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Das jüdische Echo · 1917-01-05 · 1 (5.1.1917) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
1 (5.1.1917)
Date
1917-01-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag — Bezugspreis: Viertelj. M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Ganzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf.—Verlag des „Jüdischen Echo“ : München, Herzog Maxstr 4 — Redaktion: Helene Hanna Cohn, München, Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 40 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— ] Dieselbe für k 1 e i n e Änzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag des] „Jüdischen Echo“, München, Herzog | Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 1 München / 4. Jahrgang 5. Januar 1917 Der Berliner Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Am 25. und 26. Dezember fand in Berlin eine Tagung der Delegierten zionistischer Ortsgruppen und Vereine in Deutschland statt. Zu den Sitzungen im Savoy-Hotel waren etwa 75 Delegierte und Mitglieder des Zentralkomitees, sowie eine große Schar von Qästen aus allen Teilen des Deutschen Reiches erschienen. Die Tatsache an sich, daß eine so große zionistische Versammlung mitten im Kriege stattfinden konnte, daß eine so beträchtliche Schar von Zionisten sich von ihren zivilberuflichen oder militärischen Pflichten freigemacht hat, um an ihr teilzunehmen, ist ein deutlicher Beweis dafür, daß die zionistische Idee trotz der umwälzenden Tagesereignisse nichts von ihrer Macht über die Geister eingebüßt hat, daß ihre Anhänger ungeachtet aller äußeren Geschehnisse mit unveränderter Treue in ihren Diensten stehen. Die Berliner Tagung erscheint umso bedeutsamer dadurch, daß die, welche an ihr teilnahmen, im voraus wußten, daß sie wenig über praktische Erfolge der zionistischen Politik zu hören bekommen würden. Wem nicht über der heißen Sehnsucht nach realen, deutlicher gesagt nach politischen und sozialen Leistungen der zionistischen Organisation die Erkenntnis verloren gegangen ist, diaß ja nichts Positives erreicht werden kann, solange die Dauer und der Ausgang des Krieges völlig problematisch sind, der konnte von der Berliner Tagung keine großen Enthüllungen über endgültige reale Erfolge erwarten. Wenn es die Delegierten und die Gäste trotzdem so sehr nach Berlin zog, daß sie alle Hemmungen überwanden, so geschah dies vielmehr, weil gerade während des Krieges eine andere als die praktische oder humanitäre Seite des Zionismus weiten jüdischen Kreisen zum tiefsten Erlebnis geworden ist: Die Berliner Tagung wurde dadurch möglich, daß die Sehnsucht nach einer Erneuerung und Vertiefung des jüdischen Geistes und Lebens in Deutschland zu einer mächtigen Flamme angewachsen ist. Die nach Berlin kamen, strebten nach Anleitung und Beratung, wie man die geistigen Kräfte des deutschen Judentums wecken, stärken und auf ein gemeinsames Ziel richten könne. Obwohl man natürlich nicht versäumte, zu fragen und zu berichten, was während der letzten Zeit in Palästina geschehen sei, mit welchen Mitteln man das dort Geschaffene erhalten habe und weiter erhalten werde, welche Aussichten die kolonisatorische Palästina-Arbeit in Zukunft habe, stand doch im Mittelpunkt der Beratungen die Frage nach der Golusarbeit, das Problem nationaljüdischer Kultur-) lind Erziehungsfragen. Kurt Blumenfeld sprach es in seinem Referat aus: „Der Zionismus ist der Versuch, den jüdischen Menschen umzugestalten“, und weiter: „Das jüdische Paläsina muß begleitet werden von dem palästiozentrischen Golus“. Die Umgestaltung des deutschenJudentums aber, das kam auf dieser Tagung mehrfach zum Ausdruck, muß in erster Linie durch eine zweckmäßige Erziehung der jüdischen Jugend erreicht werden. Mit dem Gedanken an die neue Gemeinschaft in Palästina muß die Jugend erzogen werden. Die praktischen Ergebnisse der Berliner Tagung liegen denn auch vorwiegend auf dem Gebiet kultureller Arbeit: Ein von S. Schocken gemachter Vorschlag zur Gründung einer besonderen Arbeitsgruppe für Kulturarbeit und einer solchen für Parteiarbeit wurde einstimmig angenommen. Die Arbeitsgruppe für Kulturarbeit soll die geistigen Angelegenheiten und die hebräische Ausbildung in die Hand nehmen. Die in neue Bahnen gelenkte jüdische Wissenschaft soll durch sie ermutigt, Verlagsgesellschaften, die vorzugsweise jüdische Werke herausgeben, sollen ge^ gründet werden. Die Gruppe für Parteiarbeiten soll sich mit Propaganda, Nationalfonds und Anregungen zu stärkerer Beteiligung der Zionisten an der Gemeindepolitik befassen. Die Schaffung guter jüdischer Jugendlektüre, endlich eines regelrechten Arbeitsdienstes für jeden Zionisten soll gleichfalls von diesen Gruppen erwogen werden. Im einzelnen wurden die Aufgaben der Arbeitsgruppen erläutert durch Dr. Eugen T ä u b 1 e r, der eine Reihe bemerkenswerter Vorschläge machte: wirksame Beeinflussung von Schule und Presse im nationalen Sinne, Schaffung hebräischer Lehrbücher, Begründung einer jüdisch-soziologischen Gesellschaft, eine Chronik der Zeitgeschichte, ein Handbuch der Judenfrage, Schriften, in denen die Entwicklung des nationalen Gedankens in der jüdischen Geschichte geschildert wird, und andere wichtige Einzelheiten. Auch die tiefdurchdachten Ausführungen Martin B u b e r s enthielten neben allgemeinen Richtlinien zur Nationalisierung der jüdischen Jugend wichtige einzelne Vorschläge. Die Bedeutung des Berliner Delegiertentages wird nicht durch das Eingeständnis herabgesetzt, daß eine Reihe von Delegierten mit der Erwartung gekommen war, man würde der anderen — nennen wir sie die politische — Seite des Zionismus größere Beachtung schenken, und daß sich LEO BAECK INSTITUTE NEW YORK

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