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Das jüdische Echo · 1917-01-05 · 1 (5.1.1917) · p. Seite 10

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
1 (5.1.1917)
Date
1917-01-05
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 Das Jüdische Echo Nr. 1 Aber es war den toten Juden kein Halt mehr auf dem Grund ihrer Gräber. Sie sanken, langsam glitten und seelenlos tiefer die Körper abwärts, tiefer hinab. Ein Strom, schwarz und lautlos floß in den Adern der Erde, er nahm sie auf und wälzte sie ostwärts; runde Walze wurde jeder, schrumpfte, ward groß wie ein Ziegel und ganz weich. Und er warf sie aus im frühen Morgen, mündend unter Palmen ans Licht einer jubelnden Sonne, die stieg aus dem Meer. Ein großer Mann aber mit schwarzem, breitem Bart und der Schürze des Werkmannes, die Kelle rechts neben sich liegend, und links das nackte Schwert, ergriff einen jeden und preßte ihn, er ward in der Sonne hart zum Stein und gefügt in ein niederes Mauerwerk, und Walze neben Wialze warf der Strom ihn zu Füßen. Stein neben Stein setzte der Mauernde, er sah nicht auf. Ein Greis trat zu ihm und grüßte ihn, junges Lächeln lag wie Morgenrot auf altem Fels über verwitterter Stirn und dem greisen Barte. „Gegrüßt sei der am Turme mauert“, sagte er, und: „Gedankt dem, der die Tochter Zions erblickt hat1, antwortete der Baumeister und setzte einen Stein. „Die Tochter Zions ist auf dem Wege“, sprach Akiba, und der Schaffer errötete vor Glück. Ich aber konnte nicht mehr an mich halten: „Oh Akiba,“ rief ich, „Wann kommt der Messias!“ Sein Blick prüfte meine Seele. „Vor der Toren Roms sitzt ein buckeliger Bettler, der Messias und wartet“, sprach er; mich erschreckt es wie Drohung. „Worauf wartet er, Meister?“ rief ich voll Angst. „Auf dich“, sprach der Greis und wandte sich. Und ich erwachte vor jähem, herzerneuerndem Schreck. (Jüd. Rundschau, Nr. 51.) Gemeindenu. Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Gemeinden und Vereinen und von Personalnachrichten, die In diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höflichst eingeladen.) Jüd. Nationalfondsl Spendenbuch München: Justizrat Dr. Harburger anläßlich des Ablebens seiner geliebten Gattin Helene geb. Neuburger, M. 25.—. Verein Bne-Jehuda. Der diesjährige Chanukah- Abend des Vereins Bne-Jehuda am 25. Dezember lockte ein ungewöhnliches zahlreiches Publikum herbei, das die Prinzensäle des Cafe Luitpold bis auf den letzten Platz füllte. Der musikalische Teil des Abends bestand aus Klaviervorträgen von Frl. Sarsky und Gesangsvorträgen von Erl. Recha M y s c h und Herrn Sarsky. Frl. Mysch, die drei jüdische Lieder und Opernarien vortrug, war besonders gut bei Stimme und hatte einen schönen Erfolg. Auch Herr Sarsky, der leider keine jüdischen, sondern italienische Lieder zum Vortrag tvracihite, erntete) stürmischen Applaus. Nach einer gehaltvollen Festrede des Herrn Josef Löwy folgte die eigentliche Glanznummer des Abends — die Aufführung von Scholem Alejchems wundervollem Lustspiel „Der Geth“. Unter den Mitwirkenden zeichneten sich besonders Fräulein Mirjam Tennenbaum und die Herren Löwy, Neuwirth und Sternfeld aus. Das Stück, das unter Herrn Grünbaums vorzüglicher Leitung gespielt wurde, hatte einen Riesenerfolg. Auch der sonst schöne Verlauf des Abends ist in erster Linie den Bemühungen des Herrn Grünbaum zuzuschreiben. Sch. b. Sch. Nürnberg. Chanukahfest des Jüd. Turn- und Sportvereins Nürnberg am 17. Dezember 1916. Nach langer Zeit, die ausschließlich turnerischer Arbeit gewidmet war, trat der J. T. u. Sp.-V. am Sonntag, den 17. Dezember mit einer Chanukahfeier —- nicht vor die Öffentlichkeit, sondern vor einen Kreis von Mitgliedern und Freunden, die jedoch wider Erwarten in solcher Zahl erschienen waren, daß sich das geräumige Logenlokal im Cafe Central als viel zu klein erwies. Der erste Vorsitzende, Arthur Körösi, begrüßte die Anwesenden, würdigte zunächst das Andenken unseres leider gefallenen unvergeßlichen Turnbruders Willy Stern und gedachte mit herzlichen Worten des Grußes unserer Turnbrüder im Felde. Er gab eine kurze aber würdige Schilderung der Bedeutung des Chanukahfestes für die turnerische jüdische Jugend, um am Schluß, in warmen Worten an das jüdische Gefühl der Anwesenden appellierend, sie zur kräftigen Unterstützung unserer Bewegung aufzufordern. Den ersten Teil der Vortragsfolge bestritten die Damen Erna Rafalowitz (Klavier), Grete Herzberg (Gesang), Opernsänger Sarsky (München) unter der Begleitung der Klaviervirtuosin Frau Tepper (Gesang) und Herr Paul Ordenstein (Jüdische Rezitationen). In den heiteren Teil teilten sich die Damen Jettchen Karpf, Grete und Gertrud Herzberg (Kostümtanz mit Gesang), Jettchen Karpf (Lieder zur Laute) und zuletzt die Damen Hansi Friedmann, Martha Plaut, Gertrud Herzberg, Betty Karpf und Frl. Hirse hinger unter Begleitung von Fräulein Tannenwald am Klavier mit einem turnerisch-militärischen Tanz in Offiziersuniform. Alle Darbietungen wurden durch reichlichen Beifall ausgezeichnet. In der Pause hielt Herr Lehrer Lautmann eine zündende Ansprache an die Jugend. Der Abend war, alles in allem, ein voller Erfolg, und die Ankündigung einer Purimfeier in größerem Rahmen durch den Vorsitzenden wurdje allseitig freudig aufgenommen. Begreiflicherweise bestand die Festteilnehmerschaft vorwiegend aus Damen, stehen doch unsere Turnbriider, soweit sie noch gesund sind, alle im Felde. Möge das kommende Fest gleichzeitig eine Feier des Wiedersehens sein. P. O. PACHTUNG!33 In jedem Hausnütig: der soeben erschienene . »gliche MOkaMer „Haschachar“ für das Jahr 1917 mit deutschem und jüdischem Datum, Sedra und Monat in Deutsch, Licht-benschen; jüdische Feiertage in roter Schrift; mit Witzen! Preis Mk, 2.— mit Porto. Lieferung folgt nach Empfang des Betrages. Buchhändler und Wiederverkäufer Rabatt. Bestellungen an: BuclilianillunD M. KalzenellentiooeD, Wilna (Litauen) Judenstraße 1. 07 20

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