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Das jüdische Echo · 1916-11-03 · 44 (3.11.1916) · p. Seite 413

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
44 (3.11.1916)
Date
1916-11-03
Page
Seite 413 (sequence 9)
Language
German
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«53Ü2? Nr. 44 Das Jüdische Echo 413 len. Dem Juden nimmt die Flamme das Letzte; die Ware ist sein Arbeitszeug. Ihn ruiniert der Krieg allein völlig. Und im Lande sitzen Tausende von Juden und sind Bettler geworden. E j a g o r a. Der Sabbat naht. Hinter den letzten Häusern der Stadt hocken Menschen, die unsern Juden aus Unterfranken und Hessen aufs Haar gleichen. Typen, die sich vielleicht nur dadurch unterscheiden, daß ihre Kleidung etwas anders und schlechter, bettelhafter Ist. Ich gehe vorbei. Ein Mädchen von sechs Jahren kreischt laut auf und läuft davon. Die Mutter geht schützend davor. „Hast du Moire?“ sag ich laut. Die Kleine sieht sich um und noch mehr die kleine Gemeinschaft. „Seid Ihr a Jid?“ fragte mich ein alter Mann. „A Jid, a Jid“, wiederholt als ich nicke, die Umgebung. Und es ist, als ob eine große Freude durch alle gehe. Und die einen von ihnen, stellt sich heraus, sind aus den Orten geflohen, die die Deutschen in Brand schossen, und die anderen aus solchen, die die Russen anziindeten. „Wir sind hier Fremde. Der Russe haßt uns. Dort unten haben sie sieben Juden gehängt, weil sie Spione sein sollten. Wenn die Deutschenan einem Orte bleiben würden. Heute sind sie zum dritten Male hier, ebenso oft die Russen. Und wir? Können wir nach Deutschland? Man läßt uns nicht herein. Können wir ins weite Rußland? Ihr wißt, es ist uns verboten. Bis wohin werden die Deutschen noch dringen? Sollen wir vorwärts, zurück? Können wir bleiben?“ Und ich erörtere die Lage, aber ich komme nicht weit. Was kann ich raten, was kann ich sagen? Nur der eine Gedanke geht mir nicht aus dem Kopf. Diese arme, gehetzte Masse, die für ihr Leben und das der Ihrigen zittert, soll spionieren? Sie wissen, daß jede Bewegung von ihnen, jedes Gespräch genau beobachtet wird, daß die Russen nur auf die Gelegenheit passen. Ich grüße sie und will etwas Jüdisches zum Schluß sagen. Es fällt mir nur ein: „Massel und Broche“. Da schütteln zwei Greise den Kopf, wehren mit der Hand ab und setzen sich resigniert auf die Erde. Miid’ und stumm. * * * Lalle. Nur ein paar Juden im Ort. Eine Wirtschaft, die von Russen und Deutschen ausverkauft, ausrequiriert ist. Kein Stück zum Essen mehr da. Truppen, immer wieder Truppen, ziehen vorbei, halten an, sehen nach, ob noch etwas in den Schränken sich findet, was zu essen ist. — Wir sprechen von den Fliegerbombardements. Leider sind ihre Opfer nicht etwa russische Städte. Nein, der Jude zahlt die Zeche. Nach Kalisch, Tauroggen, nun Kowno, Grodno. Wer kennt sie aber als jüdische Gemeinden? Wir sprechen vom Leben der Juden in Lalle. „Wir sind ,Am Haarez1,“ sagen sie zu mir. „In Kielmy, wo Sie durchgekommen sind, war eine große und schöne Gemeinde. Was nach dem Brande sein wird? Wer weiß.“ Hinten im Zimmer ist ein großer russischer Ofen. Da kriechen kleine Kinder, die sich um uns nicht gekümmert haben. „Tate,“ ruft das eine, „gebt mir a Broit (Brot).“ „Mamme,“ ruft ein zweites, „mir aach.“ „Seit acht Tagen haben wir keines,“ sagt die Mutter. Mein Bursche ist schon längst weg, der vielleicht noch eines hatte. Ich habe nichts bei mir und muß auch allmählich den Truppen nach. Ich verabschiede mich hastig und als ich schon gehe, höre ich immer, wie die Kleinen fragen: „Wann wird kimmen das Broit?“ Und im Wind verklingt das Schreien und das Jammern der Kinder. Eine junge Mutter weint leise. Gemeindenu. Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Gemeinden und Vereinen und von Personalnaohrichten, die in diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höfliohst eingeladen.) Personalien. Herr Dr. Max Mayer, der zeitweise die Redaktion des „Jüdischen Echo“ führte und jetzt als Redakteur der Zeitschrift „Der Jude“ in Berlin lebt, hat sich mit Frl. Erna Zweig verlobt. Wir sprechen idem geschätzten Mitarbeiter ‘unseites Blattes und seiner Verlobten unsere aufrichtigen Glückwünsche aus! I flnna Strampfer vorm. Franz Musil | | FEIME DRMEMSCHMEIDEREI I Telephon 26186 München 5chellingstr. 10 fe Elektrolyt Georg Hirth Energiesteigernd In jeder Apotheke erhältlich in: Pulverform (zu 0.50, 2.25 und 6 Mk.); Tablettenform (zu 0.50, 1.50 und 3.20 Mk ). — Literatur kostenfrei. — Hauptvertrieb und Fabrikation: Ludwigs-Apotheke München Neuhauserstr. 8. Dentist Strobel früher über 7 Jahre bei Herrn Hof-Zahnarzt Df. med. Brubaeher tätig Luitpoldstraße 8 Ecke Prielmayerstr. gegenüber Warenhaus Tietz. Konservierung kranker Zähne und Wurzeln. Spezialität: Plattenloser Zahnersatz. Ganze Gebisse. Erstklassige Ausführung. ■■■■■■«■■■■■ Zahnoperationen ■■■■■■■■■■■■ 0 mit den neuesten schmerzlosen Mitteln. Telephonische Nr. 11361. Anmeldung erwünscht. 0 Sprechzeit nur Werktags von 9—5 Uhr.

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