Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 3 (19.1.1917)
- Date
- 1917-01-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag — Bezugspreis: Viertel). M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Ganzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. — Verlag des „Jüdischen Echo“ : München, Herzog Maxstr 4 - Redaktion: Helene Hanna Cohn, München, ft n z e i g e n : Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 40 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— ftnzeigenannahme: Verlag des „Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 3 München / 4. Jahrgang 19. Januar 1917 Referat des Herrn S. Schocken, gehalten auf dem Berliner Delegiertentage der Zionist. Vereinigung für Deutschland. Vor dem Kriege schon hat man erkannt, daß unsere zionistische Arbeit in Deutschland neu ausgebaut werden muß. Während des Krieges ruhen wichtige Funktionen unserer Organisation. Es heißt nun für die Zeit nach dem Kriege neu aufbauen. Die gegenwärtigen Ereignisse üben eine belebende Wirkung auf unsere Bewegung aus. — Das zeigt sich jetzt schon in Amerika. Ein ähnliches Erwachen wird in allen Ländern einsetzen und wir in Deutschland wissen, ohne daß ich im Einzelnen darauf hinzuweisen brauche, daß sich bei uns der Boden für unsere Arbeit neu erschließt. Der Zionismus ist eine Werkgemeinschaft. Die Arbeit an der gleichen Aufgabe schließt uns zusammen. Die Werkgemeinschaft ist die edelste Form der Menschenvereinigung; sie hebt den Gleichklang der Seelen und zerdrückt die im Menschen wirkenden Tendenzen zur Absplitterung und Eigenbrödelei. Je mehr wir uns in unsere Werkgemeinschaft einstellen je mehr gemeinsame Arbeit unseren Tag füllt, desto mehr Einheit, Liebe und Freude werden wir erleben, und danken wollen wir dem Schicksal, das uns zersplitterte Menschen in eine große Aufgabe eingestellt hat: eine Volkseinheit wollen wir neu aufbauen. _ Das Ortsgruppenleben zu bereichern, daraufhin zielen alle meine Vorschläge. Man wird den Ortsgruppen einen wertvollen Stützpunkt geben, wenn man die jetzt schon bestehende Einrichtung der Gruppenverbände von Grund auf erneuert. Die Gruppenverbände sind ein wesentlicher Bestandteil unseres organisatorischen Aufbaues. Die Gruppenverbandleitung hat die Veranstaltungen der Ortsgruppen zu beraten und zu überwachen. Das zionistische Leben aller Ortsgruppen eines Gruppenverbandes muß zu einer Einheit zusammengefaßt werden. Manche Möglichkeit zur gemeinsamen Arbeit wird sich da zeigen. Ein Austausch der Kräfte von Ort zu Ort, durch den die schwachen Ortsgruppen gestützt werden, wird stattfinden können. Die Gruppenverbandsleitungen werden ihre wichtige Arbeit erst leisten können, wenn die Leitung der Landesorganisationen sich ihrer bei der Durchführung aller Organisationsarbeiten als Mittelglied bedient. In bestimmten Abständen werden gemeinsame Besprechungen aller Gruppenverbandsleiter mit der Landesleitung in Berlin stattfinden müssen. Den Ortsgruppenverbands-Vorständen nebengeordnet sind die Mitglieder des Zentralkomitees, die neben ihrer Tätigkeit im Landesvorstand der Partei ein zu bestimmendes Arbeitsfeld in einem Teil des Landes, der sich gegebenenfalls mit einem Gruppenverbands-Bezirk deckt, zu übernehmen haben. — In das Zentral-Komitee werden Männer gewählt werden, die in einem bestimmten Landesteile eine bedeutende organisatorische Tätigkeit ausüben. Die Orientierung der Zionisten über die Lage in Palästina und über die sonstigen zionistischen Vorgänge wird am besten von den Zentral- Komitee-Mitgliedern und den Gruppenverbandsvorständen für ihre Bezirke durchgeführt. In den letzten Jahren ist der Wert der Orientierungsarbeit weit überschätzt worden. Es ist unwichtig für das zionistische Leben in Deutschland, ob der Zionist ständig über die diplomatischen und äußeren politischen Vorgänge allenthalben informiert ist. Wichtig ist die aktive Betätigung jedes Zionisten an seinem Platze. Diese ist wiederum nur möglich, wenn wir die Arbeitsaufgaben übernehmen, deren Boden die Ortsgruppe ist. Ich bin bei dem eigentlichen Kern meiner Aufgabe, wenn ich jetzt davon spreche, welche Wege man gehen muß, um Material, Inhalt und tätige Beihilfe zu schaffen für die Ausgestaltung der zionistischen Arbeit in unseren Ortsgruppen. Fürs erste wird es sich darum handeln, alle Kräfte, die in unserer Bewegung stehen, aktiv zu machen für diese Aufgaben. Es gilt da besonders auch die wertvollen Menschen unter uns, die durch persönliche Veranlagung oder aus wirtschaftlichen oder örtlichen Gründen bisher nicht die Möglichkeit hatten, sich aktiv in den Parteiaufbau einzustellen, heranzuziehen, alle Kräfte zu einer organisatorisch wertvollen Arbeit zu leiten und das Ergebnis dieser Arbeit durch Vermittlung geeigneter Kräfte in die Ortsgruppen zu tragen. Im Januar dieses Jahres habe ich bereits in einer Zentral-Komiteesitzung hierzu einen Vorschlag gemacht, den ich besser ausgearbeitet, Ihnen jetzt vorlegen möchte. Die Landesorganisation soll ergänzt werden durch Arbeitskörperschaften, die alle intellektuellen und organisatorisch wertvollen Kräfte zusammenfassen. Die neuen Arbeitskörperschaften gliedern sich nach den verschiedenen Arbeitsaufgaben. Ich sehe zwei große Hauptgruppen von Arbeitsaufgaben: 1. Jüdische Kulturarbeiten. 2. Zionistische Parteiarbeiten. Diese Hauptgruppen gliedern sich wiederum in besondere Arbeitsgebiete, für die je ein Arbeitskreis zu schaffen ist Die Hauptgruppe für jüdische Kulturarbeit gliedert sich in drei Arbeitskreise: