Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 42 (20.10.1916)
- Date
- 1916-10-20
- Page
- Seite 390 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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390 Das Jüdische Echo Nr. 42 vor Jomkippur muß der Rabbi aus dem tönernen Bilde den „Schern“, den Namen Gottes entfernen, weil sonst unabsehbares Unheil geschehen kann. Wenngleich die Golemsage erst vom 17. Jahrhundert ab die Form einer Volkslegende angenommen hat, so ist doch schon in älteren jüdischen Quellen von der Erschaffung lebendiger Wesen durch Menschenhand die Rede. Schon Maimonides und Salomon ihn Gabirol haben sich mit dem Problem befaßt. Bei dem Golem des Maimonides ist die Einschreibung des Schern gleichbedeutend mit der Erkenntnis des Göttlichen zu verstehen. Auch der Baal Schern soll in der Mitte des 16. Jahrhunderts einen Golem erschaffen haben, und die Kunde von diesem vom Baal Schein erschaffenen Golem verbreitete sich über die Kreise der jüdischen Kabbalisten hinaus auch in christliche Kreise. Der letzte erschaffene Golem ist derjenige des Rabbi Dovidl, dessen Aufgabe aber nur darin besteht, den Sabbathgoi zu ersetzen. Den dichterischen Kern der Legende haben in jüngster Zeit außer Meyrinck auch Hugo Salus und Artur Holitscher verwertet; in der Auffassung des letzteren liegt die Lösung des inneren Golem- Problems in dem Wort : „Dir fehlt zum Menschwerden was mir zum Gottwerden fehlt.“ Die Golemlegende ist einmal ein speziell jüdisches, zum andren aber ein Menschheitsproblem, eine Versinnbildlichung des Schöpfungsaktes. Held wies schließlich noch auf die verschiedenen Variationen vom Ende des Golem hin, der einmal verbrannt, ein andres Mal zertrümmert, wieder ein andres Mal an die Wand genagelt, immer aber von der Hand seines menschlichen Schöpfers vernichtet worden sein soll .... Man verließ diesen Vortrag, der in einer abgerundeten, geschmackvollen Sprache gegeben wurde, mit dem Gefühl, daß Held unendlich viel gesagt und dennoch eine Fülle von Erkanntem und Geahntem verschwiegen habe, und daß es ebenso gut hätte geschehen können, daß aus dieser Rede statt einer literatur- und religionsgeschichtlichen Studie eine mystische Offenbarung geworden wäre. H. H. C. Feuilleton Der Dichter S. Frug. Der am 20. September in Odessa verstorbene Dichter S. Frug hat ein Alter von 57 Jahren erreicht. Seine von ewiger Liebe zum jüdischen Volke erfüllten Lieder sind zwar in russischer Sprache geschrieben, aber zum 'Feil ins Deutsche übertragen worden. Sein Tod hinterläßt eine tiefe Lücke in der Reihe der jung-jüdischen Poeten. Ich weiß es, mein Gott: Von Deiner Verheißung Wird sich erfüllen das leiseste Wort. Ich weiß es, mein Gott: Es sucht nur Dem Wille Und eines hat schon die Erfüllung gesehen, Ich liab’ es mit allen Sinnen gefühlt: Wir sind zu treibendem Sande geworden, Von jeglichem Fuße durchwühlt .... Es hat sich erfüllt!... Wie Sand und wie Steine Zerstreut und zerstoben zu Schande und Spott! Nun aber die Sterne mit leuchtendem Scheine, Die Sterne, die Sterne, wo sind sie, mein Gott?... Geschäfts-Echo „Besser als wie ein reiches Erbe ist, die Anerziehung und Selbständigkeit der Jugend in der praktischen Eertigkeit des Lebens.“ Lastor. Wer als Geschäftsmann heute nicht zu rechnen versteht, kommt nicht vorwärts, sondern zurück. Handel und Gewerbe haben nur dann einen goldenen Boden, wenn sie sich auf B uch- und R e c h n u n g s f ii h rung gründen. Jedermann, der auf gute Ordnung hält, wird sich und seinen Nachfolgern eine richtige Buchfiihr u n g einrichten, denn er ist dann imstande: 1. Über seine Vermögenslage jederzeit Klarheit zu verschaffen, die Zu- und Abnahme (Gewinn, Verlust) zu überschauen. 2. Seine Forderungen säumigen Schuldnern gegenüber vor Gericht nachzuweisen. 3. Über sein Einkommen einen richtigen Nachweis zur Steuererklärung zu haben. 4. Sich im Verkehr mit den Geschäftsfreunden als ein Mann der Ordnung auszuweisen. Wer nicht auf eine ordentliche Buch- und Rechnungsführung hält, kommt in der Regel um den Erfolg seines Fleißes und kann den Zusammenbruch seines Geschäftes erleben. Eine weitere Nützlichkeit ist eine gute, schöne und flotte Handschrift, welche jedem Leser schon allein Sympathie für den Schreiber gewinnt, ihn zu einer näheren Bestimmung veranlaßt. Eine gute Handschrift ist so viel wert, wie die Höflichkeit im persönlichen Verkehr. Sie ist für einen jungen Mann die beste Empfehlung und zeigt seinen wirklichen Geschmack an. Aber die Sterne? Von S. F r u g. Übertragen von Th. Zlocisti. Es glänzt der Mond. Es glänzen die Sterne In wallender Nacht über Berg und Tal . . . Ui\ wieder les ich die uralten Blätter; Ich las sie tausend und tausende Mal. Und wie ich lese die heiligen Worte, Hält mich eine Stimme gebannt: „Mein Volk, Du wirst sein wie die Sterne am Himmel, Wie am Meeresgestade der Sand.“ V. exs> QJCS) <2XS> <2X9 « I fJCgf. ‘Bayer. cPorzettan* I | \TKanufakiur <7lymphenburg | a Oiaup{niedertage Ql{ünchen: Odeonspfaj 1 0 ^ünsfa. ßuxusgegenstände, ^afelbessert•, Q ^-affeeu. Teegeschirre, Figuren, 5rappen etc. ft nach aften Vlymphenburg&r Original ‘IKodeifen. 6) Außerdem neue formen und ffllodetfe nach <Snt• würfen erster Tlünchner Qdünstler, t