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Das jüdische Echo · 1916-12-08 · 49 (8.12.1916) · p. Seite 474

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
49 (8.12.1916)
Date
1916-12-08
Page
Seite 474 (sequence 10)
Language
German
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474 Das Jüdische Echo Nr. 49 ich besaß; dann nahm ich das Mägdelein, es war zwölf Jahre alt, brachte sie in mein Haus, zog ihr Kleider an, und sie wuchs bei mir auf. Ich hatte aber einen Sohn, der war einundzwanzig Jahre alt; da sprach ich eines Tages im geheimen zu ihm und redete mit ihm in Güte; Mein Sohn, höre auf meinen Rat, tu nach meinem Gebot und erfülle meinen Willen, damit es dir wohlergehe diesseits und jenseits. Mein Sohn versetzte: Sage mir an, was dein Wille ist! Ich will mich von deinen Geboten weder zur Rechten noch zur Linken wenden. Da sagte ich zu ihm: Mein Wunsch ist, daß du dieses Mägdlein zum Weibe nehmest, ich will euch Kleider machen und kostbare Zieraten geben. Mein Sohn erwiderte: Ich bin unter deinem Schutz, tu, was dir wohlgefällt. Da ward mein Herz überaus fröhlich, ich besorgte alles, wfessen die Brautleute bedurften, vom Faden bis zum Schuhriemen, ich ließ es an nichts fehlen und machte ein großes Hochzeitsmahl; es war keiner in der Stadt, den ich nicht geladen hätte; ich ließ die Armen neben den Vornehmen sitzen, daß sie sich nicht gering geachtet fühlten, und trug den Gästen allerlei Speise und Wohlschmeckendes auf, und sie aßen und tranken und waren froh und guter Dinge. Allein um einen Tisch saßen einige, und keiner genoß etwas von dem Dargebotenen. Ich ging auf sie zu und sprach: Meine Brüder, warum tut ihr solches, habt ihr an den Speisen etwas gefunden, was euch zuwider wäre? Die Gäste antworteten: Bewahre, nie haben wir Besseres je gesehen. Aber dieser Mann hier, den du neben uns hingesetzt hast, weint immerwährend, vergießt Tränen und jammert die ganze Zeit über, also daß wir vor seinem Stöhnen und Wehklagen nicht essen können. Da nahm ich den armen Mann bei der Hand, führte ihn auf die Straße hinaus und sprach zu ihm: Bruder, warum tust du mir solches an, daß du meine Hochzeitsgäste betrübst? Sage mir, was ist dir und warum grämt sich dein Herz? Verhehle es nicht vor mir; hast du eine Schuld zu bezahlen, so will ich sie für dich tilgen, oder bedarfst du sonst des Geldes, so will ich es dir leihen. Da sprach der Fremde: Nein, ich bin niemand etwas schuldig, auch will ich nicht, daß man mir mit Geld aushelfe. Aber ich weine um das Mädchen, das du heute deinem Sohn zum Weibe gibst; sie ist mit mir aus einer Stadt, und ich bin einer, der sie vor vielen Jahren geheiligt hat, und sie ward mir verlobt; aber danach geriet sie in Gefangenschaft, und auch ich folgte ihr, und, siehe, hier habe ich die Verlobungsurkunde. Der Arme zog ein Blatt hervor, und ich sah, daß es in Wahrheit so war, wie er gesprochen hatte. Da sagte ich zu ihm: Wüßtest du noch ein Zeichen am Leibe des Mädchen anzugeben? Der Fremdling sprach: Ich habe sie einmal in ihres Vaters Hause gesehen und habe an ihrem Leibe an einer Stelle ein Zeichen bemerkt. Da glaubte ich seinen Worten und sprach zu ihm: Fasse Mut und Geduld, ich werde dein Sehnen erfüllen. Und ich rief meinem Sohn und sprach zu ihm: Mein Sohn, du hast meinen Willen getan und hast dieses Mägdelein dir .antrlauen lassen; nun tu wieder nach meinem Wunsch in allem, wie ich zu dir sprechen werde, auf daß es dir wohlergehe. Mein Sohn gab zur Antwort: Wie ich zuvor dein Geheiß befolgt habe, so will ich es auch jetzt befolgen und will dir nicht Widerreden. Darauf sprach ich zu ihm: Das Mägdlein, das du nehmen solltest, ist einem anderen verlobt gewesen, und ich habe die Urkunde davon gesehen; lhsns Vogl, Architekt, München NllgustmstraKe 63 Kgb. Ilsterkstätte für kunstgewerbliche Möbel unö Altertümer öpestalgefchäst für moderne Kunst und Altertums-stlöbel / figuren / Bilder in allen tharakteren / Restaurieren Kunstgeschichtl. Bortragskurse 1. Kunstlehre (Die Technik der verschied. Künste) 2. Kunstgeschichte (Geschichte d. deutschen Kunst) 3. Führungen durch Museen Lehrerin f. neue Sprachen u. Kunstgeschichte L.UIIC von der Tannstraße 15|II, Aufgang 0 r. Honorar 10 Mark monatlich, o Sprechstunde von 12—1 und 3—4 Uhr 8oc - Frau M. Kern Dentistin für Frauen und Kinder Ab 1. Oktober: Barcrstr. 75/1 Sprechzeit: 10—12 u. 2—4 Uhr. Telephon 33506. Zabnbeilknnde / Moderner Zahnersatz / Zahnregollerungen. Alle natürlichen MINERALWASSER heuriger Füllung Qnellenprodakte u. Bade-Ingredienzien Josef von Mende/'sche Apotheke, Hoflief. München-Schwabing, Siegesstrasse 1. Telephon 31043. — Auswärts Versand rasch besorgt. Nähkurse MÜNCHEN (Hofgartenviertel) Pilotystraße 9a Damen und Fräuleins besserer Kreise fertigen sich ihre Kleider selbst unter praktischer Anleitung von 2—5 Uhr. Frau Ferrari I i \ s Erstklass. Wiener Damenschneide A i Elegante Maßanfertigung Spezialität: „„ Sportkostüme und Mäntel Mässige Preise! W. Zinkowitch Schommerstraße 1/n i J1

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