Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1916-12-15 · 50 (15.12.1916) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
50 (15.12.1916)
Date
1916-12-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9072829-9102942-9138072--01173-9073999
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Ängelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag — Bezugspreis: Viertelj. M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Ganzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 PL — Verlag des „Jüdischen Echo“: München, Herzog Maxstr 4 — Redaktion: Helene Hanna Cohn, München, Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 40 PL — Bei Wiederholungen Rabatt— Dieselbe für k 1 e i n e Anzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag des „Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 50 München / 5. Jahrgang 15. Dezember 1916 JpHPr ^er keu*e offenen Augen um sich blickt, sieht eine Fülle von Pro- * blemen um sich aufsteigen, deren Lösung ihn mit banger Sorge um die Zukunft erfüllt. Wird eine Lösung in günstigem Sinne restlos möglich sein? Der Wissende fYlllß Hac Rlatt IßkQÄri das ihm über alle Fragen des öffentlichen Lebens, MIUU UQ3 UIQU lg die in so ungeheurem Maße in seine Entwicklung eingreifen können, über die politischen Strömungen und Einflüsse, wie über das jüd. Gemeindeleben, über jüdische Wissenschaft wie jüdische Literatur in umfassenderWeise aufklärt und das seine Interessen vertritt. Judentums geziemt. Das „Jüdische Echo“ darf heute als die führende jüdische Zeitung Bayerns bezeichnet werden. Wir bitten daher jeden, der Sinn für die Schwere unseres Kampfes hat, unbeschadet der besonderen Parteirichtung — Meinungsverschiedenheiten wird es ja immer geben; aber es ist der große Kampf, der alle eint — das „Jüdische Echo“ zu abonnieren. Ein ansehnlicher Leserkreis ist unser, aber es stehen noch viele abseits, und wir bitten daher alle jene, die noch nicht regelmäßige Bezieher des „Echo“ sind, beiliegende Bestellkarte auszufüllen (der geringe Preis!) und an den Verlag zu senden. Verlag des Jfldlschen Echo, Mönchen, Herzog Mixslrafle 4. Staatspflicht und nationale Pfichten. Von M. Frischländer. Nach der Wiederherstellung des Königreichs Polen wird die Lösung der Judenfrage eine der wichtigsten Aufgaben des polnischen Staates bilden; sie wird voraussichtlich dadurch erleichtert, daß die Beziehungen zwischen Polen und Juden im zukünftigen selbständigen Polen viel näher und ihre gegenseitigen Interessen enger miteinander verknüpft sein werden, als bisher. In den Zeiten der Russenherrschaft wurden die polnisch-jüdischen Beziehungen verschärft nicht nur dadurch, daß die russische Regierung geflissentlich die Nationalitäten gegeneinander aufhetzte, sondern auch noch durch den Umstand, daß es für den Juden eine schwierige Aufgabe war, seine Vaterlandsliebe tatkräftig zu bezeugen. In den unabhängigen Staaten besteht der Patriotismus in Friedenszeiten nicht in ungewöhnlichen Opfern und Wohltaten, sondern in der Erfüllung der gewöhnlichen bürgerlichen Pflichten. Der Mensch, der regelmäßig seine Steuer zahlt, dem Militärdienst genügt, öffentliche Schulen besucht und ehrlich seinem Beruf nachkommt, ist schon damit selbst ein vollwertiger Bürger seines Landes, denn auf der überwiegenden Zahl solcher Bürger ist der Wohlstand des Landes gegründet. In Polen hat jedoch dieser Maßstab für den Patriotismus bisher wenig Gültigkeit gehabt; solange Polen dem russischen Staate angegliedert war, flössen die Steuern der Einwohner Polens nicht für polnische, sondern für russische Interessen, das Militär diente zur Stütze der russischen Regierung und wurde sogar oft zur Bekämpfung des Polentums gebraucht. Dadurch wurde eine unüberbrückbare Kluft zwischen der russischen Regierung und der polnischen Nationalität geschaffen und als Patriot wurde nur derjenige bezeichnet, der die polnische Nationalität stützt und fördert. Aber von diesem vaterländischen Begriff war nur ein Schritt zum Chauvinismus einerseits undi zum Antisemitismus andererseits. Um als guter polnischer Bürger angesehen zu werden, war es nicht genug, für den Nutzen des Landes sich zu betätigen, sondern man mußte noch den polnischen Nationalismus fördern. Gleichwohl bemühten sich die polnischen Reaktionäre — um die polnische Gesellschaft von dem wirklichen Feind Polens, der russischen Bürokratie; abzulenken — die Juden als die einzigen Feinde der polnischen Nationalität hinzustellen. So ist der polnische Patriotismus immer mehr in Anti-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.