Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1916-12-22 · 51 (22.12.1916) · p. Seite 490

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
51 (22.12.1916)
Date
1916-12-22
Page
Seite 490 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9072829-9102942-9138073--01187-9074013
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

490 Das jüdische Echo Nr. 51 51., Und setzten auf den Tisch die Brode, und breiteten die Vorhänge aus, und vollendeten das ganze Werk, das sie machten. 52., Und sie standen früh auf am 2 5. des 9. Monats, das ist der Monat Kislev im 148 Jahre. 53., Und brachten Opfer dar nach Vorschrift auf dem neuen Brandopferaltar, den sie gemacht. 54., Um die Zeit und an dem Tage, an dem ihn die Heiden entweiht hatten, da wurde er erneut mit Liedern und Zithern und Harfen und Cymbeln. 55., Und das ganze Volk fiel auf das Angesicht, und sie bückten sich, und priesen den Himmel, der ihnen Glück gegeben. 56., Und sie feierten die Erneuerung des Altars acht Tage und brachten Brandopfer in Fröhlichkeit und opferten Opfer des Sieges und des Dankes. 57., Und sie schmückten die Vorderseite des Tempels mit goldenen Kränzen und Schildchen, und erneuerten die Tore und Zellen und machten Türen daran. 58., Und es herrschte eine sehr große Freude unter dem Volke, und die Schmach der Völker wurde abgewendet. 59., Und es setzten fest Juda und seine Brüder und die ganze Gemeinde Israel, daß die Tage der Einweihung des Altars begangen würden zu ihrer Zeit Jahr für Jahr acht Tage lang vom 25. Tage des Monats Kislev an, mit Freude und Dank. 60., Und sie befestigten in jener Zeit den Berg Zion ringsum mit hohen Mauern und festen Türmen, damit nicht einst die Heiden eindrängen und sie niederschlügen, wie sie früher getan und legten eine Besatzung zum Schutz hinein. 61., Auch befestigten sie, um ihn noch zu schützen, Baithsur, damit das Volk eine Schutzwehr gegen Jdumäa hätte. Patriotismus, Weltbürgertum und Judentum. Bei Ausbruch des Weltkriegs erklärte Professor Ludwig Geiger in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums“: der Krieg habe endgültf» die Verbindung zwischen den deutschen Juden und denen der feindlichen Staaten gelöst; die deutschen Juden seien jetzt nur noch Deutsche und ganz Deutsche. Die genannte Zeitung hat in Artikeln ihres Herausgebers und anderer Mitarbeiter diesen Standpunkt seither aufrecht erhalten; Dr. Willy Cohn hat dort das Wort von Eigene Verkaufsstelle: Cognac Macholl München den besten französischen Marken ebenbürtig — überall erhältlich. Karlsplatz 25 (Hotel Königshof) der „Scheidewand“ geschrieben, die zwischen den deutschen Juden und den Ostjuden bestehe. Der Sozialdemokrat Eduard Bernstein erklärte jüngst in der „Friedenswarte“, die Juden seien auf Grund der Geschichte ihres Volkes die geborenen Pazifisten und hätten die Pflicht, das weltbürgerliche Empfinden hochzuhalten und das Gemeinsame und Verbindende unter den Völkern zu pflegen. Ich stelle diese beiden Zitate absichtlich nebeneinander. Sie sind die zwei extremen Antworten auf das der jüdischen Ethik gesetzte Problem, das mit den Worten Vaterland — Menschheit — Judentum bezeichnet ist. Geigers Antwort legt die Juden ganz fest auf das Vaterland, die Bernsteins auf die Menschheit. Sie beide sind einig — die Extreme berühren sich hier — in der Hintansetzung der jüdischen Volksgemeinschaft. Es liegt nahe, sich die kritische Stellungnahme zu diesen beiden Ansichten über jüdische Pflicht leicht zu machen, durch Verwendung des bei der Kritik von Extremen üblichen Gemeinplatzes: „Die Wahrheit liegt in der Mitte“ — etwa in dem Sinn: die Juden sollen ihrem Vaterland staatsbürgerlich treu dienen, sollen aber auch die ihnen religiös vorgeschriebenen Ideale der Humanität und Menschheitsverbrüderung nicht vernachlässigen; mit beidem vertrage sich recht wohl die Aufrechterhaltung der Gemeinschaftsbeziehungen zu den Juden anderer Staaten. Diese Mittelwahrheit ist so richtig, aber auch so verwaschen und unbestimmt, wie eben Mittelwahrheiten sind, und darum hier unbrauchbar; denn die im Titel bezeichnete Frage bedarf einer klaren und bestimmten Antwort. Es wäre ein Irrtum zu sagen, daß Geiger mit seiner Theorie von der Aufhebung der Gemeinschaft zwischen deutschen und außerdeutschen Juden „Unrecht“ hat. Geiger hat Recht für sich und seinesgleichen, für alle, die so fühlen wie er, dessen geschwächtes jüdisches Gefühl! wie ein verlöschendes Flämmchen vom brausenden Sturm des Weltkriegs ausgeblasen wurde. Beweisen kann man diesen Juden nicht, daß es eine jüdische Volksgemeinschaft gibt, weil, wie die Dinge heute liegen, die Judenheit jedes objektiven nationalen Substrats (Land, Staat, einheitliche Sprache, gemeinsame Geistesinhalte usw.) ermangelt und das einzige volksbildende Element ein subjektives ist: das Gefühl der Gemeinschaft (Vergl. hiezu meine Untersuchung des Begriffs „Jüdische Nation“ in meiner Schrift— Berlin Carl Heymanns Verlag 1916 — „Die Judenfrage“, S. 71 ff.). Man hat dieses Gefühl, oder man hat es nicht. Also hat Geiger Recht für sich und seinesgleichen und verdient nicht den Vorwurf, er sei Verräter am eigenen Volk. Er ist das schuldlose Objekt, der durch Geburt, Anlage, Erziehung, Milieu und persönliches Schicksal an ihm vollzogenen Assimilation. Aber er hat Unrecht, wenn er aus seiner Art eine ethische Norm für die Allgemeinheit macht. Als Führer der Judenheit lehnen wir ihn ab. Die hinter ihm stehende Schar Gleichgesinnter ist nicht sehr zahlreich. Derselbe Krieg, der sein jüdisches Gemeinschaftsgefühl zum Verlöschen gebracht hat, hat in den allermeisten Juden, gleichviel ob liberal, orthodox oder zionistisch, dieses Gefühl verstärkt, kraft dessen sie den Ostjuden trotz allem Trennenden als Brüder verbunden sind und diesen gegenüber ethische Verpflichtungen von größerer und andersartiger Verbind-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.