Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 43 (27.10.1916)
- Date
- 1916-10-27
- Page
- Seite 403 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 48 Das Jüdische Echo 308 jeden Hauste begriff niemals, warum er keine Freunde fand — er war ein Junge ohne psychologische Fähigkeit der daheim über den Folianten der Gamara saß’ über Hebbels Tagebüchern oder dem Reclamdruck des Satzes vom Grunde... Heute kneipte er hier mit den andern, und nun sollte er dafür auf den Schrank. Der Fuchsmajor, der jojte Sekundaner! Eichhorn, schlägt mit dem Fechtsäbel auf den Tisch und meldet dem hohen Präsidium einen Fuchsenulk: der Fuchs Bejach werde vom Schrank herab ein Gedicht aufsagen, das der Fuchs Grabert vorsprechen werde. Das Präsidium solle genehmigen. Alles schweigt, die Gasflammen brodeln hörbar — so stumm wird es, sonderbarerweise. Allah hat durch gründliche Fragen den genauen Sachverhalt erfahren, der sich dort unten gebildet hat; nun soll er sich dazu stellen. Er kann seine Genehmigung versagen, aber das gibt Streit, verletzt den Fuchsmajor, stört die Stimmung des Abends und nutzt wenig . . . denn wenn er nachher in der Fidelität, wie das üblich ist, den Vorsitz an jemand andern abgibt, kann die Schweinerei noch immer passieren. Für ihn ist’s eine Schweinerei, und es muß etwas geschehen, das so etwas ein für allemal begräbt, für heut und später. In seiner Gegenwart darf solche Niedertracht nicht Vorkommen. Er hat ein körperliches Gefühl von Angeriihrtsein dabei, er weiß nicht, was in ihm das Ganze als unerträglich empfindet, aber unerträglich ist es. Es handelt sich gar nicht mehr um diesen Bejach, es handelt sich um ihn selbst, um Allah, dem man hier zu nahe tritt. Man muß einen Weg finden, die Sache abzuwenden, ohne mit Grabert oder anderen feind zu werden — das lohnt es nicht — denn er kann den Langen leiden, er duzt sich mit ihm, und tut’s doch nicht mit jedem ... Da steht er nun, groß und braun, die Hand an der Waffe, sieht die neugierigen Gesichter, sieht den schmunzelnden Fuchsmajor, sieht, wie Levertin den Rauch der Zigarette von sich bläst und unbeteiligt dreinschaut, sieht die lachenden Füchse, Graberts Triumphmiene und das kalkweiße Gesicht Bejachs mit dem zuckenden Munde und den großen Augen voller Angst und verzweifelter Ohnmacht, sieht das alles mit einem Blick — dann beugt er sich zu seinem Nachbar: „Übernimm einen Augenblick,“ schiebt ihm den Säbel hin, ergreift sein Glas — will er sich entziehen? — und steht nach wenigen großen Schritten unten bei den Füchsen, neben Bejach. Und während ihn alle noch erstaunt ansehen, sagt er laut: „Stehen Sie auf, Bejach, wir könnten eigentlich Brüderschaft trinken.“ Eichhorn erstarrt mit offenem Munde, Grabert erblaßt, und setzt das Glas hart auf die Tafel. Allah hilft dem Kleinen, der nichts begreift, auf den Stuhl, gibt ihm das Glas in die zitternde Hand, sie verschränken die Arme und trinken. Es ist so still, daß man sie schlucken hört. „Schmollis, Bejach,“ sagt er absetzend, „laß es dir bekommen,“ und sie schütteln sich die Hände, nebeneinanderstehend, der Kleine auf dem Stuhl, und Allah: Jetzt sieht er langsam umher, und sein Blick bleibt auf Grabert haften, lange. Der errötet tief. Was noch? Daß wir ihn umringten und ihm jubelnd zutranken, Levertin und ich als die ersten aufspringend? Daß die meisten zwar nicht genau begriffen, was da vorgegangen war, daß sie aber wenigstens ahnten, wie sich hier einer von ihnen erwiesen hatte? Prost Allah! riefen i i Erstklass. Wiener « Damenschneider' I Elegante Maßanfertigung Spezialität: % Sportkostüme und Mäntel Mässige Preise! ji W. Zinkowitch Schommerstraße 1/n \ Ein bewährtes deutsches Erzeugnis ist Brosio’1 „SMOL“ SandmandelKleie Zu haben in Äpotheken, Drogerien, Parfümerien, Friseuren, Kaufhäusern usw. die Dose zu 50 Pfg. und der Kasten zu 150 Pfg. Otto Brosig, München 27. EINE schöne gewandte Handschrift nach anerkannter diplom. Methode — sowie ein guter Briefstiel hilft jeden Erfolg sichern! «rh|||7 vor Uehersleaerung UllUUIIt bietet eine rieht Buth- PrlYat-Kurse in d. gesamt. Kontor- Praxis: „MENTOR“ Rosental 5/11. wesen u. Ordnung. Dir. Alb. Kurtz, Bücherrevisor u. Kalligraph. Aufnahme täglich! Alle Fächer! Jedes Alter! r Papier Zeitungen, Zeitschriften, Bücher, Hefte, Akten, Stampf und Pappen, unter Garantie des Einstampfens Lumpen Neutuche, neue Stoffabfälle, Rupfen, Seile, Stricke, Flaschen verschiedener Arten, Alteisen kauft stets jedes Quantum, groß und klein, zu allerhöchst. Preisen, holt frei ab Josef Duschl’s Rohprodukten-Grosshandlfl., Dachauerstr.21/0,2. Hof lks. Telephon 10436. Geöffnet ununterbrochen v. früh 6 Uhr bis abds. 8 Uhr. =>cx BUCHDRUCKEREI B. HELLER MÜNCHEN HERZOG MAXSTRASSE 4 TE LEPH ON 53 099 ANFERTIGUNG VON DRUCKARBEITEN ALLER ART IN GESCHMACKVOLLSTER AUSFÜHRUNG BEI RASCHESTER LIEFERUNG Die. von Hans Maier Preis Mark —.20 Buchhand!. Nationalverein München, Herzog Maxstr. 4 497