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Das jüdische Echo · 1916-10-06 · 40 (6.10.1916) · p. Seite 372

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
40 (6.10.1916)
Date
1916-10-06
Page
Seite 372 (sequence 6)
Language
German
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372 Das Jüdische Echo Nr. 40 und Märchen einander auf das vollkommenste, und hinter den ganz menschlichen Wundertätern steht als großer Zauberkünstler der Herrgott selbst. Diese bilderreichen, gedankenschweren und dabei doch so einfältigen Sagen erschließen uns die Welt des Chassidismus vielleicht besser als manche tiefsinnige Erklärung, und wir haben Alexander Eliasberg zu danken, daß er sie in ein abgerundetes, stilvolles Deutsch übertrug. Das verzauberte Pferd. Der heilige Rabbi Baal-Schem kam auf einer seiner Reisen in ein Dorf, wo ein Pächter, der sein, eifriger Anhänger war, wohnte. Der Pächter ließ für den Gast ein feines Mahl bereiten. Während des Mahles unterhielt sich Baal-Schem mit ihm über seine Wirtschaft und fragte ihn: „Hast du gute Pferde?“ Und als der Pächter das bejahte, schlug der Rabbi vor: „Wollen wir in den Stall gehen und deine Pferde sehen.“ Im Stalle gefiel dem Rabbi ein kleines Pferdchen ganz besonders, und er bat den Pächter, er möchte es ihm schenken. Darauf sagte der Pächter: „Dieses kleine Pferd ist mir besonders lieb, denn es kann mehr als drei andere Pferde leisten. Wo drei Pferde nicht einen Wagen herausziehen können, zieht es ihn ganz allein heraus, wie ich es schon oft erlebt habe. Wenn Ihr ein anderes Pferd wollt, so will ich Euch das beste aus meinem Stall schenken.“ Baal-Schem erwiderte nichts. Sie sprachen über andere Dinge, und nach einer Stunde fragte der Rabbi den Pächter, ob ihm die Leute viel schuldeten. Der Pächter sagte, er habe viele Schuldner. Baal-Schem sagte ihm darauf: „Zeige mir, bitte, die Schuldscheine.“ Der Pächter brachte alle Schuldscheine, und als der Rabbi einen gewissen Schuldschein sah, sagte er zum Pächter: „Schenke mir diesen Schuldschein!“ Der Pächter darauf: „Rabbi, was taugt Euch dieser Schuldschein? Der Mann, der ihn gezeichnet hat, ist schon längst tot, und er hat nichts hinterlassen, womit man seine Schulden bezahlen könnte.“ Doch der Rabbi wiederholte seine Bitte, und der Pächter schenkte ihm den Schuldschein. Baal-Schem nahm den Schuldschein und zerriß ihn in kleine Fetzen: so erlöste er den Verstorbenen von seiner Schuld. Dann sagte er zum Pächter: „Geh, schau jetzt nach deinem kleinen Pferde!“ Der Pächter ging in den Stall und sah, daß das kleine Pferd tot war. Er begriff, daß die Sache nicht so einfach war, und Baal-Schem erklärte sie ihm: „Über den Mann, der dir den unbezahlten Schuldschein zurückließ, wurde am himmlischen Gerichtshöfe beschlossen, daß er dir die Schuld abarbeiten soll. Da wurde er in ein Pferd verwandelt und hat dir als solches zu deiner Zufriedenheit gedient. Als du mir aber den Schuldschein schenktest und ich ihn zerriß, wurde er frei von seiner Schuld. Darum ist nun das Pferd tot, und seine Seele ist erlöst.“ Die ausgeschüttete Suppe. Als der heilige Rabbi Menachem-Mendel bei seinem Lehrer, dem heiligen Rabbi Elimelech, studierte, war er noch niemandem als Wundertäter. und Mann des heiligen Geistes bekannt. An einem. Sabbat saß er mit den übrigen Jüngern an der 7 afel des Meisters. Als der Diener die Suppe auftrug, nahm Rabbi Elimelech die Schüssel und schüttete die ganze Suppe aus. Rabbi Menachem-Mendel erschrak und rief aus: „O wehe, mein Rabbi, jetzt wird man uns alle in den Kerker werfen!“ Die Jünger, die dabeisaßen, wären beinahe in ein schallendes Gelachter ausgebrochen, und nur die Ehrfurcht vor dem Meister hielt sie davon ab. Rabbi Elimelech antwortete aber: „Sei unbesorgt, mein Sohn, habe keine Angst: wir sind ja alle hier beisammen!1 Alle Anwesenden waren darüber sehr verwundert und Rabbi Elimelech erzählte ihnen selbst, was vorgefallen war: „Einer der kaiserlichen Beamten hatte böse Absichten gegen die Juden des ganzen Landes. Er hatte schon einigemal Anzeigen und Erlasse gegen die Juden verfaßt, um sie seinem Kaiser vorzulegen, damit er sie mit einem Siegel versehe. Doch jedesmal passierte ihm dabei ein Schreibfehler oder sonst irgendein Unglück, und das Papier fiel so aus, daß es dem Kaiser gar nicht vorgelegt werden konnte. Heute gelang es ihm aber, ein Schriftstück auszufertigen, das ganz ohne Fehl war, so daß er es dem Kaiser hätte vorlegen können. Als er mit dem Schreiben fertig war, ergriff er das Sandfaß, um auf das Papier Sand zu streuen. In diesem Augenblick kehrte ich die Suppenschüssel um, damit er dasselbe tue. Und er vergriff sich und nahm statt des Sandfasses das Tintenfaß und schüttete die Tinte auf das Papier aus. Menachem-Mendel hat das alles gleich mir im Geiste gesehen. Er war im Geiste gar nicht mehr hier und hatte vergessen, daß ich hier am Tische sitze; es kam ihm vor, als ob ich es gewesen wäre, der die Tinte ausgeschüttet hatte. Darum erschrak er so sehr und glaubte, daß man uns alle ins Gefängnis werfen würde.“ An jenem Tage begriffen alle, daß der junge Menachem-Mendel im Geiste Dinge sehen konnte, die sonst niemand sah. Alfred Rayer Damenschneiderei MUnchen, Blumenstr. 17/11 Feine MaliarDeil. Billigste Preise. Amerie. Surgeon Dentist OSKÄR STAHL l.d.s. * Nachf. JOSEF HERZOG Schillerst!*. 43/1 Tel. 52600 ordiniert von 10—1 u. 3—5 Uhr. Sonntag nur nach vorheriger Anmeldung. I Gewissenhaften I Nachhilfe - Unterricht I in allen Fächern für Schüler sämtlicher Lehranstalten von # erfahrenen Pädagogen. * Sorgfältige Ueberwachung I w Hausaiifgabeii. Individuellste Behandlung eines jeden I (Schülers zugesichert. Geeignet für Minderbegabte! * Elementar- und Konversalions-Spractienkurse I . Franz., Engl., Hai., spanisch, Porlugiesisch ■ Inach bestbewährterster Methode durch erfahrene Lehrkraft mit langjähriger Auslandspraxis. A Massiges Honorar! Sprechzeit: 2—4. I Die Direktion, Praterstraße 4. I I

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