieht Brod die Befreiung des jüdischen Volkes von Palästina ausgehen: „Der Zionismus darf meiner festen Überzeugung nach niemals seine Richtung aufs Ganze aufgeben. Deshalb sind auch die Siedlungen in Palästina nur als Teile einer weitausgreifenden sozialen Bewegung gedacht. Die Idee der Bodenreform . . . will nicht nur als Basis einer jüdischen Sprachkultur im Sinn des Hebraismus, sondern auch als Basis einer in sich selbst wertvollen jüdisch-ethischen materiellen Entwicklung betrachtet sein.“ Die jüdische Wirtschaft in Palästina muß also ihre eignen sozialen Ideale auf stellen! Durch sie wird den Massen in Palästina desto mehr Platz geschaffen werden. Bezeichnend für die durch diese Einsicht gekennzeichnete dritte Phase des Zionismus ist die sich durchringende Überzeugung, daß der Zionismus nicht die kleine Palästinagruppe allein umfassen, sondern „durch Neuschöpfungen im jüdischen Geist auf dem Gebiet sozialer Vereinheit-

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