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Das jüdische Echo · 1916-12-08 · 49 (8.12.1916) · p. Seite 466

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
49 (8.12.1916)
Date
1916-12-08
Page
Seite 466 (sequence 2)
Language
German
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466 Das Jüdische Echo Nr. 49 dische Assimilantengruppe in Polen, dank ihrer wirtschaftlichen Stellung, einen Einfluß besitzt, der mit ihrer Stärke gar nicht im Einklang steht, hat man in den letzten Wiochen von maßgebender Seite häufig genug zu hören bekommen, die Juden der besetzten Gebiete müßten doch zuerst einmal. sich selbst darüber klar werden, ob sie sich in nationaler Hinsicht als „Juden“ oder als „Polen“ fühlen. Wenn an dem Bestreben der Assimilanten, die nationale Sonderexistenz der Juden Polens abzustreiten, die Gewährung von Garantien für ihre freie kulturelle Entfaltung scheitern sollte, so würde der rühmlosen Golusgeschichte des jüdischen Volkes ein neues, wenig erfreuliches Kapitel hinzugefügt worden sein. Weiterleben wird das Judentum in Polen und überhaupt das jüdische Volk trotzdem, wie es trotz aller Versuche, die jüdische Volks-Individualität den anderen auszuliefern, immer weitergelebt hat, es wird sich nur wiederum eine Möglichkeit, seine Lage zu bessern, verscherzt haben. Gut wäre es, wenn dies auch von Kreisen in Deutschland, die Einfluß auf die Gestaltung der polnischen Judenfrage zu nehmen suchen, bedacht würde! Ein Abgesandter der zionistischen Organisation, Herr Nachum Goldmann, ist in dieser Woche nach Warschau gereist, um das Seinige zur Schaffung eines jüdisch-polnischen Blocks beizutragen. Von dem Erfolg seiner und der Einigungsversuche überhaupt hängt es ab, ob die polnische und die deutsche Regierung sich weiter einer Reihe kraftloser jüdischer Gruppen oder vielmehr einer jüdisch-polnischen Volksmacht gegenüber sehen werden. moderne Kultur beißt, des Anteils an Pflichten und Leistungen gegenüber dem an Rechten, müßte mit wünschenswerter Deutlichkeit zeigen, wie ungleich die Liebe des Vaters Staat auf seinen Kindern lastet. Es gibt Leute, die eine „gerechte Statistik“ als „contradictio in adjecto“ bezeichnen, da sich mit Zahlen nun einmal alles beweisen ließe. Wollte man dies annehmen, so wäre dias Ergebnis abhängig von der Absicht, von der die Erhebung ausgeht, und mit der sie durchgeführt Wirt1 Nach den oben angeführten Äußerungen lehne die Kriegsministerien eine judenfeindliche Tendenz entschieden ab. Aber diese energische Abschüttelung kam erst nachträglich, so spät, daß von der Absicht, Material zur Zurückweisung der Anschuldigungen gegen Juden zu erhalten, nicht mehr in die Durchführung der Erhebung hätte eindringen können. Man wird also nie behaupten können, die Statistik sei amtlich zu unseren Gunsten beeinflußt gewesen. Die entgegengesetzte Beeinflussung konnte dagegen der Wortlaut des ersten Erlasses ohne weiteres haben. Man war aflso ängstlicher gegen uns, als für uns. Ich nehme auch das gerne hin: um so beweiskräftiger zu unserer Entlastung muß das Ergebnis sein, wenngleich eine mit Absichten operierende Statistik natürlich mit wissenschaftlicher Zuverlässigkeit nichts zu tun hat. Und nun ist die ganze Statistik in der Art wie sie gemacht wurde, unrettbar falsch, weil ihr die Einheitlichkeit wie auch jede Vergleichsgröße fehlt. Im Zeitalter Georg v. Mayrs ist Statistik eben eine Wissenschaft, nicht eine Stilübung. Die polnischen Stadtparlamente. In den größeren Städten des von Österreich okkupierten polnischen Gebietes — Lublin, Kielce, Petr i k a u — beginnen die Wahlen zu den Stadtparlamenten. Da die Polen überall darauf verzichten, mit den jüdischen Parteien — auch mit den Assimilanten — in Verbindung zu treten, müssen die letzteren jüdische Wahllisten auflegen und jüdische Volksversammlungen einberufen. Bisher bekämpften sie dieses Verfahren als gefährlichen „Separatismus“. Nunmehr zeigt es sich, daß auch ihre Bemühungen, sich zu den Polen zu rechnen, von den letzteren nicht als hinreichender Anlaß betrachtet werden, ihre Judenunterdrückung einzuschränken. Absichten und Wirkungen. Der Erklärung des bayerischen Kriegsministers, er kenne nur Soldaten und keine Unterschiede Ger Konfession oder Abstammung, werden wohl auch ähnliche Äußerungen von maßgebender preußischer Seite folgen müssen, nachdem das preußische Kriegsministerium bereits in einem zweiten Erlaß zur Judenstatistik die Absicht des ersten Erlasses dahin interpretierte, daß die Statistik nur das einwandfreie Material zur Entkräftung der „zahlreichen“ Anschuldigungen gegen die Juden liefern solle. Für uns ist es wichtig, daraus zu sehen: man will es nicht gewesen sein. Wir sind damit um einen Schritt vorwärts gekommen, trotzdem die Erhebung längst abgeschlossen ist. Denn was die Gemüter erregte, war ja nicht sowohl die Statistik selbst, als vielmehr der Geist von dem sie auszugehen schien. Eine gerechte Statistik schadet uns nicht, hat uns noch nie geschadet. Im Gegenteil, eine objektive Erfassung des Anteils der deutschen Juden an allem was Aber ich kann die Frage nicht unterdrücken, ob es wohl auch zu der Statistik gekommen wäre, wenn man von maßgebender Stelle die Begründetheit der Anklagen gegen „die Juden' von vornherein anerkannt hätte. Mir scheint man wäre dann längst energischer dreingefahren und hätte Mißstände ausgerottet, wo sie bestanden. Denn mit der Nennung von Namen und Truppenteilen hätten unsere Gegner, die sogar Nichtjuden als Juden bezeichnen, wenn’s gerade paßt, sicher nicht ängstlich zurückgehalten. In militärischen Kreisen ist man auch nicht zu zimperlich. Wie war es da doch mit den Elsässern? Als zu Anfang des Krieges Verratsfälle von Elsässern vorkamen und gewisse Kreise eilfertig mit Behauptungen bei der Hand waren: „Die Elsässer . . .“ oder gar „Alle Elsässer . . .“ — da hat man gar nichts von Statistiken gehört oder von Erlassen, d!ie vor aller Öffentlichkeit auf „d i e Elsässer“ mit Fingern gedeutet hätten. Aber in aller Stille wurden entscheidende Bestimmungen getroffen, denen man sofort ansah, was sie bezweckten und gegen die als abwehrende oder vorbeugende Maßnahmen man nicht wohl Hinwendungen machen konnte. Cognac Macholl München den besten franxöeleohen Marken ebenbürtig - überall erhältlich. Eigene Verkauftet«Ile: Karlsplatz 25 (Hotil IlBigshof)

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