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Das jüdische Echo · 1916-12-29 · 52 (29.12.1916) · p. Seite 502

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
52 (29.12.1916)
Date
1916-12-29
Page
Seite 502 (sequence 2)
Language
German
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502 Das Jüdische Echo Nr. 52 Wird die Statistik, wie viele hoffen, ergeben, daß wir wirklich minderwertig sind? Ich glaube es nicht, ich glaube, daß wir die Ergebnisse nicht zu fürchten brauchen. Aber ich bin auch überzeugt, daß diese Ergebnisse noch weit besser ausfallen würden, wenn unsere Gemeindevorstände der körperlichen Ertüchtigung der jüdischen Jugend die nötige Aufmerksamkeit geschenkt hätten. Wäre nicht unter uns die große Zahl körperlich verweichlichter junger Kaufleute und Studenten, die Schreiberposten hinter der Front anstreben, weil sie körperlich seit Jahr und Tag nicht ausgebildet sind, nicht Bäume zu Unterständen schleppen und die schwere Arbeit tun können, welche heute den größten Teil des Krieges ausmacht, — Schachten, Tragen, Erdulden von Kälte und Nässe, Drähtespannen usw.— wären diese jungen Kaufleute nicht unter uns, dann wäre unser Volk insgesamt der echte Nachwuchs der alten Makkabäer. In national-jüdischen Kreisen hat man lange vor dem Kriege die körperliche Minderwertigkeit der Juden durch jüdische Turn- und Sportvereine zu heben gesucht, aber die Qemeindevorstände bekämpften unsere Bestrebungen mit der Erklärung: „es gäbe kein Judenrecht!“ Nein, aber es gab eine jüdische Schwächlichkeit. Es gab eine stärkere geistige jüdische Prävalenz und dafür mußte es eine Bewegung, eine Maßregel, eine Organisation geben, die als Ausgleich für die körperliche Ausbildung der Juden sorgte. Wenn nun die Folgen der Unterlassungssünde sich zeigen, wenn der Antisemitismus aus der Körperschwäche einer Reihe junger Juden Kapital schlägt, so ist dies die Schuld derjenigen leitenden Persönlichkeiten in den Gemeinden, die alle Regenerationsbestrebungen nicht nur zu ermutigen unterließen, sondern sie systematisch bekämpften. Wir Juden sind es müde, „in elegischem und attischem Geschmack“ zu schreiben. Die Zeit ist zu ernst. Täglich und stündlich droht das Assimilationsjudentum, das Judentum, das so große Kämpfe mitgeblutet hat, um seinen Lohn zu bringen. Wenn Herzl noch lebte, er könnte wieder Mauschel, den ängstlichen Drückeberger zeichnen, wie er der erste ist, der das Schiff verläßt. Die Judenzählung hat es wieder gezeigt, wie nötig wir ein geeintes, körperlich und geistig regeneriertes Judentum brauchen. Dafür werden wir Juden im Frieden erbittert kämpfen! Die Völkerstämme des alten Palästina. Von Dr. Elias Auerbach in Haifa. Aus „Archiv für Rassen- und Gesellschafts- Biologie“. 1914/15. 6. Heft. Druck und Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. (Fortsetzung.) Da nun nach v. Luschan die „Semiten“ durch langen Schädel gekennzeichnet sind, so folgerte er, daß die heutigen Juden, die zu 75% Kurzköpfe sind, diesen Charakter durch sehr starke Mischung mit Hethitern überkommen haben. Gegen diesen Schluß sind starke Einwände zu erheben. Zunächst sind nicht „die“ Semiten langköpfig, sondern nur die Südsemiten in Arabien und seine Ausstrahlungen. Von den Nordsemiten scheinen die alten Babylonier und Assyrer kurzköpfig gewesen zu sein, wie die heutigen Juden, und es steht nichts im Wege, das auch von den übrigen Nordsemiten, den Kanaanäern, Phöniziern, Hebräern und Aramäern, anzunehmen. Danach wären also die Semiten zwei wohlunterschiedene Rassengruppen, die nur durch die Sprache verbunden sind, und hier, wie bei den „Indogermanen“, hat die Verwechslung sprachgeschichtlicher und anthropologischer Verhältnisse nur Verwirrung gebracht. Jedoch auch ohne diese Schwierigkeiten sind die Hethiter nicht geeignet, als Stammgruppe der Juden zu gelten. Ihre Nachkommen, die heutigen Armenier, sind zwar kurzköpfig, aber ihre Kopfform ist doch eine ganz andere als die der Juden. Sie zeigen die höchsten Grade der Kurzköpfigkeit (Breite: Länge — 85 und mehr: 100) bei sehr beträchtlicher Höhe des Schädels, während die Juden einen Index von 8CC-85 : 100 und geringere Schädelhöhe haben. Die Ähnlichkeit, auf der hier die ganze Theorie ruht, ist also nur eine recht oberflächliche. Nichtsdestoweniger hat das im Norden benachbarte Reich der Hethiter einen starken Einfluß auf die Stämme Palästinas ausgeübt, mindestens in kultureller Hinsicht, wenn auch die hethitische Kultur nie eine so kraftvolle gewesen ist. daß sie den überragenden Platz der babylonisch-assyrischen hätte einnehmen können. Wir finden noch zu Davids Zeit (ca. 1000 v. Chr.) einen hethitischen Feldhauptmann Uria im judäischen Heer, aber schon in der gleichen Zeit schieben sich auch die jugendfrischen, noch halbnomadischen Aramäer von Osten her nach Syrien hinein und unterbrechen so endgültig die Einwirkung der Hethiter auf Palästina. Neue und weite Ausblicke in die Herkunft und Wanderungsgeschichte der Hethiter eröffnet die eben erfolgte bahnbrechende Entdeckung von Hronzny (Mitt. d. Deutsch. Or.-Ges. Dez. 1915), daß die Sprache der Hethiter eine westindogermanische, dem Lateinischen und Griechischen nahestehende, war. Diese merkwürdige Tatsache läßt, da die uns ans bildlichen Darstellungen gut bekannten Hethiter in ihrer Körperbeschaffenheit zweifellos von ihrem Sprachverwandten in Europa grundverschieden sind, nur eine Erkärung zu: Die Invasion eines europäischen Stammes, wahrscheinlich von Thrakien her. gab den hethitischen Stämmen eine indogermanisch sprechende Oberschicht, die körperlich von der Masse der hethitischen Bevölkerung aufgesogen wurde, während ihre Sprache sich durchsetzte (wenigstens als Sprache der meisten Dokumente). Daneben scheint eine ursprüngliche hethitische Sprache in der „Charri-Sprache“ etlicher Urkunden sich erhalten zu haben. In welche Zeit dieser Einbruch von Indogermanen in Kleinasien zu setzen ist, läßt sich noch nicht bestimmt erkennen. Als untere Grenze aber dürfte etwa 2000 v. Chr. anzunehmen sein. Denn diese Invasion ist augenscheinlich die Ursache für die Bildung eines einheitlichen hethitischen Großreichs, und dessen Expansionskraft ist bereits nach etwas über zwei Jahrhunderten so stark, daß es der 1. Dynastie von Babel ein Ende macht (nach Ed. Meyer um 1760 v. Chr.). Sehr wahrscheinlich steht auch die Umwälzung in Kleinasien in ursächlichem Zusammenhang mit den Anfängen der amortischen Bewegung.

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