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Das jüdische Echo · 1916-12-29 · 52 (29.12.1916) · p. Seite 506

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
52 (29.12.1916)
Date
1916-12-29
Page
Seite 506 (sequence 6)
Language
German
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506 Das Jüdische Echo Nr. 52 Feuilleton Hus dem Hause Herodes. Der Tod Mariamnens. Als Herodes aus Rom nach Jerusalem zurückgekehrt war, fand er sein Haus in verworrenem Zustande, denn Josef, der Mann seiner Schwester Sulamith, wie der Tyrier Soemus, unter deren Obhut er sein Weib Mariamne zurückgelassen hatte, hatten ihr den geheimen Auftrag verraten, den er vor seiner Abreise gegeben hatte. Danach wäre es ihre Pflicht gewesen, falls Herodes nicht mehr lebend zurückgekehrt wäre, Mariamne zu töten, damit sie nach einem Tode keines andern Weib würde. Als das die Königin erfuhr, geriet sie in tiefe Betrübnis, und was ihr auch Herodes von der Größe und Herrlichkeit dessen, was er in Rom erlebt hatte, erzählte, sie wurde nicht froh, änderte nicht ihr Gesicht und hörte ihm nicht zu; noch mehr, sie schmähte vor ihm seine Sippe. Herodes litt großen Schmerz, als er die feindliche Haltung seines Weibes merkte, denn er hatte sie über alles lieb. Eines Tages fing Mariamne einen Streit mit Herodes’ Schwester, Sulamith, an; sie sagte ihr beleidigende Worte und ließ abermals Schmähungen über das Geschlecht ihres Mannes fallen. Darauf begab sich Sulamith zu dem Könige und verleumdete Mariamne vor Herodes, indem sie sprach: Als der König in Rom bei Augustus war, schlief mein Mann Josef bei der Königin Mariamne. Das wollte Herodes nicht glauben, denn er kannte die Keuschheit seiner Gattin seit gestern und ehegestern. Allein die Feindschaft, die ihm Mariamne entgegenbrachte, bewirkte es. daß er den Worten seiner Schwester einige Beachtung schenkte. Er ließ Mariamne rufen und sprach zu ihr: Was soll der Haß bedeuten, den du gegen mich ohne Grund hegst? warum liebst du mich nicht mehr wie zuvor? Habe ich dich doch mehr lieb als alle Frauen, und wie ich dir einmal geschworen habe, hat sich seit dem Tage, da ich zu dir cingegangen bin, in mir keine Lust zu einem andern Weibe außer dir geregt. Mariamne erwidert: Hättest du mich lieb gehabt, wie du behauptest, du wärest nicht mein Feind. Wer hat denn je gehört, daß man einen, den man liebt, hätte töten wollen? Wie konntest du an dem Tage, da du deine Reise zu Augustus antratest, dem Josef aufgeben, mich umzubringen? Wie das der König vernahm, entsetzte er sich überaus, er ließ Mariamne aus seiner Umarmung, in der er sie gehalten hatte, und rief aus: Fürwahr, was ich eben gehört habe, ist mir ein Beweis, denn Josef hätte meinen Befehl nie preisgegeben, wenn er bei ihr nicht geschlafen hätte. Und der König S5®X£>ex£)<2X£)<2X£)<2XS)?5!ex£)ex£)i0E<2X9aX2)QXS)C2X£>» % cPorzeffan= 1 tKgf. ‘Bayer. I \TJlanufakiur ‘Kympßenburg (Kauptniederiage QHjincßen: Odeonsplat) 1 {Künste a. ßuxasgegenstände, Fafel*, ‘Dessert*, A {Kaffee* u- ‘Ceegescßirre, ‘Figuren, Gruppen etc. Bnacfi alten TlympHenburger Original-Modellen. Außerdem neue Formen und ‘UlodeFe nacfi <Snt• würfen erster ‘IJlüncfiner {Künstfer. verließ den Raum und schlief diese Nacht nicht i,n dem Gemach Mariamnens. Als Sulamith sah, daß Herodes ihre Erzählung mit Glauben aufgenommen hatte, lockte sie einen Kämmerer von den Mundschenken des Königs durch Gold und Silber und sprach zu ihm: Nimm dieses Gift in deine Hand, geh damit zum Könige und sage ihm: Deine Gemahlin Mariamne gab mir Gold und Silber und hieß mich, dir diesen Becher zu überbringen, indem sie sprach: Laßt den König davon trinken; es ist ein Liebestrank, der den König mir wieder geneigt machen soll. Der Kämmerer tat in allem, wie ihm Sulamith befohlen hatte. Da erschrak Herodes und sprach: Wo ist das Getränk? Der Kämmerer reichte es ihm, und der König befahl, es einem Manne zu geben, der zum Tode verurteilt worden war. Jener trank das Gift und starb alsogleich. Hierauf gab Herodes den Befehl, seine Gemahlin Mariamne, den Mann seiner Schwester, Josef, und den Tyrier Soemus gefangenzunehmen. Außerdem ließ er einen Kämmerer Mariamnens fesseln, auf daß er die Wahrheit über den Trank bekenne. Allein der Kämmerer sagte nichts aus. Er erzählte nur von dem Haß der Königin, der dadurch geweckt worden war, daß Josef und Soemus ihr den geheimen Befehl des Königs verraten hatten. Daraufhin gebot der König, Josef und Soemus, den Tyrier. zu töten. Die Königin aber hieß er gefangenzuhalten, bis das damalige Siebenzig-Ältesten-Gericht (Sanhedrin) zusammentreten würde, das über sie das Urteil fällen sollte. Da kam aber Sulamith mit ihren Helfern vor den König und sprach: Wisse, daß, wenn Mariamne nur noch einen Tag am Leben bleibt, das Volk sich wider dich erheben wird. Die Anhänger der Königin werden überall herkommen und werden sie ohne Krieg und Aufruhr nicht sterben lassen. Darauf sprach Heordes: Tut nach eurem Willen. So wurde Mariamne auf den Richtplatz außerhalb der Stadt geschleppt. Ihre Mutter Alexandra kam herbei und schrie: Komm heraus, du nichtswürdige, die du deinem Gatten ungehorsam warst. Und sie fluchte und schalt unter Weinen und Klagen. Sie sprach aber solches nur aus List, um von Herodes nicht getötet zu werden und nachher eine Gelegenheit zu finden, an ihm Rache zu nehmen. Auch viele Weiber keiften und schimpften hinter Mariamne, weil sie sie für schuldig hielten. Mariamne aber antwortete mit keinem Worte und schritt dem Tode entgegen ohne Furcht und Angst, als ginge sie zu einem Feste. Ihr Antlitz hatte sich nicht verstellt, und ihr Gang war um nichts anders geworden, denn die Königin verachtete den Tod wie alle aus dem Geschlechte der Hasmonäer. So führte sie allen die Hoheit und den Adel ihres Stammes vor Augen. Si streckte ihren Hals dem Schwerte entgegen und ward getötet und zu ihrem Volke versammelt. Mariamne war allen Frauen über an Schönheit, an Würde und an Reinheit; auch in der Gottesfurcht war sie ihnen voran; allein die Demut kannte sie nicht, und sie fluchte ihrem Gemahl, als sie ihn Unrechtes tun sah. Doch ihre Schönheit, kein Mensch vermag diese zu beschreiben! Und der Herr säumte nicht mit der Rache für ihren Tod und schlug das Königshaus durch eine schwere Seuche; es starben viele von den Knechten des Königs wie von den Streitern und Fürsten. Auch viele Städte Judäas wurden von der

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